Beispielhafte Steinigungsfälle aus Pakistan, Iran, Saudi-Arabien & Nigeria

Beispielhafte Steinigungsfälle aus Pakistan, Iran, Saudi-Arabien & Nigeria

ZEUGENBERICHTE: Pakistan: Von Hunderten gesteinigt, anschließend erschossen / Pakistan: Liebespaar von Verwandten gesteinigt / Saudi-Arabien: Verurteilung einer mittellosen Witwe / Nigeria: Zur Steinigung Verurteilte freigesprochen

Eine Steinigung unter der Herrschaft der Taliban Steinigung - ein Zeugenbericht aus dem Iran

Pakistan: Von Hunderten gesteinigt, anschließend erschossen

Zwei Männer, Allah Noor und Shehzad, sowie eine Frau namens Tasleem sind am 14. März 2007 in der Stadt Peshawar im Nordwesten Pakistans gesteinigt und anschließend erschossen worden, nachdem sie von religiösen Aktivisten bei verbotenen sexuellen Handlungen ertappt worden waren. Offizielle Stellen bestätigten die „Hinrichtungen“.

Aktivisten der Gruppe Lashkar Islami lieferten die zwei Männer und die Frau einem Stammesrat im Gebiet Khyber nahe der afghanischen Grenze zu Verurteilung aus. Dieser ordnete eine Steinigung und anschließendes Erschießen an. Eine kurze Versammlung genügte zur Urteilsverkündung. Hunderte Menschen bewarfen die Männer und die Frau mit Steinen, bevor Verwandte der verurteilten Männer die tödlichen Schüsse abgaben.

Die Bevölkerung in Khyber besteht mehrheitlich aus Paschtunen und gilt als streng islamisch. Ehebruch ist nach islamischem Recht ein Verbrechen, dass mit Steinigung bis zum Tod bestraft werden muss. Soweit der IGFM bekannt, ist offiziell die Steinigung in Pakistan noch nie von einem staatlichen Gericht verhängt worden. Jedoch entscheiden in den halbautonomen Stammesgebieten entlang der Grenze zu Afghanistan keine ordentlichen Gerichte über Recht und Unrecht, sondern die Stammesräte, sogenannte „Jirgas". Behördenvertreter wussten von der Verurteilung." In Angelegenheiten, die von Jirgas ausgesprochen werden, mischen wir uns nicht ein", sagte Medienberichten zufolge ein namentlich nicht genannter Verwaltungsbeamter.

Pakistan: Liebespaar von Verwandten gesteinigt

Am 28. Januar 2007 wurden in der pakistanischen Großstadt Multan im südlichen Teil der Provinz Punjab ein Mann und eine Frau wegen Ehebruchs an Bäume gebunden und zu Tode gesteinigt. Die beiden sollen weitläufig miteinander verwandt gewesen sein. Nach Angaben der Polizei in Multan starben die beiden Anfang 40 Jahre alten Geliebten aus dem gleichen Dorf in einem Hagel aus Steinen, die von näheren Angehörigen der Frau geworfen wurden. Ein Familienmitglied hatte den Vorfall später der Polizei gemeldet. Zwei Brüder der Frau wurden daraufhin wegen der „Ehrenmorde“ festgenommen.

In den vergangenen Jahren sind in ländlichen Gegenden Pakistans etwa 4000 Menschen wegen mutmaßlicher verbotener Sexualkontakte getötet worden. Seit dem Jahr 2005 steht auf so genannte Ehrenmorde in Pakistan offiziell die Todesstrafe.

Saudi-Arabien: Verurteilung einer mittellosen Witwe

Im November 2006 wurde in Saudi-Arabien eine Witwe von einem Gericht in der Stadt Hail im Norden Saudi-Arabiens zum Tod durch Steinigung verurteilt. Die Frau hatte sechs Jahre nach dem Tod ihres Mannes ein Kind zur Welt gebracht.

Die Richter urteilten gemäß der in Saudi-Arabien gültigen Interpretation des islamischen Scharia-Rechts, wonach außerehelicher Geschlechtsverkehr von Verheirateten als todeswürdiges Verbrechen gilt. Das Urteil war in Saudi-Arabien unumstritten, obwohl die 39jährige verwitwet war. Sogar die Frau selbst verzichtete darauf, Berufung einzulegen und bekannte ihre „Sünde“. Sie erklärte, durch die Strafe müsse ihre Seele gereinigt werden, um ins Paradies eingehen zu können. 80 Prozent der saudi-arabischen Bevölkerung sind muslimische Sunniten hanbalitischer Rechtsschule.

Die Frau, die neben ihrem „illegitimen“ Sohn noch drei weitere Kinder von ihrem verstorbenen Ehemann hat, hatte mit 18 Jahren die saudi-arabische Staatsbürgerschaft erworben. Nach dem Tod des Mannes lebte die 39jährige unter elenden Bedingungen in einer Lehmhütte bei einer Moschee von der Unterstützung eines Wohltäters. Die vier Kinder wurden in ein Heim gebracht.

Nigeria: Zur Steinigung Verurteilte freigesprochen

Nach langen und intensiven internationalen Protesten, sprach am 10. November 2004 ein islamisches Berufungsgericht die wegen Ehebruchs zum Tode verurteilte Hajara Ibrahim frei. Der Vorsitzende Richter Mohammed Mustapha Umar vom Obersten Scharia-Gericht im nördlichen Bundesstaat Bauchi hob die Entscheidung eines untergeordneten Scharia-Gerichts auf, das die 18-jährige am 8. Oktober 2004 zum Tod durch Steinigung verurteilt hatte.

Hajara Ibrahim aus dem Bundesstaat Bauchi war laut eigenen Angaben mit einem Mann in einer rund 220 Kilometer entfernten Stadt verheiratet worden. Bevor sie zu ihm zog, hatte sie jedoch einen Mann aus ihrem Heimatdorf kennengelernt, der ihr seinerseits versprochen hatte, sie zu heiraten. Daraufhin hatte sie die Scheidung beantragt. Nach Darstellung ihres Anwalts war sie dem anderen Mann nur versprochen, aber noch nicht rechtskräftig mit ihm verheiratet gewesen. Von ihrem Freund erwartet Hajara Ibrahim inzwischen ein Kind. Die Richter der ersten Instanz hatten die Ehe als geschlossen betrachtet. Sie verurteilten die junge Frau zunächst zu einhundert Peitschenhieben für vorehelichen Verkehr und anschließend zur Steinigung wegen Ehebruchs. Nach Auffassung der Berufungsgerichtes sei dieses Urteil nicht korrekt gewesen und der Angeklagten sei das Recht auf Verteidigung verwehrt geblieben.

Der Freund Hajara Ibrahims bestritt die Affäre. Die junge Frau zeigte sich nach dem Urteil überglücklich. Dass ihr Freund sie verleugnet hatte, habe sie ihm verziehen. Ihre einzige Sorge sei nun gewesen, dass ihr Kind gesund auf die Welt komme.

Zeugenbericht:

Eine Steinigung unter der Herrschaft der Taliban in Kabul

Die Afghanin Safora Walid gehört der afghanischen Frauenorganisation Rawa an, die im Jahr 1977 gegründet wurde. Sie war Zeugin einer Steinigung unter der Herrschaft der Taliban in Kabul:

"Es heißt, die Taliban hätten die Menschen gezwungen, zu den öffentlichen Hinrichtungen in die Sportstadien zu kommen.Die meisten sollen verzweifelt gewesen sein, manche aber auch gejubelt haben.
Diese öffentlichen Bestrafungen hat es in Kabul und allen anderen größeren Städten gegeben. Eine Woche vorher wurde bekannt gegeben, dass jene Frau oder jener Mann im Stadion bestraft werden wird, dass die Hände abgeschnitten werden etwa, und dass alle zu kommen haben. Es wurden sogar Menschen von der Straße aufgegriffen und hingebracht, damit sie sich das anschauen. Einmal war ich selbst im Stadion, als eine Frau gesteinigt wurde. Die Kabuler haben alles andere als gejubelt, die meisten Frauen haben geweint, sie haben Gott angerufen, ihn angefleht und sich zu ihm bekehrt, auch viele Männer und Jungen haben geweint. Gejubelt haben nur die Taliban. Sie haben sich unter die Leute gemischt, und sie hatten Peitschen dabei. Keiner konnte etwas sagen, man wurde sofort geprügelt."

Zitiert aus: Berliner Zeitung, 22. Dezember 2001: Viele sind wirklich verrückt geworden, Ein Gespräch mit einer Aktivistin der afghanischen Frauen-Selbsthilfeorganisation Rawa. Rubrik: Feuilleton

Zeugenbericht:

Steinigung - ein Zeugenbericht aus dem Iran

Der nachfolgende Zeugenbericht einer Steinigung im Iran wurde im Jahr 2000 niedergeschrieben. Der Name des damaligen Schülers ist der IGFM bekannt. Die Steinigung wurde in der Stadt Abadan vollstreckt, wahrscheinlich im Jahr 1992.

"Eines Tages musste ich mit meiner Schulklasse ins Stadion kommen. Es sollte eine Steinigung vollzogen werden, bei der wir zuschauen mussten. Wir saßen auf den Tribünen und warteten. Sandwich-Verkäufer gingen durch die Reihen und boten ihre Waren an. Dann endlich wurde ein Mädchen ins Stadion geführt. Ich erschrak, denn ich erkannte dieses siebzehnjährige Mädchen. Sie wohnte in unserer Straße, und als Kinder hatten wir miteinander gespielt.

Ein Mullah las ihr das Urteil vor: "Im Namen Allahs, des Barmherzigen, wirst du zum Tode verurteilt durch Steinigung."

Das Mädchen weinte, aber es wirkte wie benommen. Sie wurde in ein Loch gestellt, das man in die Erde gegraben hatte. Dann schaufelte man dieses Loch bis zur Brusthöhe des Mädchens zu. Auf den Tribünen johlte der Mob. Dann flogen die ersten Steine, die gezielt neben dem Mädchen auf den Boden fielen. Jedes Mal, wenn der Oberkörper des Mädchens zuckte, um einem Stein auszuweichen, begann das Johlen der jungen Männer von neuem. Es war wie bei einem Fußballspiel, wenn ein ganzes Stadion "Tor" schreit. Dann trafen die ersten Steine. Das ganze Spektakel zog sich hin, bis das Mädchen endlich tot war. Ich musste erbrechen.

Einige Tage später war ich beim Friseur. Neben mir saß ein alter Mann und weinte. Ich fragte ihn: "Väterchen, warum weinen Sie?" Und er antwortete: "Meine Tochter ist tot, eben bekam ich vom Gericht die Papiere, dass meine Tochter, die Jungfrau, in der Nacht vor ihrem Tod mehrmals verehelicht wurde." (Im Iran gibt es die Möglichkeit, eine Ehe auf Zeit zwischen einer Stunde und neunundneunzig Jahren einzugehen.) Ich erkannte nun diesen Mann. Man hatte ihm zu seinem Schmerz über die tote Tochter, die nichts anderes getan hatte, als Flugblätter gegen das islamische Regime zu verteilen, nun auch die letzte Hoffnung genommen. Muslime in unserem Land glauben, dass Jungfrauen, die blutig sterben, gleich ins Paradies eintreten und nicht ins Jüngste Gericht kommen. Weil man dieses Mädchen in der Nacht vor ihrem Tod mehrmals verehelicht hatte, starb sie nicht als Jungfrau und musste nun – nach dem Glauben ihres Vaters – aufs Jüngste Gericht warten.

Ich war entsetzt über diese Art des gewaltsamen Todes und über die zynische Weise des Urteil, dass ein junges Mädchen im Namen Gottes des Barmherzigen gewaltsam auf furchtbare Weise getötet wurde, nachdem man sie in der Nacht vor ihrem Tod gesetzlich korrekt mehrmals vergewaltigt hatte. Aus diesem Grunde kann ich kein Muslim mehr sein."

Rechtfertigung der Steinigung ?

Iran: Rechtstexte zur Steinigung im Wortlaut

Nigeria: Rechtstexte zur Steinigung im Wortlaut


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