AKP sieht sich als Hüterin der Frauenrechte - Freigabe des Kopftuches wichtiges Anliegen

derStandard.at - 21 April 2008
 AKP sieht sich als Hüterin der Frauenrechte - Freigabe des Kopftuches wichtiges Anliegen

Die konservativ religiöse türkische Regierungspartei AKP sieht sich als Hüterin der Frauenrechte

Ankara/Istanbul. Ein intensiver Einsatz für die Freigabe des Kopftuches sei dazu kein Widerspruch, sagte die Vorsitzende der Sektion für Frauen in der Partei, Fatma Sahin, am Montag in Ankara im Gespräch mit österreichischen Journalisten. Zehn Prozent der Parlamentsabgeordneten seien derzeit Frauen - so viele wie noch nie, sagt Sahin.

30 davon seien in der AKP-Frauenorganisation für die Aufgabe vorbereitet worden. 300.000 Mädchen seien dank AKP-Unterstützung eingeschult worden. Die Sterblichkeit von Frauen und Neugeborenen sei gesenkt, von der Verfassung bis zum Arbeits- und Strafrecht seien zahlreiche Gesetze entsprechend geändert worden. Größtes Problem sei noch die zu geringe Beschäftigungsquote.

Politische Tätigkeit verbieten

Sahin selber gehört zu jenen 71 Politikern, denen der Generalstaatsanwalt jede politische Tätigkeit verbieten will, weil sie die Trennung von Religion und Staat infrage gestellt haben soll. Auslöser des Verfahrens ist die Aufhebung des Kopftuchverbots an den Universitäten. Will Sahin nun das Kopftuch auch im öffentlichen Dienst oder an Schulen zulassen? "Das steht derzeit nicht auf unserer Agenda", sagt sie dazu und nach dreimaligem Nachfragen zu ihrer persönlichen Meinung: "Meine Meinung dazu kann ich nicht äußern". Sahin, technische Chemikerin, trägt kein Kopftuch; ihre Schwester, Pharmazeutin, schon. Etwa die Hälfte der Frauen in ihrer Organisation verhüllt ihr Haar, schätzt Sahin.

"Wir wollen nur die Rechte, die wir als Frauen auch bei Ihnen in Österreich haben", vergleicht Sahin. "Wenn wir einmal ein ganz demokratisches und freies Land sind, werden wir das Problem nicht mehr haben." Schließlich müsse es zulässig sein, dass über 18 Jahre alte Frauen, die heiraten und wählen dürfen, auch selber entscheiden, was sie anziehen.

Sahin rechnet nicht mit einem Verbot. Aber wenn, dann gebe es in der Partei auch einen Plan B und C. Und der breiten Unterstützung in der Bevölkerung ist sie sich gewiss. Die Frauenorganisation der AKP hat 1,2 Millionen Mitglieder.

AKP wird nicht Mitglied der EVP

Erdogan will Bann für Bikini und Burka beibehalten

Erdogan leugnet Genozid an den Armeniern: Türken-Premier verstört bei Auftritt in München

Türkei: Kopftücher und juristische Putschversuche

EU warnt die türkische Justiz

Türkei als "Islam-Theokratie" - Verbotsverfahren gegen AKP

Déjà-vu für Erdogan "Ich habe mich nicht geändert, ich kann mich nicht ändern."

(...mehr)
Themen: