Deutschland: Ibrahim El-Zayat unterstützt Ziele der Muslimbruderschaft

20 Dezember 2007

Wikipedia, die freie Enzyklopädie 20 Dezember 2007

Ibrahim Farouk El-Zayat (* 1968 in Marburg) ist ein Multifunktionär islamischer Organisationen in Deutschland und Europa, der die Ziele der Muslimbruderschaft unterstützt.

Das Motto der Muslimbrüder ist:

..."Allah ist unser Ziel. Der Prophet ist unser Führer. Der Qur'an ist unser Gesetz. Dschihad ist unser Weg. Sterben auf dem Wege Allahs ist unsere größte Hoffnung."...

Im Gründungsmanifest heißt es unter anderem:

..."Den Ideologien des kolonialisierenden Westens muss widerstanden werden - sie sind die Vorreiter der Korruption, der seidene Vorhang, hinter dem sich die Gier der Habgierigen und die Machtträume der Machthungrigen verbergen."...

(...) Ibrahim El-Zayat ist verheiratet mit Sabiha El-Zayat-Erbakan, Nichte des türkischen Islamisten Necmettin Erbakan und Schwester des langjährigen Milli Görüs-Vorsitzenden Mehmet Erbakan, die Dozentin für islamische Hermeneutik und Didaktik am Zentrum für Islamische Frauenforschung und -förderung (ZIF) ist.[4] El-Zayats Bruder Bilal El-Zayat und Schwestern Amena und Manal sind ebenfalls in islamischen Organisationen engagiert. Sein Onkel[5] ist der ägyptische Rechtsanwalt Montasser El-Zayat, der Sprecher der Gama'a Islamiyya und Anhänger der Muslimbruderschaft war.[5]

* 1 Ämter und Tätigkeit * 2 Moscheebauprojekte * 3 Verbindungen zur Muslimbruderschaft * 4 Weblinks * 5 Einzelnachweise

Ämter und Tätigkeit

Seit frühester Jugend war El-Zayat in vielfältigen Jugendinstitutionen aktiv und zeitweilig für den RCDS stellvertretender AStA-Vorsitzender in Darmstadt.[7] Er war langjähriger Bundesvorsitzender, dann Vorstandsmitglied der „Muslim Studenten Vereinigung in Deutschland e.V.“ (M.S.V.).

Auf europäischer Ebene war El-Zayat 1996 Mitbegründer und bis 2002 Vorsitzender des „Forum of European Muslim Youth and Student Organizations“ (FEMYSO)[8]. Er sitzt darüber hinaus im Vorstand der „Federation of Islamic Organisations in Europe“ (FIOE) und im Vorstand der von ihm 1995 mitgegründeten „Gesellschaft Muslimischer Sozial- und Geisteswissenschaftler/Innen e.V.“ (GMSG)[9] in Köln. 1997 wurde er Vorsitzender des „Islamischen Zentrums Köln e.V.“ (IZK).[10]

El-Zayat ist auch im Vorstand der muslimischen Hilfsorganisation "Islamic Relief Deutschland" in Köln und Berlin sowie „Trustee“ (Treuhänder) der „Islamic Relief Worldwide“ in Birmingham (UK). Im Jahr 2000 wurde El-Zayat als Europa-Berater der „Islamic Educational, Scientific and Cultural Organisation“ (ISESCO)[11], einer Unterorganisation der Islamischen Weltliga, und „Trustee“ des den Muslimbrüdern nahestehenden „Institut Européen des Sciences Humaines“ (IESH) bei Chateau-Chinon /Frankreich vorgestellt.[12]

El-Zayat war jahrelang Europa-Vertreter der finanzkräftigen „World Assembly of Muslim Youth“ (WAMY), die der saudi-arabischen Regierung nahesteht. Im 1989 von Saudi-Arabien geschaffenen Dachverband „Islamisches Konzil in Deutschland“ (IKD) hatte er eine Spitzenposition als Generalsekretär inne.

Den Vorsitz in der Islamischen Gemeinschaft in Deutschland e.V. (IGD)[13] übernahm El-Zayat von Ali Ghalib Himmat, der auf Grund seiner direkten Verbindungen zum Al-Taqwa-Finanznetzwerk im November 2001 nach 28 Jahren vom Vorsitz zurücktrat.[14] Seit Februar 2002 ist El-Zayat Präsident der IGD [15] und wurde 2006 für weitere vier Jahre im Amt bestätigt.[16] Bei der Wahl für den Vorsitz des Zentralrats der Muslime (ZMD) im Februar 2006 unterlag El-Zayat knapp gegen Ayyub Axel Köhler.[17]

Als Generalbevollmächtigter der „Europäischen Moscheebau- und Unterstützungsgesellschaft e.V.“ (EMUG) verwaltet El-Zayat die etwa 300 Milli-Görüs-Moscheen in Deutschland.

1997 gründete er die Firma „SLM Liegenschaftsmanagement Gesellschaft für Finanzvermittlung und Consulting mbH“, die Grundstücke für Moscheebauten kauft sowie Moscheevereine beim Vorgehen zur Erlangung von Baugenehmigungen und der Finanzierung berät. Darüber hinaus betätigt er sich als Makler beim Kauf und Verkauf von Büro- und Geschäftsimmobilien für Privatinvestoren aus arabischen Ländern.

Moscheebauprojekte

El-Zayats Firma soll in der Vergangenheit an etwa 100 Moscheebauprojekten beteiligt gewesen sein und 2007 an etwa 30 Projekten arbeiten.[18] Die EMUG war unter anderem am Moscheebau in Bretzenheim bei Mainz[19][20], an der Moschee auf dem Gräselberg bei Wiesbaden[21][22] sowie an der Moschee in Freising[23][25] beteiligt.

El-Zayat wurde als Geschäftsführer der SLM Liegenschaftsmanagement GmbH vom Verein „Inssan e.V.“ [26] mit dem Großprojekt eines islamischen Kulturzentrums in Berlin beauftragt. Er erwarb als Vertreter des "European Trust" im März 2002 ein 2600 Quadratmeter großes Grundstück in der Pflügerstrasse in Neukölln[18] für 370.000 Euro[27] aus europäischen und arabischen Quellen und hält auch eine Option für ein Nachbargrundstück [28]. Das islamische Kulturhaus mit Moschee, Bibliothek, Konferenz- und Seminarräumen, Jugendzentrum, einer Schule, Schwimmbad, Wohnungen und Geschäften sollte auf sechs Geschossen eine Fläche von mehr als 8000 Quadratmeter haben.[29]

„Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung sprach sich gegen das Vorhaben an dem geplanten Standort aus, da es - in einem allgemeinen Wohngebiet gelegen - in seiner Größe nicht in einem Wohngebiet errichtet werden dürfe.“[30]

Neben den baurechtlichen Bedenken hatte die Baustadträtin Vogelsang von Neukölln auch Skepsis über die inhaltliche Unabhängigkeit des Kulturzentrums von seinen finanziellen Förderern geäußert: „Nennen Sie mir irgendjemanden, geben sie mir irgendjemanden, der mir 15 – 20 Millionen schenkt und dafür keine Bedingungen an mich hat, zu dem gehe ich auch sofort.“[31] Das Verwaltungsgericht Berlin bestätigte die Verweigerung der Baugenehmigung im Juni 2007.

Im Juli 2007 wurden Pläne öffentlich,[32] wonach im Mierendorff-Kiez in Berlin-Charlottenburg ein mit 4800 Quadratmetern Nutzungsfläche halb so großer Kultur- und Moscheekomplex für 700 Betende gebaut werden soll. Die 2,9 Millionen Euro Grundstückspreis will Inssan zu einem Drittel aus in Deutschland gesammelten Spenden aufbringen, für den Rest gebe es Zusagen von Sponsoren aus arabischen Ländern.[33]

Auch im europäischen Ausland ist El-Zayat in den Moscheebau involviert. Seit 1994 versuchte die Milli Görüs erfolglos in Amsterdam eine Moscheebaugenehmigung für die „Westermoskee“ (Westliche Moschee) auf einem Grundstück von 2000 Quadratmetern zu bekommen.[34] Schließlich trafen der Amsterdamer Stadtteil De Baarsjes, die Wohnungsbauvereinigung „Woningbouwvereniging Het Oosten“ und die nordniederländische Milli Görüs unter ihrem liberalen und integrationsorientierten Vorsitzenden Haci Karacaer einen Kompromiss über städtische Bebauungsplanänderungen und die „finanzielle, rechtliche und mentale“ Unabhängigkeit der neuen Moschee von der konservativeren Milli-Görüs-Deutschland-Zentrale in Kerpen.

Der Anfang 2006 begonnene Moscheebau kam jedoch Ende 2006 zum Stillstand durch interne Konflikte der Milli Görüs und Vertrauensverlust der Wohnungsbauvereinigung.[35] Im Januar 2007 wurde bekannt, dass in einem Geheimvertrag vom November 2005, unterschrieben unter anderem von El-Zayat (EMUG Geschäftsführer) und Yavuz Çelik Karahan (EMUG Vorsitzender), in Köln bereits die Machtübernahme der deutschen Milli Görüs festgelegt worden war.[36] Im Mai 2007 drohte der auf Kerpener Druck hin eingesetzte Milli-Görüs-Chef Fatih Üçler Dag mit Aufrufen zum „gewaltlosen Aufstand“ aller Türken Europas gegen die Gemeinde Amsterdam im Fernsehsender Al-Jazeera.[37]

Verbindungen zur Muslimbruderschaft

Das nordrhein-westfälische Innenministerium befindet, El-Zayats Verbindungen reichen „durch persönliche Kontakte von Funktionären und gemeinsame Projekte sowohl in den Bereich von islamisch-extremistischen Organisationen arabischstämmiger als auch türkischstämmiger Muslime, sowie zu einer islamischen Hilfsorganisation, die im Verdacht steht, heimlich den islamistischen Terrorismus zu unterstützen.“[38]

El-Zayat wurde am 19. März 2004 auf der Yusuf al-Qaradawi nahestehenden Webseite „www.islam-online.net“ als Vertreter der Muslimbrüder in Deutschland bezeichnet.[39]

Im April 2005 hat El-Zayat die Bundestagsabgeordnete Kristina Köhler verklagt, da sie ihn im Zusammenhang einer Vortragseinladung als „Funktionär der Muslimbruderschaft“ bezeichnete. Die Klage wurde vom LG München[40] und im Dezember 2005 vom OLG München[41] zurückgewiesen, da diese Formulierung als Meinungsäußerung zulässig sei.

Im Februar 2007 wurde von ARD und Die Welt berichtet, dass der in Kairo wohnhafte oberste Führer der islamistischen Muslimbruderschaft, Mohammed Mahdi Akef, in einem Interview El-Zayat als „Chef der Muslimbrüder in Deutschland“ bezeichnete. Auf der Homepage der Muslimbruderschaft wurde er ebenfalls als Mitglied geführt. El-Zayat ließ beiden Meldungen seine Gegendarstellungen folgen.[42][43]

Von einem ägyptischen Militärgericht wurde er im März 2007 zusammen mit 39 Funktionären der Muslimbruderschaft der „Nutzung terroristischer Methoden zur Durchsetzung ihrer Ziele“ angeklagt.[44]

Während El-Zayat eine Mitgliedschaft in der Muslimbruderschaft immer bestritt, bezeichnete er sie als „die wichtigste islamische Reformbewegung im 20. Jahrhundert“ die sich „für die Befreiung der Frau, für die Lösung sozialer Probleme“ einsetze und „eine an Raum und Zeit angepasste Interpretation des Korans“ fordere - alles Ziele, die er unterstütze.[18]

Weblinks

* Top-Manager des politischen Islamismus? Videobeitrag über Ibrahim El-Zayat, heute-journal vom 11.7.2007

* Trojanisches Pferd, Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über Ibrahim El-Zayat

* Spinne im Netz der Muslime in Deutschland, Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über Ibrahim El-Zayat

* Sie täuschen uns in der Maske der Medienprofis Interview mit Kristina Köhler in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

* Ungebetener Gast verstört Schäubles Islam-Runde bei Spiegel-online

* Islamisten als Integrationsexperten bei www.hagalil.com

* Deutschland ein islamisches Wintermaerchen oder die Vision des Ibrahim El-Zayat für das Jahr 2020

Einzelnachweise

1. ? Ibrahim El-Zayat - Moslem und Preuße von Holger Wartz, Junge Freiheit 51/05 vom 16. Dezember 2005

2. ? Kurzbiografie von der Konferenz “Muslims of Europe in the New Millennium:Multiculturalism, Identity and Citizenship” der Association of Muslim Social Scientists, UK, und Islamic Cultural Centre of Ireland, 2000

3. ? Ibrahim F. El-Zayat: Kritische Würdigung von Konzepten einer islamischen Wirtschaftsordnung. Diplomarbeit an der Universität Marburg 1992, Köln. GMSG. 2002. 49 S. GMSG Schriftenreihe kurze Inhaltsangabe

4. ? Sabiha El-Zayat-Erbakan: Lebenslauf und Video

5. ? U. Ulfkotte: Der Krieg in unseren Städten. Frankfurt 2003, ISBN 3-8218-3978-3

6. ? The Insider - Montasser Al-Zayat’s book gives an insider’s view of Islamist groups that will surely cause a stir Egypt Today, February 2005

7. ? Lebenslauf auf der Webseite der IGD

8. ? Hildegard Becker: Der Vormarsch der Muslimbruderschaft, sicherheit-heute vom 08.05.2006

9. ? Webseite der Gesellschaft Muslimischer Sozial- und Geisteswissenschaftler/Innen e.V.

10. ? „Islamische Organisationen in Deutschland“ Thomas Lemmen. FES Library Bonn, 2000, ISBN 3-86077-880-3 Seite 61. Laut Vereinsregister wurde der Verein "Islamisches Zentrum Köln" (Köln VR 7677) im Oktober 2001 gelöscht

11. ? Webseite der „Islamic Educational, Scientific and Cultural Organisation“ (ISESCO), Kooperationspartner

12. ? Kurzbiografie von der Konferenz “Muslims of Europe in the New Millennium: Multiculturalism, Identity and Citizenship” der Association of Muslim Social Scientists, UK, und Islamic Cultural Centre of Ireland, 2000

13. ? Webseite der Islamischen Gemeinschaft in Deutschland

14. ? Die Eroberung Europas durch die Muslim-Bruderschaft by Lorenzo Vidino, Middle East Quarterly Winter 2005

15. ? Islamisten als Integrationsexperten bei www.hagalil.com vom 18.5.2004

16. ? Verfassungsschutzbericht Baden-Württemberg 2006

17. ? Ungebetener Gast verstört Schäubles Islam-Runde. Spiegel-online vom 7. Mai 2007

18. ? a b c "Spinne im Netz der Muslime in Deutschland - Die Macht des Ibrahim El Zayat" FAZ vom 11. Mai 2007

19. ? Bauantrag für Moschee in Bretzenheim Islamische Gemeinschaft Milli Görüs will in ehemaliges Schulungszentrum an Haifa-Allee, Allgem. Zeitung vom 04.11.2005

20. ? Ort des Gebets und der Begegnung Barbaros-Moschee in der Haifa Allee eröffnet/„Besucher sind jederzeit willkommen“ Allgemeine Zeitung vom 16.04.2007

21. ? Nachbarn erbost über Moschee-Pläne Milli Görüs will ein Zentrum in einem früheren Supermarkt auf dem Gräselberg errichten, Wiesbadener Kurier vom 16.09.2006

22. ? Rathausfraktion der Bürgerliste Wiesbaden zum Gebetszentrum von Milli Görüs am Gräselberg

23. ? Geplante Moschee in Freising stösst auf Kritik Sabina Dannoura in der Süddeutschen Zeitung vom 4.5.2001

24. ? War der Einsturz der Moschee in Freising ein Mordversuch? Freisinger Wochenblatt 28.06.01

25. ? Grußwort von Landrat Manfred Pointner zur Einweihung der neuen Gebetsstätte der Muslime in Freising am 9. Juli 2006

26. ? Webseite von Inssan e.V.

27. ? Berlin mosque linked to Islamic radicals, DPA, 23.1.2004

28. ? Islamischer Verein plant kleinere Moschee in Neukölln. In: Welt. 2. August 2006

29. ? Berliner Moslems wollen raus aus den Hinterhöfen. In: Frankfurter Rundschau. 28. Juli 2003

30. ? Pressemitteilung der Senatsverwaltung Berlin Moscheebauvorhaben in Berlin-Neukölln vom Verwaltungsgericht abgelehnt, 6. Juni 2007

31. ? „Friedliche Fassade – Die Hintermänner des Islamischen Kulturzentrums Neukölln“ Rundfunk Berlin Brandenburg, KLARTEXT vom 23.08.2006

32. ? Gewerbegrundstück für Moschee gefunden Neubau entsteht nun in Charlottenburg und nicht in Neukölln, Berliner Morgenpost, 24.7.2007

33. ? Baustadtrat für Moschee Tagesspiegel vom 18.7.2007

34. ? „In Deutschland geächtet, in Holland geachtet - Die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs“ von Albrecht Metzger, DLF Hintergrund Politik, 20.12.2006

35. ? http://">„Westermoskee in Duitse handen“ KRO Reporter 4.2.2007

36. ? Geheimvertrag vom 20.11.2005 in Köln zwischen IGMG-EMUG und Van Manderen BV

37. ? Bestuur Milli Görüs dreigt met opstand Trouw, 19.5.2007

38. ? Ungebetener Gast verstört Schäubles Islam-Runde. In: Spiegel-online. 7. Mai 2007

39. ? Verfassungsschutzbericht Bayern 2004, Seite 185

40. ? Website von MdB Köhler, Bericht zum Urteil des LG München

41. ? Islamischer Funktionär darf Muslimbruder genannt werden. In: Die Welt. 21. Dezember 2005, Urteil des OLG München (Az.: 18 U 5181/05)

42. ? Gegendarstellung vom 12.2.2007 von El-Zayat auf der Seite der Muslimbrüder ikhwanweb

43. ? Gegendarstellung vom 8.3.2007 von El-Zayat in der Welt

44. ? Egyptian Brethren appear in court BBC, 4. Juni 2007


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