Thilo Sarrazin: Die dreizehn Punkte der politischen Korrektheit

09 April 2013
 Thilo Sarrazin: Die dreizehn Punkte der politischen Korrektheit

Thilo Sarrazin: The thirteen points of political correctness Gates of Vienna Transkript und Übersetzung EuropeNews

    Am vergangenen Samstag hatte Thilos Sarrazin von der dänischen Gesellschaft für Pressefreiheit (Trykkefriheds selskabet) den Sappho Preis für Redefreiheit erhalten

In seiner Dankesrede erwähnte er dreizehn Punkte, an denen man die politische Korrektheit erkennen kann. Die dreizehn Punkte der politischen Korrektheit – ein Ausschnitt aus der Rede von Thilo Sarrazin, am 6. April in Kopenhagen:

Die Denkweise der sogenannten 'politischen Korrektheit': Die meisten Menschen scheuen davor zurück irgendetwas zu sagen, oder sogar zu denken, was politisch inkorrekt sein könnte. Der Mechanismus der politischen Korrektheit verhindert so das Ausdrücken abweichender Meinungen, die der formalen Redefreiheit widersprechen. - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

Verleihung des Sappho Preises für Meinungsfreiheit an Thilo Sarrazin

Interview: Thilo Sarrazin zur Verleihung des Sappho Preises für Meinungsfreiheit 2013 in Kopenhagen

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Man verhindert dadurch sogar, das Entstehen inkorrekter Gedanken, weil die meisten Menschen ein Bedürfnis haben in Frieden zu leben, einem inneren Frieden zwischen sich und der vorherrschenden Strömung in der Gesellschaft.

Die vorherrschenden Szenarien der politischen Korrektheit ändern sich natürlich von Zeit zu Zeit. Aber zu jeder Zeit sind sie tief verwurzelt in der zum Teil unbewussten Denkweise der politischen Klasse und der Medien.

Im Nachgang zu den Reaktionen auf mein Buch konnte ich dreizehn Punkte ausmachen, die den Körper der politischen Korrektheit in Deutschland bilden, aber diese Liste passt bestimmt auch auf Dänemark. Das mögen Sie aber selbst entscheiden.

Mein Buch hat jeden einzelnen Punkt dieser Liste der politischen Korrektheit verletzt, wie ich hinterher feststellen konnte.

Im Folgenden nun die Liste der politischen Korrektheit in Deutschland. Ich denke, diese Liste beschreibt die Wahrheit, aber man benötigt etwas Humor oder Ironie, um sie ganz verstehen. Es ist ein Kennzeichen der politischen Korrektheit, dass sie völlig humorlos ist und ohne jede Ironie.

    Thilo Sarrazin: Die dreizehn Punkte der politischen Korrektheit

    Das Problem ist nicht ein einzelner Punkt auf dieser Liste, sondern es ist die Kombination daraus, sowie die strenge Anwendung auf das politische Denken. Und hier kommt meine Liste:

    1) Ungleichheit ist schlecht – Gleichheit ist gut.

    2) Zweitrangige Tugenden, wie Fleiß, Präzision oder Pünktlichkeit haben keinen besonderen Wert. Wettbewerb ist moralisch fraglich, außer im Sport, weil dieser die Ungleichheit fördert, siehe Punkt 1 auf der Liste.

    3) Die Reichen sollen sich schuldig fühlen. Ausnahme: Reiche, die ihr Geld als Sportler verdient haben oder als Popstars, dürfen sich daran erfreuen.

    4) Verschiedene Lebensumstände haben nichts zu tun mit der Wahl der Menschen, sondern nur mit den Lebensumständen in denen sie sich befinden.

    5) Alle Kulturen haben den gleichen Rang und Wert. Insbesondere die Werte und der Lebensstil des christliche Okzidents und der westlichen Industrieländer sollten keinerlei Bevorzugung erfahren. Wer darüber anders denkt ist natürlich provinziell und fremdenfeindlich.

    6) Der Islam ist eine Religion des Friedens. Diejenigen, die Probleme mit der Einwanderung aus islamischen Ländern haben, machen sich der Islamophobie schuldig. Das ist beinahe so schlimm wie Antisemitismus.

    7) Die westlichen Industrienationen tragen die Hauptverantwortung für die Armut und Rückwärtsgewandtheit anderer Teile der Welt.

    8) Männer und Frauen haben keine natürlichen Unterschiede, außer ihrer physischen Sexualmerkmale.

    9) Die menschlichen Fähigkeiten sind abhängig von Training und Bildung. Unterschiede, die vererbt wurden, spielen kaum eine Rolle.

    10) Es gibt keinen Unterschied zwischen Völkern und Rassen, außer natürlich ihre physische Erscheinung.

    11) Der Nationalstaat ist ein Auslaufmodell. Nationale Identitäten und Besonderheiten haben keinen besonderen Wert. Das nationale Element als solches ist ziemlich schlecht, in jedem Fall ist es nicht wert es zu erhalten. Die Zukunft gehört der Weltgemeinschaft.

    12) Alle Menschen auf der Welt haben nicht nur gleiche Rechte, sie sind tatsächlich gleich.

    13) Kinder sind Privatsache. Die Einwanderung kümmert sich um den Arbeitsmarkt und um andere demographische Probleme.

    So weit meine Liste.

    In dieser kondensierten Form mag sie wie ein Witz klingen, aber es ist kein Witz: Wenn Sie die Zeitungen lesen, werden Sie sehen, dass sie offensichtlich in jedem Kopf steckt, der schreibt. Es gibt versteckte Handlungen der vorherrschenden politischen Meinung in Deutschland, wie auch in anderen Industrieländern, so wie ich sie gesehen habe.

    Jeder Punkt auf meiner Liste hat einen hohen emotionalen Wert für diejenigen, die daran glauben. Das Grundproblem besteht darin, dass teilweise moralische und teilweise ideologische Ansichten für bare Münze genommen und mit der Wirklichkeit vermischt werden.

    Es ist eine immer wiederkehrende Arbeit, fürchte ich, dies auszusortieren.

    Es stimmt mich jedoch ein wenig optimistisch, dass ich nach dem ganzen Theater moralisch immer noch lebe und nicht als Person und Autor schmählich vergraben und vergessen bin. Das war sicherlich die Absicht der breiten Mehrheit der politischen und medialen Klasse, aber ein einziges Mal hat die breite Öffentlichkeit damit nicht übereingestimmt.

    Dies ist für ich genommen schon eine befriedigende Angelegenheit gewesen, nicht nur für mich, sondern für viele Menschen in Deutschland. Es war ziemlich interessant was mit meinem zweiten Buch ''Deutschland braucht den Euro nicht'' passiert ist, das im Mai 2012 veröffentlicht wurde. Dieses Mal konnte niemand bezweifeln, dass ich ein Experte bin in den Dingen, über die ich geschrieben hatte, also bezweifelten sie wieder einmal meine Motive und versuchten ''rechtsextreme'' oder ''populistische'' Elemente in dem Buch zu finden.

    Das erwies sich als unmöglich.

    Die historische Argumentation war stimmig. Die wirtschaftliche Argumentation, die ich anwendete war Mainstream und hielt sich streng an die Logik. Meine Warnungen und Befürchtungen waren die reine Wahrheit. Und sie werden, immer und immer wieder, beinahe täglich durch die aktuellen Ereignisse, bewiesen.



    Interview: Thilo Sarrazin zur Verleihung des Sappho Preises für Meinungsfreiheit 2013 in Kopenhagen

    Verleihung des Sappho Preises für Meinungsfreiheit an Thilo Sarrazin



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