"Kosovo-Anerkennung ist wie Irak-Krieg"

Kurier - 20 Februar 2008

Mit der Anerkennung des Kosovo ist die EU den USA auf den Leim gegangen, sagt ein Abgeordneter der Kreml-Partei Geeintes Russland

Russland zeigt dieser Tage wenig Verständnis für die Anerkennung der Unabhängigkeit des Kosovo durch westliche Länder. "Ihr seid verrückt. Ihr werdet es sehen", sagt stellvertretend der Duma-Abgeordnete der Kreml-Partei Geeintes Russland, Sergej Markow, der auch Vizevorsitzender des Parlamentsausschusses für internationale Kooperation ist und als Politologe das Institut für Politische Forschungen leitet. Er prophezeit ähnliche Konsequenzen wie beim Irak-Krieg.

Mit der "verrückten Idee", Kosovos Unabhängigkeit von Serbien anzuerkennen, seien die europäischen Staaten den USA auf den Leim gegangen. Denn Washingtons Versuch sei es gewesen, die Europäische Union zu unterminieren und zu schwächen. Die Anerkennung des Kosovo "wird die selben katastrophalen Folgen haben wie der Krieg im Irak", sagt Markow wohl im Hinblick auf die Gespaltenheit der EU zu Beginn des Waffengangs im Irak und die nun nicht enden wollenden Kämpfe und Anschläge in dem Zweistromland.

Separatisten

Die betroffenen Länder würden "die Büchse der Pandora öffnen". Die Gefahr separatistischer Bewegungen sieht Moskau an vielen Orten der Welt. Im eigenen Land aber nicht. "Wir habe keine Gefahr von Separatistenbewegungen in Russland", erklärt Markow. In Tschetschenien habe es dies früher gegeben. Derzeit sei die größere Gefahr, Strömungen von radikalem internationalem Islamismus, die aber nicht sezessionistisch ausgerichtete seien.

Aus Diplomatenkreisen heißt es dagegen, dass Unabhängigkeitsbestrebungen im Nordkaukasus sehr wohl ein wesentlicher Hintergrund von Russlands hartem Standpunkt sein dürfte. Die Situation in Tschetschenien scheine zwar ruhig, allerdings nur, weil nicht darüber berichtet wird. Nach Tschetschenien werde man nur unter Beobachtung hineingelassen. Probleme gebe es aber auch in anderen Teilrepubliken, wie Inguschetien oder Dagestan.

Drogen, Waffen, Menschenhandel

So gesehen würde es freilich wenig Sinn machen, wenn Russland den Kosovo zum Anlass nehme, die - wie angedroht - abtrünnigen georgischen Gebiete Abchasien und Südossetien anzuerkennen. Obwohl die endgültige Entscheidung noch nicht gefallen sei, wäre eine Anerkennung "eher nicht realistisch", meint auch Duma-Abgeordneter Markow. Eher würde Russland den georgischen Regionen "viel helfen", so wie die Türkei den türkischen Zyprioten geholfen habe.

Ein weiterer Grund für Russlands Haltung zum Kosovo ist die historisch verankerte Verbundenheit mit dem ebenfalls orthodoxen Bruderstaat Serbien. Russland glaube nicht daran, dass die Kosovo-Führung eine multiethnische Gesellschaft anstrebe, sagt Markow. "Sie töteten schon viele Serben, sie haben 200.000 Serben aus dem Kosovo vertrieben und sie werden fortfahren, orthodoxe Kirchen zu zerstören." Außerdem äußert Markow massive Kritik an der Kosovo-Führung. Die Haupteinnahmequelle der kosovarischen Wirtschaft werde der Drogenhandel, Waffenschmuggel und Menschenhandel.

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