Dokumentarfilm: Türken gegen Armenier - Völkermord im 20. Jahrhundert Teil 1/6

27 September 2007

VIDEO. Im Ersten Weltkrieg wurden zwischen 1915 und 1917 mehr als eine Million Armenier von den türkischen Streitkräften ermordet. Zum 90. Jahrestag des Genozids stellt sich die Frage: Warum wird noch immer über dieses dunkle Kapitel geschwiegen? Ein Dokumentarfilm über das Tabu der Geschichte Armeniens

YouTube - Time: 08:35 - Teil 1/6

Türken gegen Armenier - Der erste Völkermord des 20. Jahrhunderts Dokumentarfilm von Laurence Jourdan ARTE France / La Compagnie des Phares & Balises (Frankreich, 2004, 52 Minuten)

YouTube - Time: 08:41 - Teil 2/6 Türken gegen Armenier - Der erste Völkermord des 20. Jahrhunderts

YouTube - Time: 08:37 - Teil 3/6 Türken gegen Armenier - Der erste Völkermord des 20. Jahrhunderts

YouTube - Time: 08:37 - Teil 4/6 Türken gegen Armenier - Der erste Völkermord des 20. Jahrhunderts

YouTube - Time: 08:43 - Teil 5/6 Türken gegen Armenier - Der erste Völkermord des 20. Jahrhunderts

YouTube - Time: 08:39 - Teil 6/6 Türken gegen Armenier - Der erste Völkermord des 20. Jahrhunderts ARTE France Türken gegen Armenier - Der erste Völkermord des 20. Jahrhunderts

Im Ersten Weltkrieg wurden zwischen 1915 und 1917 mehr als eine Million Armenier von den türkischen Streitkräften ermordet. Zum 90. Jahrestag des Genozids stellt sich die Frage: Warum wird noch immer über dieses dunkle Kapitel geschwiegen?

Die Dokumentation greift auf die Berichte von damals im Osmanischen Reich stationierten westlichen Diplomaten zurück: Walter Rössler, deutscher Konsul in Alep, Leslie Davis, amerikanischer Konsul in Kharput, Konrad von Wangenheim, deutscher Botschafter in Konstantinopel, Henri Morgenthau, amerikanischer Botschafter in Konstantinopel und Wolf Metternich, Wangenheims Nachfolger in Konstantinopel. Diese bemerkenswerten Zeugnisse geben Aufschluss über die Geschichte des Völkermords in Armenien, über seine Methoden sowie über Wege und Ziele der Deportationen.

Weitere Quellen des Films sind Zeugenberichte von Überlebenden, die seit Jahren von der Diaspora gesammelt wurden, sowie Dokumente aus den Archiven der osmanischen Behörden, in denen die Motive und die vom Triumvirat Enver, Talaat und Djemal Pascha ergriffenen Maßnahmen erläutert werden.

Am 24. April 1915 besiegelte die nationalistische Jungtürken-Regierung des Osmanischen Reichs das Schicksal der Armenier in Anatolien. Mehr als 600 hoch angesehene Persönlichkeiten und Intellektuelle wurden damals bei einer Razzia in Konstantinopel verhaftet. Die Türkei, die im Ersten Weltkrieg Partei für Deutschland und Österreich-Ungarn ergriffen hatte, beschuldigte die Armenier, mit Russland gegen sie zu paktieren. Mehr als eine Million Armenier fielen zwischen 1915 und 1916 Verschleppungen und Massakern zum Opfer.

Zum besseren Verständnis der Hintergründe und Zusammenhänge des Völkermordes an den Armeniern analysiert der Film die bereits in den vorangegangenen Jahrzehnten verübten Massaker sowie die geopolitischen Rahmenbedingungen des Genozids. Bereits kurz nach der Machtübernahme des Triumvirats der Jungtürken im Jahr 1915 wurden die ersten Deportationen organisiert. Keine der ausländischen Großmächte reagierte. Der Weltkrieg tobte, und die türkische Regierung konnte ihre Politik in völliger Straffreiheit fortführen.

Am 30. Oktober 1918 unterzeichnete die besiegte Türkei einen Waffenstillstand mit den Alliierten. Die führenden Jungtürken des Komitees Einheit und Fortschritt flohen oder wurden verhaftet. Die neue osmanische Regierung strengte einen Prozess gegen sie an, dessen Urteilsspruch am 5. Juli 1919 auf persönliche, der juristischen Person der Partei Einheit und Fortschritt zuzuschreibende Verbrechen schloss. Der am 10. August 1920 unterzeichnete Vertrag von Sèvres hätte Armenien die Unabhängigkeit zuerkannt, wurde jedoch nie ratifiziert.

1923 gründete Mustafa Kemal die neue Türkische Republik, die mit dem Vertrag von Lausanne anerkannt wurde. Die Armenien-Frage wurde damit begraben. .....................................................

Geschichte am Mittwoch 20. Juni 2007 um 20.45 Uhr Wiederholung vom 13.04.2005 Dokumentarfilm von Laurence Jourdan ARTE France / La Compagnie des Phares & Balises (Frankreich, 2004, 52 Minuten)

Chronik

16. Jahrhundert Eingliederung Armeniens in das Osmanische Reich.

13. Juni -13 Juli 1878 Berliner Kongress: Die europäischen Mächte oktroyieren Sultan Abdul Hamid II einen Reformplan, für die « durch Armenier besiedelten Provinzen » ( Artikel 61).

1894-1896 Als Antwort auf die ersten armenischen Aufstände gegen die steuerliche Ungleichbehandlung werden etwa 250 000 Armenier auf Befehl von Sultan Abdul Hamid II durch verschiedene Kavallerieregimente abgeschlachtet.

1908 Putsch der liberalen Jungtürken. Wiedereinsetzung der durch den Sultan ausgesetzten Verfassung.

1909 Abdul Hamid II wird nach einer gescheiterten Gegenrevolution abgesetzt und durch seinen Bruder Mehmet V. abgelöst. In diesem Kontext der Wirren werden zwischen 25000 und 30000 Armenier in Adan, Silizien, umgebracht.

November 1914 Eintritt der Türkei in den Ersten Weltkrieg – an der Seite der Zentralmächte – Deutschland und Österreich-Ungarn – gegen die Mächte der Entente, d.h. Frankreich, England und Russland.

Janvier 1915 Niederlage der osmanischen Armee gegen die Russen in Sarikamish im Kaukasus. Diese Niederlage wird als Vorwand genutzt, um der armenischen Volksgemeinschaft Verrat vorzuwerfen und um die Aussiedlung der Bevölkerung in sogenannte „Wiedereingliederungszonen“ zu rechtfertigen – unter dem Vorwand, die einzelnen Frontabschnitte sichern zu wollen.

24. und 25. April 1915 Großangelegte Razzia gegen armenische Vertreter des Geisteslebens und gegen armenische Honoratioren in Konstantinopel. Beginn der Deportationen und der Massaker, die am Ende insgesamt eine Million, wenn nicht gar eineinhalb Millionen Todesopfer fordern sollte.

24. Mai 1915 In einer gemeinsamen Erklärung Frankreichs, Englands und Russlands an die Adresse der kaiserlichen, osmanischen Gewalt werden die « Verbrechen der Türkei gegen die Menschlichkeit und die Zivilisation“ verurteilt.

27. Mai 1915 Innenminister Talaat Pacha gibt die Verabschiedung eines « vorläufigen Deportationsgesetzes“ bekannt.

Mai bis Juli 1915 Deportation der Armenier aus Ostanatolien, der historischen Wiege Armeniens.

Herbst/Winter 1915-1916 Deportation der Armenier aus Westanatolien.

30. Oktober 1918 Die besiegte Türkei unterzeichnet gemeinsam mit den Mächten der Entente den Waffenstillstand von Moudros.

1919 Prozess gegen die verantwortlichen Führer des Komitees für Einheit und Fortschritt. Enver Pacha, Talaat Pacha et Djemal Pacha, die nach Deutschland geflüchtet waren, werden durch ein Kriegsgericht in Abwesenheit zum Tode verurteilt.

10. August 1920 Unterzeichnung des Vertrages von Sèvres, in dem die Aburteilung der für die Massaker Verantwortlichen durch ein Internationales Straftribunal bestimmt und das Bestehen eines unabhängigen Armeniens anerkannt wird. Der Vertrag sollte niemals ratifiziert werden

24. Juli 1923 Mit der Unterzeichnung des Vertrages von Lausanne zwischen der Türkischen Republik von Mustafa Kemal und den Alliierten wird die armenische Frage endgültig ad acta gelegt.

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