Frauen in Afghanistan - Unter der Burka

Jungle World - 20 Februar 2008 - Von Knut Henkel

Die kritische afghanische Abgeordnete Ma­lalai Joya wurde aus dem Parlament ausgeschlossen und bedroht. Nun wurde ihre Arbeit mit dem Menschenrechtspreis der Initiative Cinema for Peace ausgezeichnet.

Malalai Joya hat die Frauen in Afghanistan früher ermuntert, die Burka abzulegen. Doch derzeit ist die Burka für sie ein Schutz vor den Häschern der Warlords. Die vom Parlament ausgeschlossene Abgeordnete gehört zu den schärfsten Kritikern der von Präsident Hamid Karzai geführten Regierung. Nur mit Glück konnte sie ihr Land ver­lassen und in der vergangenen Woche in Berlin den Menschenrechtspreis der Initiative Cinema for Peace entgegennehmen.

Bärte, nichts als Bärte. Das ist der erste Eindruck, wenn die Kamera über die mit Plakaten gepflasterte Hauswand mitten in Kabul fährt. Unzählige Wahlplakate sind dort angekleistert, und es sind fast ausschließlich Männer, die – oft recht grimmig dreinblickend – für einen Sitz im Parlament kandidieren. Umso stärker fällt das Antlitz der jungen Frau auf, die aufmunternd von der Hauswand lächelt. Diese Szene aus dem Film »Ene­mies of Happiness«, der gerade mit dem Menschenrechtspreis ausgezeichneten Dokumentation über Malalai Joya, bleibt haften.

Nicht allein, weil die 29jährige damals, Ende 2005, als eine von 28 Frauen ins afghanische Parlament einzog, sondern weil sie unbändigen Optimismus ausstrahlt. Für viele Frauen in Afgha­nistan ist sie eine Symbolfigur. Für sie marschier­te eine alte Frau von 100 Jahren etliche Kilometer bis zu der kleinen Schule, in der sie ihre Stimme für ihre Kandidatin abgeben konnte. Malalai Joya gehörte zu den Kandidaten, die die meisten Stimmen erhielten.

Doch an den Parlamentssitzungen darf sie nicht mehr teilnehmen. Sie schätzt, dass 85 Prozent der Abgeordneten Warlords sind oder sie repräsentieren. Für drei Jahre wurde die streitbare Frau aus dem Parlament verbannt, weil sie immer wieder auf die kriminelle Vergangenheit von Abgeordneten, auf deren Verstrickung in Drogenhandel und Verbrechen im Bürgerkrieg hingewiesen hat. Das war im Mai 2007, und wenig später wurde ihr der (...)

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