Herausforderung Islam - Sind wir darauf vorbereitet?

Institut für Islamfragen der Evangelischen Allianz - 10 September 2007 - Von Dr. Christine Schirrmacher
Herausforderung Islam - Sind wir darauf vorbereitet?

Wie wenig entwickelt das Wissen über den Islam und seine Auffassungen über bestimmte theologische, rechtliche und kulturelle Belange ist, zeigen auch Diskussionen, in denen über dieselben Begrifflichkeiten gestritten wird, mit denen aber im jeweils anderen religiös-kulturellen Kontext unterschiedliche Inhalte verbunden werden .

Da ist die z.B. die Menschenrechtsdiskussion. Wie oft haben muslimische Organisationen betont, dass der Islam nicht nur die Menschenrechte achte, sondern sogar umfangreichere Menschenrechtskataloge formuliert habe als der Westen und eigentlich der "Urheber" aller Menschenrechte sei. Scharia vor Menschenrechten Dabei wird bei einem zweiten Blick auf die Inhalte der Menschenrechtserklärungen im westlichen und islamischen Kontext offensichtlich, dass alle islamischen Menschenrechtserklärungen als Präambel die Scharia über jegliche Menschenrechte stellen. In praktischer Anwendung bedeutet das, dass ein Apostat (jemand, der sich vom Islam abgewendet hat) keinerlei Menschenrechte mehr einfordern kann, da er nach den Bestimmungen der Scharia ein todeswürdiges Verbrechen begangen hat und daher keine Religionsfreiheit oder anderweitige Menschenrechte mehr beanspruchen kann. Beim Abfall vom Islam endet das Recht auf Religionsfreiheit und Menschenrechte nach ganz überwiegender Meinung muslimischer Theologen - diese Tatsache muss einfach beim Namen genannt werden. Hier liegen die wirklichen Diskussionspunkte zwischen westlichem und islamischem Menschenrechtsverständnis und nicht in der vordergründigen Diskussion, ob der Islam überhaupt irgendwelche Menschenrechte kenne. Nur aus einer vertieften Kenntnis der Religion, Kultur und des Rechtssystems des Islam werden solche Diskussionen im breiteren Rahmen und öffentlichen Raum überhaupt geführt werden können. Die Toleranzfrage Ein anderes Beispiel ist die Frage der Toleranz und des Toleranzbegriffs. Dass der Islam das Christentum akzeptiere, Christen den Islam jedoch nicht, ist ein häufig geäusserter Vorwurf muslimischer Apologeten. Nicht selten wird in diesem Zusammenhang darauf verwiesen, dass muslimische Eroberer - im Gegensatz zu den christlichen Kirchen und Kreuzzüglern - Christen nicht vor die Wahl der Bekehrung zum Islam oder des Todes gestellt hätten. Und auch ganz grundsätzlich, so die Argumentation, erkennten Muslime Jesus Christus als geachteten Propheten und das Alte und Neue Testament als Offenbarungen an, während Christen sowohl Muhammed als auch dem Koran ihre Anerkennung verweigerten. Auch hier geht eine Diskussion über den Begriff der "Toleranz" ohne vertiefte Islamkenntnis leicht in die falsche Richtung: Was wird innerhalb des Islam unter "Toleranz" verstanden? Nun, ganz gewiss keine gleichberechtigte Anerkennung einer anderen Religion. Schon aus dem Koran wird deutlich, dass Muhammed ab 610 n.Chr. zwar um die Anerkennung und Anhängerschaft der Christen (und Juden) warb, er den christlichen Glauben, als sie ihm die Christen seiner Zeit ihre Nachfolge verweigerten, jedoch in seinen letzten Lebensjahren immer mehr als Gotteslästerung und die christliche Offenbarung als verfälscht betrachtete. Ja, Christen durften in islamisch eroberten Gebieten in der Regel ihren Glauben behalten. Aber sie wurden zu Unterworfenen (arab. dhimmis - Schutzbefohlenen), die steuerlich für ihren "Unglauben" bezahlten und mancherlei rechtliche Benachteiligungen, Diskriminierungen bis hin zu Verfolgung und Tod erdulden mussten. Ja, der Koran bezeugt das Alte und Neue Testament als Offenbarungen Gottes, und Jesus ist ein geachteter Prophet im Koran. Aber er wird nur als "Verkünder des Islam" geachtet, als Vorläufer Muhammeds, der nur ein Mensch ist und für niemand Erlösung erwirkte. Von den Christen, so die islamische Position, wurde Jesus fälschlicherweise als Gottessohn verehrt und sie verdrehten damit seine "ursprünglich islamische" Botschaft ganz und gar. Die christliche Offenbarung als solche geniesst als "verfälschte Schrift" also nur wenig Achtung im Islam und die Person Jesu, wie sie im Alten und Testament dargestellt wird, ebensowenig. Islamische Lobbyarbeit Bedenklich stimmt, dass manche muslimischen Organisationen schon heute darauf drängen, dass nichts "Negatives" mehr über den Islam veröffentlicht werden dürfe, da dies Diskriminierung bedeute - mit anderen Worten, alles, was nicht aus muslimischer Sicht geschrieben wurde, ist zu unterbinden (eine Entwicklung, die z.B. in Grossbritannien durch islamische Lobbyarbeit weitaus mehr fortgeschritten ist). Der Ausgangspunkt dieser Überlegungen ist der den Christen aus islamischer Sicht zukommende dhimma-Status, der des Schutzbefohlenen, der dem Islam unterstellt und dem islamischen Gesetz unterworfen ist. Hier wird es ganz wesentlich daran liegen, wie "wach" die westliche Gesellschaft diese Entwicklung verfolgt und in welchem Mass sie bereit ist, ihre mühsam erkämpfte Presse- und Meinungsfreiheit zu verteidigen. Die Frauenfrage Ein weiteres Beispiel ist die häufig zitierte Stellung der Frau. Auch hier würde eine vertiefte Kenntnis des Islam zu einer besseren Ausgangslage in der Diskussion und letztlich zu mehr Ehrlichkeit über die wirklich strittigen Punkte führen. Muslimische Apologeten betonen, dass die Frau im Islam gleichberechtigt vor Gott sei, ja, dass der Islam der Frau die wahre Würde, Freiheit, Schutz und Respekt verleihe. Aus westlicher Sicht ist eine Frau mit Kopftuch und Mantel ein "unterdrücktes Wesen". Was ist nun richtig? Ja, der Koran spricht davon, dass Mann und Frau vor Gott gleich erschaffen wurden, ohne dass er einen Hinweis darauf gäbe, dass die Frau ein Wesen von "minderem Wert" sei. Gleichzeitig spricht der Koran - und noch viel deutlicher die islamische Überlieferung - von der unterschiedlicher Aufgabenzuteilung für Mann und Frau, aus der unterschiedliche Rechte abgeleitet werden, ja, die rechtliche Benachteiligung der Frau festgeschrieben wird. Sie ist rechtlich benachteiligt im Erbrecht (sie erbt nur die Hälfte), im Zeugenrecht (ihre Aussage gilt nur halb so viel wie die Aussage eines Mannes), im Eherecht (für sie ist die Scheidung erschwert, in einigen Ländern fast unmöglich; dem Ehemann ist in den meisten Ländern die Polygamie erlaubt). Eine überall anerkannte Grundlage des islamischen Eherechts ist die Gehorsamspflicht der Ehefrau und das Erziehungsrecht des Mannes ihr gegenüber, das ihr verbietet, gegen seine Einwände selbstbestimmte, eigenständige Entscheidungen zu treffen (das Haus zu verlassen, Kontakte zu Personen zu unterhalten, die er nicht billigt u.ä.). Zollt sie ihm diesen Gehorsam nicht, darf er nach Meinung der überwiegenden Zahl der Theologen nach Sure 4,34 zum Mittel der Züchtigung greifen. Es ist daher viel eher dieses Eherecht (Polygamie, Gehorsamspflicht, Züchtigung, Erbrecht) - das in der islamischen Welt ganz überwiegend konservativ aufgefasst wird - (die Türkei bildet eine gewisse Ausnahme), das deutschen Rechtsauffassungen viel mehr entgegensteht als ein Kleidungsstück. Aber diese strittigen "Frauenfragen" sind bisher noch zuwenig öffentlich thematisiert worden. Eigene Standortbestimmung Aus einer vertieften Sicht des Islam heraus würde auch eine realistischere eigene Standortbestimmung möglich sein. Dann würde unsere Gesellschaft - einschliesslich der Kirchen - auch deutlicher erfassen, unter welchem Blickwinkel der Islam die westliche Gesellschaft und das Christentum betrachtet. Dann könnten theologische Diskussionen hinauskommen über oberflächliche Debatten über die "abrahamitischen Religionen", sondern mit entsprechend vertieftem Wissen über die "andere" Religion über die wirklich kniffligen Punkte sprechen - z.B. die Frage des Gottesbildes, der Offenbarung, der Koranentstehung oder der Frage, warum der Islam beansprucht, schon vor dem Christentum existiert zu haben und Adam als Verkünder des Islam zu betrachten sei. Der Islam ist zu einer gewaltigen Herausforderung für Staat, Gesellschaft und Kirche geworden.

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