Burma "Sie kommen nachts und ermorden die Mönche"

SPIEGEL ONLINE‎ - 02 Oktober 2007

Rangun. Das Morden in Rangun geht weiter. Regimegegner und Mönche werden nachts Opfer von Greiftrupps der Junta. Diplomaten vermuten, dass bereits mehrere hundert Menschen getötet wurden. Jetzt setzt sogar China die Militärs unter Druck.

Es ist die Stunde, in der sich die Angst wie eine lähmende Fessel über die Stadt legt. Vor den Toren eines der wenigen Restaurants in Rangun, dass noch ausländische Gäste bewirtet, beziehen schon die ersten schwer bewaffneten Soldaten Stellung. Es ist 21.15 Uhr am Dienstagabend. Um 22 Uhr beginnt die Ausgangssperre. Dann muss jeder, der noch auf der Straße angetroffen wird, um sein Leben fürchten...

Burma: Millionen Menschen auf der Flucht

(...) 200 Mönche erschlagen

Es war um Mitternacht, da sei eine lange Kolonne von Militärfahrzeugen in dem Stadtviertel vorgefahren. Es waren Polizisten der Einheit zur Aufstandsbekämpfung dabei und die sogenannten "Lome-Ten", jene Einheit von Gangstern und Haftentlassenen, die für das Regime die Drecksarbeit machen.

In der Straße "Weiza Yandar" umstellten sie ein Kloster. Alle der etwa 200 Mönche, die dort lebten, mussten sich in einer Reihe aufstellen und anschließend schlugen die Sicherheitskräfte die Köpfe der heiligen Männer gegen eine Backsteinwand.

Als alle Blut überströmt und jammernd auf dem Boden lagen, wurden ihre Körper auf Lastwagen geworfen und weggeschafft. "Wir weinen um unsere Mönche", sagt der Mann noch, dann ist er weg.

Es ist Tag vier, nachdem im Zentrum Ranguns die letzten Schüsse gefallen sind. Aber Normalität ist in Burmas größter Stadt noch lange nicht eingekehrt. Die meisten Geschäfte blieben auch heute geschlossen und die Menschenrechtsverletzungen reißen nicht ab. Erschreckende Gerüchte und Nachrichten von immer neuen Unterdrückungsmaßnahmen machen die Runde.

Diese Gerüchte sind schwer zu bestätigen, den Journalisten ist das Arbeiten im Land verboten. Die wenigen Korrespondenten, die als Touristen im Land geblieben sind, werden auf Schritt und Tritt überwacht. Spione des Geheimdienstes lauern ihnen vor den Hotels auf.

Und wenn es das Regime nach dem Tod des japanischen Kameramannes von letzter Woche auch nicht mehr wagen wird einen weiteren ausländischen Journalisten zu exekutieren, ist doch eine normale Nachrichtenbeschaffung und Recherche unmöglich.

Jeder Burmese, dessen Name in einem ausländischen Medium erscheinen würde, müsste um sein Leben fürchten. Selbst im Land lebende Ausländer, ziehen es aus Angst vor Verfolgung vor, zu schweigen.

Aber die immer gleichen Gerüchte und Erzählungen, die in der Stadt die Runde machen, verdichten sich zu einem grausamen Bild. Offenbar hat sich Rangun fast vollkommen seiner Mönche entledigt. (...)

Grußwort an Botschaft Myanmar Burma S.E. Herr U Tin Win, außerordentlicher und bevollmächtigter Botschafter Thielallee 19 14195 Berlin Telefon (030) 206 157 10 Fax (030) 206 157 20 mail: info@botschaft-myanmar.de

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