Hisbollahs Freunde in Südamerika

DIE WELT - 19 Juni 2008 - Von Hildegard Stausberg

Wird Venezuela zum sicheren Hafen für islamische Terroristen?

Berlin. Seit Langem schon gibt es Vermutungen, dass der mit dem Iran eng verbündete venezolanische Präsident Hugo Chávez Mitgliedern von Terrorgruppen aus dem Nahen Osten in seinem Land Unterschlupf gewährt.

Auch werden seine Kontakte zum iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad seit Jahren immer intensiver: Als eine der ganz wenigen Länder auf der Welt verteidigt Chávez uneingeschränkt das Nuklearprogramm der Iraner.

Nun gibt es immer mehr Hinweise darauf, dass er über ein engmaschiges Netzwerk arabischstämmiger Venezolaner die Hisbollah direkt unterstützt. Die nordamerikanische Behörde zur Kontrolle ausländischen Vermögens (Ofac) hat am Mittwoch die Anweisung gegeben, die Vermögen von zwei arabischstämmigen Venezolanern einzufrieren. Der Geschäftsmann Fawzi Mustafa Kann'an und der Diplomat Ghazi Nasr al-Din sollen zum einen Gelder für die Hisbollah in Venezuela gesammelt haben und weltweite Aktivitäten dieser Terrorgruppe unterstützen. "Wir werden weiter gegen die internationale Ausbreitung dieser Terrororganisation in Lateinamerika kämpfen", sagte Adam Szubin, der Direktor der Ofac, in Washington und ergänzte: "Es ist äußerst beunruhigend, dass Venezuela für Menschen, die die Hisbollah unterstützen, zum sicheren Hafen wird."

Der 1962 im Libanon geborene Diplomat al-Din ist im Nahen Osten kein Unbekannter: Längere Zeit war er Geschäftsträger der venezolanischen Botschaft in Damaskus und ist nun zum Direktor der politischen Abteilung der Botschaft Venezuelas im Libanon ernannt worden. Der 1943 ebenfalls im Libanon geborene Kann'an betreibt seit Jahren in der Hauptstadt Caracas zwei Reiseagenturen, Biblos Travel Agency und Hilal Travel Agency. Diese wurden in der Pressemitteilung der Ofac ausdrücklich erwähnt. Gegenüber dem britischen TV-Sender BBC sagte Kann'an jetzt, er sei Opfer einer Verleumdungskampagne: "Das ist eine große Lüge, ich bin niemals im Iran gewesen." Er lebe seit 1986 in Venezuela und habe seine Heimat wegen des Bürgerkriegs verlassen. Er verfüge außerdem über ein gültiges Visum für die Vereinigten Staaten. Dort besitze er zudem keine Vermögenswerte, die eingefroren werden könnten.

Die in Venezuela bekannte Journalistin Patricia Poleo hatte erst vor Kurzem in einem Artikel in der Zeitung "El Nuevo País" behauptet, in Venezuela würden junge Männer geworben, die dann in Lagern im Libanon zu Kämpfern der Hisbollah ausgebildet würden. An der Spitze der Organisationsstruktur stünde der stellvertretende venezolanische Innenminister Tarek al-Ayssami. Sein "engster Verbindungsmann im Nahen Osten" sei eben jener Ghazi Nasr al-Din, der jetzt auf die Ofac-Liste gesetzt wurde. Zusammen mit seinem Bruder habe er junge Venezolaner arabischer Herkunft rekrutieren sollen.

Seine Aufgabe war es offenbar, sie zur Ausbildung durch die Hisbollah in libanesische Lager zu schicken. So sollten die jungen Männer für "einen Kampf gegen die Vereinigten Staaten" vorbereitet werden. Nach ihrer Ausbildung würden sie in Venezuela von Mitgliedern des Islamischen Zentrums in Venezuela (Centro Islámico de Venezuela) betreut. Diesem sei es (...)


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