A. Hirsi Ali: Macht euch bereit für die Muslimbruderschaft

05 Februar 2011
 A. Hirsi Ali: Macht euch bereit für die Muslimbruderschaft

Originalartikel: Get Ready for the Muslim BrotherhoodAmerican Enterprise Institute for Public Policy Research Von Ayaan Hirsi Ali Übersetzung von Liz/EuropeNews

Im Jahr 1985 als Teenager in Kenya, war ich eine unerschütterliche Anhängerin der Muslimbruderschaft. Siebzehn Jahre später, im Jahr 2002 war ich Teil einer politischen Wahlkampagne, um Wählerstimmen für die konservative Partei in den Niederlanden zu gewinnen.

Diese beiden Erfahrungen haben mir einige Einsichten vermittelt, so dass ich denke, dass diese für die gegenwärtige Krise in Ägypten relevant sein könnten. Sie führten mich dazu zu glauben, dass es höchst wahrscheinlich, aber nicht unvermeidbar ist, dass die Muslimbruderschaft die Wahlen, die im kommenden September in Ägypten abgehalten werden, gewinnen wird.

Als Teilnehmerin einer solchen Wahlkampagne habe ich ein paar grundlegende Lektionen gelernt:

• Die Partei muss ein politisches Programm haben, dem sich alle Mitglieder verpflichtet haben, mit einer Vision, wie man ein Land bis zur nächsten Wahl regieren kann. Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Partei sind ein sicherer Weg um die Wahlen zu verlieren.

• Die Kandidaten müssen nicht nur artikulieren was sie für das Land tun wollen, sondern auch, warum das Programm der anderen Partei eine Katastrophe für die Nation darstellt.

• Die Partei muss in so vielen Gemeinschaften wie möglich vernetzt sein, unabhängig von ihrer sozialen Schicht, Religion oder sogar den politischen Ansichten.

• Die Kandidaten müssen ihre potentiellen Wähler immer wieder an die Erfolge ihrer Partei und an die Misserfolge der Gegner erinnern.

Die säkularen demokratischen und Menschenrechtsgruppen in Ägypten und im Rest der arabischen Welt zeigen wenig Anzeichen dafür, dass sie diese Tatsachen des politischen Lebens verstehen. Die Muslimbruderschaft auf der anderen Seite, beachtet mindestens drei dieser vier Fakten.

Gut, sie sind niemals in der Regierungsverantwortung gewesen. Aber sie haben ein politisches Programm und eine Vision nicht nur bis zur nächsten Wahl sondern, aus ihrer Sicht, bis ins Jenseits.

Und sie sind gut darin die Ägypter daran zu erinnern, warum die Politik der anderen Parteien unheilig und daher eine Katastrophe für Ägypten ist. Am wichtigsten ist, dass sie damit Erfolg gehabt haben sich selbst in der ägyptischen Gesellschaft auf verschiedene Arten, die sich als entscheidend erweisen können, zu verankern.

Die Muslimbruderschaft wird betonen, dass eine Stimme für sie eine Stimme für das Gesetz Allahs ist. Aber die Positionen in der Regierung werden nicht durch Gott und seine Engel ausgeführt werden.

Als ich 15 war und mich selbst als Mitglied der Bewegung der Muslimbruderschaft betrachtete, gab es säkulare politische Gruppen in den Diasporas der Pakistanis, Jemeniten und Somalis, die in Nairobi, wie meine Familie im Exil lebten. Diese locker organisierten Gruppen hatten diffuse Pläne ihre Länder zu friedlichen, blühenden Nationen umzugestalten. Es waren Träume, die sie niemals umsetzten.

Die Muslimbruderschaft tat mehr als nur zu träumen. Mit Hilfe des Geldes aus Saudi-Arabien und anderen reichen Ölländern, bildeten sie Zellen in meiner Schule und in funktionieren Institutionen in meiner Nachbarschaft. Es gab Aktivitäten außerhalb des Lehrplans für alle Altersgruppen. Es gab Gebets- und Gesangsstunden, wie auch gemeinsame Koranlesungen. Wir wurden ermutigt uns freiwillig zu melden, um den Armen zu helfen und um Allahs Botschaft zu verkünden. Sie bauten Wohlfahrtsverbände auf, denen wir unseren Zehnten spenden konnten, welches dann dazu verwendet wurde den Gesundheitszentren und den Schulen zu geben.

Die Bruderschaft sorgte auch für das einzige funktionierende Bankennetzwerk, welches auf Vertrauen basierte. Sie retteten Teenager, die drogensüchtig waren und interessierten sie für eine zweckgerichtete Zukunft für die Gerechtigkeit. Von jedem von uns wurde erwartet, dass er mehr Menschen anwarb. Am wichtigsten war, dass ihre Botschaft Volkszugehörigkeit, soziale Schicht und gleiche Bildungsstandards überschritt.

Es ist wahr, dass die Bewegung gewalttätig war, aber wir im Westen tendieren dazu, die Fähigkeit der Muslimbruderschaft sich der Realität anzupassen und die gelernten Lektionen anzuwenden, zu unterschätzen. Eine solche Anpassung ist die andauernde Debatte innerhalb des Netzwerks über die Anwendung von Gewalt. Es gibt zwei Denkschulen innerhalb des Netzwerks, und beide beziehen sich auf den Propheten Mohammed.

Diejenigen, die einen sofortigen Dschihad wollenbeziehen sich auf die Zeiten als der Prophet kleine Armeen hatte, die die großen Armeen geschlagen haben, so wie in den Schlachten von Badr und Uhud. Der nichtgewalttätige Zweig der Bruderschaft betont die Ausdauer und Geduld des Propheten. Sie betonen die Dawa (Überzeugung durch lehren und Beispiel) und vor allem einen graduellen über viele Generationen gehenden Prozess durch den man an die Macht kommt und daran festhält. In erster Linie befürworten sie die Taqiyya, eine Strategie um mit seinen Feinden zusammenzuarbeiten, bis die Zeit reif ist, um sie zu besiegen, oder sie zum Islam zu konvertieren.

Warum sind die säkularen demokratischen Kräfte in Ägypten so viel schwächer als die Muslimbruderschaft?

Einer der Gründe ist, dass sie wie ein Gemisch vieler verschiedener Elemente sind: Sie sind Stammesführer, Liberale des freien Marktes, Sozialisten, stramme Marxisten und Menschenrechtsaktivisten. Mit anderen Worten, ihnen fehlt der Klebstoff der gemeinsamen Ideologie der vergleichbar wäre mit dem der Bruderschaft.

Und es gibt eine tief verankerte Furcht, dass eine Opposition zur Muslimbruderschaft, deren Ziel es ist die Scharia einzuführen sobald sie an der Macht sind, von den Massen als Zurückweisung des Islams angesehen wird.

Der Fehler der säkularen Gruppen ist, dass sie nicht mit der Botschaft rüberkommen, die das Gegensätzliche betont, die sagt „ja“ zum Islam, und „nein“ zur Scharia – mit anderen Worten, eine Kampagne, die die Trennung von Religion und Politik betont. Für Ägypten und die anderen arabischen Nationen muss es, neben der Flucht aus der Tragödie entweder Tyrannei oder Scharia, einen dritten Weg geben, der Religion und Politik voneinander trennt, während gleichzeitig eine repräsentative Regierung entsteht, Rechtsstaatlichkeit, und Lebensbedingungen, die Handel, Investitionen und Beschäftigung begünstigen.

Die Tapferkeit der säkularen Gruppen die sich nun zusammengefunden haben hinter Mohammed El Baradei kann nicht bezweifelt werden. Sie haben die Welt überrascht indem sie einen solch erfolgreichen Protest gegen einen Tyrannen angeführt haben.

Die nächste Herausforderung der säkularen Demokraten ist die Bruderschaft. Sie dürfen keine Zeit verschwenden das ägyptische Wahlvolk davon zu überzeugen, warum eine Regierung, die auf der Scharia basiert, schlecht für sie ist. Anders als die Iraner im Jahr 1979 haben die Ägypter ein Beispiel für ein Volk vor Augen, die sich für die Scharia entschieden haben – und jetzt damit leben und es bedauern.

Die „Grüne Bewegung“ aus dem Jahr 2009 im Iran war kein „nein“ gegen einen Machthaber, sondern ein „nein“ gegenüber der Scharia. El Baradei und seine Anhänger müssen klarstellen, dass ein auf der Scharia basierendes Regime im Inneren unterdrückend und nach außen hin aggressiv ist. Weiterhin müssen die ägyptischen säkularen Gruppen klarstellen, dass der Aufschrei der Massen gegen Arbeitslosigkeit, steigende Lebensmittelpreise und Korruption von einer auf der Scharia basierenden Regierung diese Qualen nur noch steigern würde.

Die Muslimbruderschaft wird darauf bestehen, dass eine Stimme für sie eine Stimme für Allahs Gesetz ist. Aber die Machtpositionen in der Regierung werden nicht von Gott und seinen Engeln ausgefüllt. Diese Positionen werden von Menschen ausgefüllt, die so arrogant sind, dass sie sich selbst an die Stelle Allahs setzen. Und so wie die Iraner im Jahr 2009 Lehrgeld bezahlen mussten, weiß man nun, dass es schwerer ist solche Menschen aus dem Amt zu wählen als hinein.

Die Obama Administration kann dabei mithelfen die säkularen Gruppen mit Ressourcen und den Fähigkeiten zu versorgen um zu organisieren, Wahlkampf zu führen und eine wettbewerbsfähige Ökonomie und bürgerliche Institutionen aufzubauen, so dass sie die Muslimbruderschaft an der Wahlurne besiegen können.

Ich habe im Laufe der Jahre gelernt, dass es ein paar Dinge in der demokratischen Politik gibt, die unabdingbar sind. Aber ohne eine effektive Organisation, könnten die säkularen, demokratischen Kräfte, die eine Tyrannei hinweggefegt haben, leicht selbst von einer anderen geschluckt werden.

Ayaan Hirsi Ali ist Mitarbeiterin am AEI.


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