"Hudna": Islamische Waffenruhe auf Zeit

Kleine Zeitung - 17 Juni 2008

"Hudna" ist nicht gleichbedeutend mit dem Begriff der Haager Landkriegsordnung. Schon von Prophet Mohammed wurde dieser zeitlich begrenzte Waffenstillstand praktiziert.

Unter ägyptischer Vermittlung hat sich die radikal-islamische Palästinenser-Organisation Hamas zu einem Waffenstillstand mit Israel bereiterklärt. Das Konzept einer islamischen Waffenruhe - arabisch "Hudna" - mit dem israelischen Erzfeind unterscheidet sich allerdings vom Verständnis westlicher Staaten.

Anderes Verständnis. Unter einer "Hudna" wird etwas anderes verstanden, als unter dem, was die Haager Landkriegsordnung von 1907 als "Armistice" - Waffenstillstand - definiert. Beobachter im Nahen Osten gehen davon aus, dass die Hamas einen Waffenstillstand nutzen würde, um sich neu zu gruppieren.

Kriegszustand bleibt. In Artikel 36 der Haager Landkriegsordnung ist definiert: "Der Waffenstillstand unterbricht die Kriegsunternehmungen kraft eines wechselseitigen Übereinkommens der Kriegsparteien. Ist eine bestimmte Dauer nicht vereinbart worden, so können die Kriegsparteien jederzeit die Feindseligkeiten wieder aufnehmen." Der Kriegszustand zwischen zwei Ländern bleibt dabei bestehen.

Lange Tradition. Das von Hamas und anderen radikalen Gruppen vertretene Konzept reicht dagegen bis in die Frühzeit des Islam zurück. Der Prophet Mohammed hatte erstmals 628 in Mekka mit seinen Gegnern eine Hudna ausgehandelt. Zwei Jahre später annullierte Mohammed die Waffenruhe - und eroberte mit doppelt so vielen Anhängern die Stadt Mekka.

"Heiliger Krieg". Im Statut der 1987 von Scheich Ahmed Yassin (der 2004 von Israel "gezielt getötet" wurde) gegründeten Hamas steht, nur durch einen "Heiligen Krieg" (Jihad) könne die "palästinensische Frage" gelöst werden.

"Zeitlich begrenzter Waffenstillstand". "Hudna" bezeichnet somit einen zeitlich begrenzten Waffenstillstand zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen, zwischen denen nach streng islamischer Auffassung kein Friedensvertrag möglich ist. Die Waffenruhe kann unterbrochen, sobald der Weg für einen muslimischen Sieg geebnet ist. Im Koran wird "Hudna" nicht explizit erwähnt, aber von islamischen Religionsgelehrten mit dem Vormarsch des Propheten Mohammed in Zusammenhang gebracht.

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