Deutschland: Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei

eva.herman - 15 März 2017 - Von Eva Herman
Deutschland: Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei

Wer dem Zusammenbruch seiner Heimat jahrelang hilflos zuschauen muss, der macht in der Regel eine ganz bestimmte Reihenfolge unterschiedlicher Gemütszustände durch:

1. Wachsendes Erkennen der zunehmend widrigen Umstände, das bald schon in eine Art Alarm führt

2. Gutgemeinter Wille zur Aufklärung, der aber nix bringt.

3. Zuweilen fast heldenhafter Widerstand, der letztlich aber auch nix bringt.

 

4. Schließlich überfällt Dich Trostlosigkeit und das tönerne Bewusstsein über die endlose Aussichtslosigkeit…

5. Ganz am Schluss dieser Entwicklung steht dann, sozusagen als letzte Maßnahme, um überhaupt weiter existieren zu können, nur noch Galgenhumor. Galgenhumor ist jetzt, das sollte man einfach wissen, die effektivste und praktisch einzige Überlebenshilfe. Er hilft vor allem, wenn man die täglich neuen Meldungen zu verdauen versucht.

Da erfahren wir vor wenigen Tagen, dass es im Herbst 2015 wohl eine gute Chance gegeben haben soll, die Millionen Migranten, die in den letzten zwei Jahren nach Deutschland strömten, zu verhindern. Nach den Buch-Recherchen des WELT-Journalisten Robin Alexander sollte die Grenzöffnung vom 4. September 2015 nämlich angeblich schon wenige Tage später zurückgenommen werden. So sei es bei einer Telefonkonferenz mit Merkel, de Maizière, Gabriel, Steinmeier und Seehofer verabredet gewesen. Aber die Furcht vor »schwer vermittelbaren Bildern« soll die deutsche Bundesregierung schließlich davon abgehalten haben, berichtet der Journalist in dem neu erschienenen Buch Die Getriebenen, welches übrigens das Zeug dafür hat, eines Tages zur Pflichtlektüre erhoben zu werden, um eines der unverständlichsten Kapitel aller deutscher Schicksalsgeschichte zumindest im Rückblick nochmal nachschlagen zu können.

 

Justizminister Maas: 50 Millionen Euro Strafe für einen Hasskommentar?

Entscheidungsangst? Große Sorge, von der Welt nicht mehr liebgehabt zu werden? Oder kam die Order an Merkel eventuell von ganz anderer Seite, die Grenzen offenzulassen? Wir wollen nicht spekulieren, da gerät man jetzt schnell ins Visier der Ankläger: Für einen sogenannten Hasskommentar soll der bundesdeutsche Justizminister Maas jetzt bis zu 50 Millionen Euro Strafe ausgelobt haben. Aber weiter mit Merkels sogenannter Flüchtlingspolitik. In einer Cicero-Rezension heißt es:

»Was die von (Buchautor) Robin Alexander recherchierte Chronologie der Ereignisse so brisant macht, ist, dass die Politiker in ihr ein Bild von »Getriebenen« abgeben. Sie folgen in einem von den Bürgern abgekoppelten Bereich spätbyzantinischen Spielregeln, vor allem darauf bedacht, persönliche Risiken und mithin auch Verantwortung wie der Teufel das Weihwasser zu meiden. Das Fallbeispiel beunruhigt. Für den Bürger könnte sich von nun an die Frage erheben, wie er dieser Politik Vertrauen entgegenbringen kann. Sollte es dazu kommen, dann droht unsere Demokratie in eine Krise zu stürzen.«

Demokratie ist natürlich ein großer Begriff, den heute nur wenige Menschen noch richtig zu deuten in der Lage sind. Wir sollten ihn deswegen am besten komplett meiden, zumal wir ja auch nicht die Deutsche Demokratische Republik, sondern die Bundesrepublik Deutschland sind, da steht also nichts drin von Demokratie. Aber, eine Krise, oh, ja, wir sind sogar in einer schweren Krise. Und das wird auch erst einmal so bleiben. Was die Leute in den sogenannten Berliner Macht-Etagen und ihre Kontrahenten derzeit so alles abliefern, das sprengt jede Vorstellungskraft. Sollte beispielsweise der EU-Türkei-Flüchtlingsdeal platzen, dann Gute Nacht, Marie. Fraglich ist, ob dann der Galgenhumor noch helfen kann, ob überhaupt irgendetwas noch weiterhilft.

 

Türkei droht mit Aussetzung des EU-Flüchtlingsdeals

So hat der türkische Europaminister Ömer Celik nämlich nun genau damit gedroht, das Flüchtlingsabkommen mit der EU in Teilen auszusetzen. Angesichts aktueller Spannungen, die dem Beobachter zuweilen wie ein vorsätzlich inszenierter Streit vorkommen müssen, und das zwischen gleich mehreren EU-Ländern und der Türkei, werden hier die Karten offenbar neu gemischt. Das im März 2016 zwischen EU und Türkei vereinbarte Flüchtlingsabkommen sieht u. a. vor, dass Ankara alle auf den griechischen Inseln eintreffenden Flüchtlinge zurücknimmt. Für jeden so abgeschobenen Syrer soll die EU einen syrischen Flüchtling aus der Türkei aufnehmen. Die EU sagte Milliarden-Zahlungen für die Versorgung der syrischen Flüchtlinge in der Türkei zu.

Focus-online malte vor einiger Zeit das Schreckensszenario, falls der EU-Flüchtlingsdeal mit der Türkei platzen sollte: »Sein (Erdogans) stärkster Hebel besteht darin, Flüchtlinge durchzuwinken. (…) Sollte die EU nicht mehr Geld überweisen, drohte Erdogan laut den Notizen, könne er die Westgrenzen komplett aufmachen. „Wir können die Tore nach Griechenland und Bulgarien jederzeit öffnen, die Flüchtlinge in Busse setzen. (…) Manche Experten befürchten eine humanitäre Katastrophe, weil sich Millionen von Flüchtlingen erneut auf den Weg nach Europa machen könnten.«

 

»Ich glaube, dass der türkische Präsident alle Brücken mit dem Westen abreißen wird.«

Eine überraschend klare Einschätzung über die Konsequenzen eines möglicherweise platzenden EU-Türkei-Flüchtlingsdeal brachte Bild-Online im November 2016 nach dem Putsch in der Türkei. Da wird u.a. der Türkei-Experte Aykan Erdemir zitiert, der bis 2015 Abgeordneter des türkischen Parlaments war. Die Beziehungen zur EU interessierten die türkische Führung nicht mehr, so Erdemirs Einschätzung: »Ich glaube, dass der türkische Präsident alle Brücken mit dem Westen abreißen wird.« Erdogan interessiere sich »kein Stück für europäische Werte oder die Kopenhagener Kriterien (zum Beitritt in die EU).« Statt an Europa oder den USA orientiere sich die türkische Führung an autoritären Staaten. Genauso wenig wie für die Werte interessiere sich Erdogan für den Erhalt des Flüchtlingsdeals, so Erdemir weiter.

Das alles betrifft aber nur diese eine EU-Türkei-Baustelle. Es brennen derzeit jedoch eine Menge noch ganz anderer Lunten, die die momentane globale Situation ganz schnell zur Explosion bringen könnten. Die ohnehin schon undeutlichen Konturen vieler Politiker verschwimmen immer mehr wie die Milch im Kaffee, die Führerhäuschen der Parteizentralen sind in Wirklichkeit leer, das Vertrauen ist geschwunden: Sie bekommen es einfach nicht mehr hin.

Immer öfter fällt mir ein Jesaja-Vers aus dem Alten Testament ein, worin es um das Jüngste Gericht geht, welches die Menschheit erwarten soll. Die Worte scheinen mir symptomatisch für unsere heutige Zeit. Und da die Sache in den Offenbarungen (ganz am Ende) dann ja doch noch gut ausgeht, zumindest für ein paar Leute, so bietet dieser Vers zuweilen ein kleines bisschen Trost: »Beschließt einen Rat, und es werde nichts daraus; beredet euch, und es bestehe nicht; denn hier ist Immanuel (Das heißt: Gott mit uns)«.

Bis es soweit ist, sollte der Schuldbürger im Schurkelstaat tief durchatmen, sich um eine gute Portion Gelassenheit bemühen, und vor allem den Galgenhumor nicht verlieren. Denn: Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei.

 

 

Bildnachweis: Screenshot Youtube

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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