Das Erbe des Faschismus: der Liberalismus

18 Januar 2008
Das Erbe des Faschismus: der Liberalismus

Die Welt Debatte 17 Januar 2008 von Daniel Pipes

Liberaler Faschismus klingt nach einem Oxymoron – oder einem Begriff, mit dem Konservative Liberale* beleidigen wollen. Geprägt wurde er aber von einem sozialistischen Autor, niemand anderem als dem respektierten und einflussreichen Linken H.G. Wells, der 1931 seine progressiven Mitstreiter aufforderte „liberale Faschisten" und „aufgeklärte Nazis" zu werden. Wirklich.

Und seine Worte passen in ein weit größeres Muster der Verschmelzung des Sozialismus mit dem Faschismus: Mussolini war ein führender Sozialist, der sich im Ersten Weltkrieg zugunsten des italienischen Nationalismus vom Internationalismus abwandte und seine Mischung Faschismus nannte. Gleichermaßen führte Hitler die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei.

Diese Fakten stechen ins Auge, weil sie dem politischen Spektrum widersprechen, das unsere Weltsicht seit den späten 1930-er Jahren formte, die den Kommunismus auf der extremen Linken verortet, daneben dann der Sozialismus, der Liberalismus im Zentrum, dann der Konservatismus und schließlich der Faschismus auf der extremen Rechten. Aber dieses Spektrum, zeigt Jonah Goldberg in seinem brillanten, tief gehenden und originellen neuen Buch Liberal Fascism: The Secret History of the American Left from Mussolini to the Politics of Meaning (Liberaler Faschismus: Die geheime Geschichte der amerikanischen Linken von Mussolini bis zur Politics of Meaning), spiegelt Stalins Gebrauch des Begriffs faschistisch as Atrritbut wieder, um jeden zu diskreditieren, von dem er das wünschte – Trotzky, Churchill, russische Bauern – und um die Wirklichkeit zu verdrehen. Bereits 1946 stellte George Orwell fest, dass Faschismus dahin gehend degeneriert war, dass er „etwas Unerwünschtes" bedeutete.

Um den Faschismus in seiner ganzen Diktion zu verstehen, muss man Stalins Fehlinterpretation des Begriffs beiseite lassen und auch über den Holocaust hinaus blicken und statt dessen der Zeit zuwenden, die Goldberg das „faschistische Moment" nennt, was in etwa dem Zeitraum 1910-1935 entspricht. Als auf staatliche Institutionen fixierte Ideologie nutzt der Faschismus die Politik als Mittel, um eine in Einzelpersonen aufgelöste Gesellschaft in ein organisches Ganzes zu verwandeln. Er macht dies, indem er den Staat über das Individuum erhebt, Expertenwissen über Demokratie, aufgezwungenen Konsens über Debatte und Sozialismus über Kapitalismus. Er ist in der von Mussolinis ursprünglicher Deutung des Begriffs totalitär: „Alles im Staat, nichts außerhalb des Staates, nichts gegen den Staat." Die Botschaft des Faschismus heißt in Kürze: „Genug geredet, handeln ist gefragt!" Seine dauerhafte Aufforderung ist, dass die Dinge erledigt werden.

Im Gegensatz dazu fordert Konservatismus begrenzte Zuständigkeit der Regierung, Individualismus, demokratische Diskussion und Kapitalismus. Sein Reiz besteht in Freiheit und darin, dass die Bürger in Ruhe gelassen werden.

Goldbergs Triumph liegt darin, dass er die Verwandtschaft von Kommunismus, Faschismus und Liberalismus aufzeigt. Sie alle entstammen derselben Tradition, die auf die Jakobiner der Französischen Revolution zurückgeht. Sein überarbeitetes politisches Spektrum konzentriert sich auf die Rolle des Staates und geht vom Freidenkertum über den Konservatismus zum Faschismus in seinen vielen Erscheinungsformen – amerikanisch, italienisch, deutsch, russisch, chinesisch, kubanisch und so weiter.

Mussolini und Hitler waren beide Sozialisten

Wie diese Auflistung nahe legt, ist der Faschismus flexibel; unterschiedliche Formen unterscheiden sich in ihren Besonderheiten, aber sie teilen „emotionale und instinktive Impulse". Mussolini bearbeitete die sozialistische Agenda, um den Staat zu betonen; Lenin machte die Arbeiter zur Avantgarde der Partei; Hitler fügte die Rasse hinzu. War die deutsche Version militaristisch, so ist die amerikanische (die Goldberg liberalen Faschismus nennt) beinahe pazifistisch. Goldberg zitiert den Historiker Richard Pipes hierzu: „Bolschewismus und Faschismus waren Häresien des Sozialismus." Er belegt diesen Zusammenfluss auf zweierlei Art.

Zum Ersten bietet er eine „geheim gehaltene Geschichte der amerikanischen Linken" an:

* Woodrow Wilsons Progressivismus warb für ein „militaristisches, fanatisches, nationalistisches, imperialistisches, rassistisches" Programm, was durch die Erfordernisse des Ersten Weltkriegs ermöglicht wurde. * Franklin D. Roosevelts „faschistischer New Deal" baute auf Wilsons Regierungsarbeit auf und baute sie aus. * Lyndon B. Johnsons „Great Society" richtete den modernen Wohlfahrtsstaat ein, die bisher „ultimative Verwirklichung" dieser staatsgläubigen Tradition. * Die Revolutionäre der Jungen Linken der 1960-er Jahre brachten „eine amerikanisierte Aktualisierung" der Europäischen Alten Rechten. * Hillary Clinton hofft „den Staat tief ins Familienleben einzuschalten, als „wesentlichen Schritt des totalitären Projects.

Um fast ein Jahrhundert Geschichte zusammenzufassen: Wenn das politische System Amerikas traditionell dazu ermutigte, dass das Individuum sein Glück anstrebt, „so wollen mehr und mehr von uns aufhören dieses Glück zu verfolgen und es statt dessen geliefert bekommen".

Zum zweiten seziert Goldberg die amerikanischen liberalen Rassen-, Wirtschafts-, Umwelt-Programme und sogar den „Kult des Organischen" und zeigt ihre Affinität zu denen von Mussolini und Hitler auf.

Wenn Ihnen diese Zusammenfassung todlangweilig unplausibel erscheint, dann lesen Sie „Liberal Fascism" als Ganzes, wegen der lebhaften Zitate und überzeugenden Dokumentation. Der bisher als smarter, mit spitzen Ellbogen ausgestatteter Polemiker bekannte Autor hat sich als wichtiger politischer Denker erwiesen.

Über das Angebot einer radikal anderen Art moderne Politik zu begreifen hinaus, in der faschistisch nicht weniger üble Nachrede ist als sozialistisch, bietet Goldbergs außergewöhnliches Buch Konservativen das Werkzeug ihren liberalen Quälgeistern zu antworten und schließlich in die Offensive zu gehen. Wenn Liberale auf ewig das Schreckgespenst des Joseph McCarthy aufbringen können, können Konservative mit Benito Mussolini gegenhalten.

* „Liberale" ist im heutigen amerikanischen Sprachgebrauch das Pendant zur europäischen Linken.

Englischer Originaltext: Fascism's Legacy: Liberalism



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