Jemen

Jemen: Vertraulicher UN-Bericht zeigt Scheitern und Kriegsverbrechen der Saudi-geführten Koalition

RT Deutsch 21 August 2017
Während Saudi-Arabien die militärischen Fortschritte im Krieg im Jemen betont, zeugt ein neuer UN-Bericht vom Gegenteil. Vermehrte Luftangriffe mithilfe von US-Kampfflugzeugen und Drohnen führten lediglich zu stärkerer Feindseligkeit wegen der hohen Anzahl ziviler Opfer.

Schiiten und Sunniten – Unterschiede islamischer „Konfessionen“

Schiiten und Sunniten – Unterschiede islamischer „Konfessionen“ Die Entstehung der schiitischen Gemeinschaft

Nachdem Muhammad am 8.6.632 n. Chr. wohl recht überraschend gestorben war, entstanden unter der ersten muslimischen Gemeinde unterschiedliche Auffassungen über die Frage seiner Nachfolge. Schwer zu beantworten war sie, weil Muhammad selbst offenbar keinen Nachfolger bestimmt hatte und selbst geistlicher und weltlicher Herrscher, Gesetzgeber und Heerführer, der letzte Prophet der Geschichte und Empfänger der Offenbarung des Korans gewesen war.


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Aus der nach Muhammads Tod unmittelbar ausbrechenden Auseinandersetzung über die Nachfolgefrage ergab sich die geschichtlich und theologisch folgenschwerste Spaltung der islamischen Gemeinschaft in mehrere Gruppierungen, unter denen als bedeutendste die hervorgingen, die später als „Sunniten“ und „Schiiten“ bezeichnet wurden. Mit dem Begriff „Schiiten“ sind die Anhänger ’Alis gemeint, des Neffen und Schwiegersohns Muhammads, die als Nachfolger eine Person aus der Familie des Propheten (von den „ahl al-bayt“) forderten und daher „Shi’at ’Ali“ („Partei“ des ’Ali“) genannt wurden. Die sunnitische Mehrheit verlangte lediglich einen fähigen Heerführer aus Muhammads Stamm, den Quraysh, machte aber gleichzeitig dessen bestätigende Wahl durch einen Rat (arab. shura) und seine öffentliche Huldigung (arab. bay’a) zur Bedingung.

Die schiitische Gruppierung verlangte einen direkten Nachkommen Muhammads, weil sie nur ihn mit der göttlichen Segenskraft (arab. baraka) für begabt hielt. Außerdem, so argumentierten die Anhänger ’Alis, habe Gott selbst ’Ali zum Nachfolger auserwählt und Muhammad habe dies noch vor seinem Tod schriftlich festhalten lassen. Allerdings hätten die Sunniten diese eindeutige, zum Korantext gehörige Nachfolgeregelung sowie die besondere Würdigung der Familie Muhammads daraus getilgt. Damit war der drastische Vorwurf einer Koranfälschung – des unfehlbaren Gotteswortes – durch die Sunniten ausgesprochen, den die schiitische Gemeinschaft besonders in den ersten Jahrhunderten vehement verfochten und bis heute nicht ganz aufgegeben hat.

Dieser Auffassung von einer einvernehmlichen Nachfolgeregelung innerhalb der Familie Muhammads konnten sich die Sunniten nicht anschließen und forderten nach Muhammads Tod eine Wahl unter den Prophetengefährten. Die Schiiten waren in dieser ungleichen Auseinandersetzung kräfte- und zahlenmäßig weit unterlegen. Erschwerend für sie kam hinzu, dass alle leiblichen Söhne Muhammads bereits vor ihm verstorben waren. Seine nächsten männlichen Nachkommen wären seine Enkel al-Hasan und al-Husain gewesen, die allerdings zum Zeitpunkt des Todes Muhammads noch Kinder im Alter von etwa sechs und acht Jahren gewesen sein müssen. Daher bestimmten die Schiiten Muhammads Schwiegersohn und Neffen ’Ali zum Anwärter auf das Kalifat (das weltliche und geistliche Nachfolgeamt der frühen muslimischen Gemeinschaft).

Der einzig verfügbare männliche, wenn auch nicht direkte Nachkomme Muhammads, ’Ali, konnte seinen Anspruch auf das Kalifat gegen die sunnitische Mehrheit jedoch zunächst nicht durchsetzen. In seiner Abwesenheit wurde noch im Jahr 632 Muhammads enger Vertrauter und Heerführer Abu Bakr zum ersten Kalifen (regierte 632–634 n. Chr.) gewählt, danach folgten ’Umar (634–644) und ’Uthman (644–656), die alle zur sunnitischen Anhängerschaft gehörten. Erst im Jahr 656 konnte ’Ali (656–661) als vierter Kalif für wenige Jahre die Macht erringen. Nach seinem Tod fiel die Führerschaft über die islamische Welt erneut an die Sunniten, die die Herrschaft mit der Dynastie der Umayyaden (661–749) und der Abbasiden (750–1258) für die sunnitische Mehrheit viele Jahrhunderte lang erblich machen konnten.

Aus schiitischer Sicht waren die drei ersten Kalifen „unrechtmäßige“ Herrscher und ihre Wahl eine schwere Sünde. Daher werden sie bei schiitischen Feierlichkeiten (wie z. B. den jährlich stattfindenden schiitischen Trauerprozessionen im Monat Muharram) als „Usurpatoren“ der Macht häufig verflucht.

Nachdem der vierte und einzige schiitische Kalif ’Ali im Jahr 661 ermordet worden war, unternahmen die Schiiten einen erneuten Versuch, mit den Prophetenenkeln al-Hasan und al-Hussein die Macht zu erringen. al-Hasan erklärte jedoch – möglicherweise gegen erhebliche finanzielle Zuwendungen – seinen Verzicht auf das Kalifat, und sein Bruder, al-Husain, fiel im Jahr 680 in der berühmten Schlacht von Kerbela im heutigen Irak gegen eine sunnitische Übermacht, womit alle unmittelbaren männlichen Nachfahren Muhammads ausgelöscht waren.

Nun besaßen die Schiiten keine Möglichkeit mehr, ihren Anspruch auf eine weltliche Führerschaft der muslimischen Gemeinschaft durchzusetzen. Sie entwickelten nun ein Konzept geistlicher Herrschaft durch einen Imam als spirituellen Gemeindeleiter, der ab 941 n. Chr. aus der „großen Verborgenheit“ heraus die Gemeinde leitet und allein die „verborgene(n) Bedeutung(en)“ des Korans kennt. Die Hoffnung auf sichtbare Herrschaft verlagerte die schiitische Gemeinschaft auf die Endzeit, in der der Imam als Mahdi (der „Rechtgeleitete“) sichtbar aus der Verborgenheit wiederkommen und ein Friedensreich aufrichten werde. Seinem Auftreten werden Sonnen- und Mondfinsternisse, Erdbeben, Heuschreckenplagen und Wasserfluten vorausgehen. Nach der Erhebung „falscher Mahdis“ und ihrer Kämpfe gegeneinander sollen Stürme die Erde reinigen und alle Krankheiten von den wahren Gläubigen nehmen. Danach soll der wahre Mahdi in Mekka in der Ka’ba erscheinen, den „eigentlichen“ Korantext wiederherstellen und alle sich ihm widersetzenden Ungläubigen töten. Schließlich wird unter seiner Herrschaft das Paradies auf Erden aufgerichtet werden.

Märtyrerkult um al-Husain

Durch den Tod der wichtigsten schiitischen Führer und die Verweigerung jeglicher Teilhabe an der weltlichen Herrschaft durch die Sunniten erhielt das Konzept des Leidens, Sterbens und Martyriums im schiitischen Islam große Bedeutung. Der Prophetenenkel al-Husain wurde zum Ideal des schiitischen Märtyrers schlechthin. Im Gedenken an seinen Tod in Kerbela im Jahr 680 begehen Schiiten am 10. Tag des Monats Muharram, dem ’Ashura-Tag, umfangreiche Trauerfeierlichkeiten mit Prozessionen und Geißlergruppen, die sich selbst durch Schwerter oder Ketten Verletzungen zufügen, um das Leiden al-Husains nachzuempfinden und die Schuld abzubüßen, die die schiitische Gemeinschaft auf sich lud, indem sie al-Husain in der Schlacht von Kerbela sozusagen verraten und im Stich gelassen hatte. Wer an den Passionsspielen und Umzügen teilnimmt und Tränen für al-Husain vergießt, erhält Teil an seiner Erlösung – so die schiitische Überzeugung – die er durch sein Leiden und seine Fürbitte für die (schiitischen) Gläubigen im Jüngsten Gericht erwirkt.

Das Leitmotiv des Leidens setzt sich in der Geschichte der Schia durch den – wie Schiiten glauben – gewaltsamen Märtyrertod aller al-Husain nachfolgenden schiitischen Imame (der Leiter der islamischen Gemeinschaft) fort. Die Gräber von ’Ali, al-Hasan und al-Husain, aber auch die Grabstätten der übrigen Imame und ihrer Verwandten sind im schiitischen Volksislam zu bedeutenderen Wallfahrtsorten geworden als Mekka.

Besonderheiten der schiitischen Lehre

Das herausragendste Kennzeichen schiitischer Lehre ist der Glaube an den Imam. Er ist der oberste Führer der Gemeinde, ein von Gott auserwählter Leiter, eine Art Vertreter des Propheten Muhammad, von dem er blutsmäßig abstammen muß. Er interpretiert die Offenbarung des Korans, vor allen Dingen dessen verborgenen Sinn, den die Gläubigen ohne Leitung nicht verstehen können. Er wird zu einer Art Mittler zwischen Gott und der Gemeinde, er ist in seinen Lehrentscheidungen unfehlbar und sündlos (arab. ma’sum) und besitzt übernatürliches Wissen. Die Aussprüche der Imame besitzen für Schiiten dieselbe Lehrautorität wie der Koran – Sunniten kennen keine solche unfehlbare Lehrinstitution wie den Imam. Allerdings hat sich die Schia über die Frage, wer jeweils als der unfehlbare Imam der schiitischen Gemeinschaft betrachtet werden muß, in mehrere Untergruppierungen gespalten, die nach der Zahl der von ihnen anerkannten Imame z.B. Vierer-, Fünfer-, Siebener- oder Zwölferschiiten heißen.

In Rechtsfragen sind die Unterschiede zwischen Sunniten und Schiiten nicht wirklich grundlegend; so weichen sie z.B. im Wortlaut des Gebetsrufs von den Sunniten nur geringfügig ab. Erwähnenswert ist die nur bei wenigen Sunniten, aber der Mehrheit der Schiiten befürwortete „Zeit“- oder „Genussehe“ – eine vereinfachte Form der Eheschließung von begrenzter Dauer mit Entlohnung der Ehefrau – sowie die Regelung, dass nach schiitischem Recht Männer und Frauen zu gleichen Teilen erben.


Dennoch ist der Graben zwischen Sunniten und Schiiten bis heute sehr tief. Zum Teil geht es dabei um historisch begründete Vorbehalte aus der frühislamischen Geschichte, zum Teil um nationale Gegensätze, zum Teil um die „richtig“ verstandene Nachfolge und Verehrung der Familie Muhammads und natürlich auch um den von Schiiten zwar im Laufe der Jahrhunderte gemäßigten, aber nie zurückgenommenen Vorwurf der Koranverfälschung durch die Sunniten. Der größte Teil der Auseinandersetzung wird heute im Internet geführt, wo eine große Zahl von Websites häufig sehr polemisch gehaltene antischiitische bzw. antisunnitische Inhalte vorträgt.

Die Sunniten stellen heute mit rund 85–90% weltweit die Mehrheit der Muslime dar, die Schiiten eine Minderheit von 8–9%; andere Schätzungen gehen von 12% oder sogar 15% aus. Obwohl z. B. auch der Irak eine schiitische Bevölkerungsmehrheit hat, ist nur im Iran die (zwölfer-)schiitische Lehre Staatsreligion. Außer im Iran (91%) leben Schiiten vor allem heute in Syrien, dem Irak (55–60%), dem Libanon (35–40%), der Türkei, Afghanistan (15–20%), Saudi-Arabien (5%), den Golfländern, Indien und Pakistan (10–15%).

Mit dem Gedanken, dass Leiden Erlösung bewirkt, steht die schiitische Gemeinschaft auf den ersten Blick dem Kern des christlichen Glaubens – dem Kreuzestod Jesu und seiner Erlösung – näher als der sunnitische Islam, der den Gedanken an Leiden und Erlösungsbedürftigkeit generell ablehnt. Es sind sogar einzelne lyrische bzw. kontemplative Betrachtungen aus der schiitischen und mystischen Literatur bekannt, die sich nicht ablehnend zum Kreuzestod Jesu äußern und ihn als unschuldig verfolgtes Opfer einer Verschwörung der Mächtigen porträtieren. Allerdings erkennen auch Schiiten Jesus vor allem als Parallelfigur zu al-Hussain, dem Märtyrer, und nicht als Gottessohn, der für die Versöhnung der Welt den Tod am Kreuz ertrug.




Schiiten und Sunniten – im Überblick


Sunniten

Schiiten
1. Der Herrscher der muslimischen Gemeinschaft soll dem Stamm Muhammads, den Quaysh, angehören und von der Gemeinschaft bestätigt werden. Rechtmäßiger Herrscher ist der Kalif, der die Scharia aufrichtet. Er ist Richter und Heerführer, bringt das Gesetz Gottes zur Anwendung, besitzt jedoch keine Lehrautorität

1. Nur ein direkter Verwandter Muhammads ist der rechtmäßige Führer der muslimischen Gemeinschaft, der Imam. Er ist ein religiöser Führer, kein weltlicher Herrscher, der heute „in der Verborgenheit“ lebt und von dort aus Weisungen erteilt. Er besitzt die oberste Lehrautorität, er ist unfehlbar und sündlos.

2. Am Ende der Zeiten wird der Mahdi erwartet, der von einigen sunnitischen Theologen mit Jesus Christus gleichgesetzt wurde. Insgesamt spielt der Mahdi-Glaube aber im sunnitischen Islam keine bedeutende Rolle.

2. Für Schiiten ist der Glaube an den auf die Erde kommenden Mahdi von großer Bedeutung. Er wurde häufig mit dem in der Verborgenheit lebenden Imam gleichgesetzt. Alle Menschen werden sich bei seinem Kommen dem schiitischen Glauben zuwenden müssen und der Mahdi wird die Scharia auf Erden aufrichten.

3. Die meisten Sunniten lehnen die auf eine begrenzte Zeit geschlossene Ehe, für die die Frau eine Bezahlung erhält, als eine Art der „Prostitution“ ab.

3. Schiiten vertreten mehrheitlich, dass die „Zeit“ oder „Genußehe“ (mut’a-Ehe) eine von Muhammad praktizierte und daher auch heute erlaubte, ja empfohlene Eheform sei.

4. Im sunnitischen Islam bildeten sich bis zum 10. Jahrhundert n. Chr. vier Rechtsschulen (Rechtstraditionen) heraus, die auf bedeutende Theologen und Rechtsgelehrte der islamischen Frühzeit zurückgehen und bis heute Gültigkeit besitzen.

4. Der schiitische Islam hat seine eigenen Rechtsauslegungen hervorgebracht. Er anerkennt auch nicht die Überlieferungstexte der ersten drei sunnitischen Kalifen (Nachfolger Muhammads), denn sie sind aus schiitischer Sicht „Usurpatoren“.

5. Die sunnitischen Rechtsschulen machen zwar geringe Unterschiede hinsichtlich des Ritus (z. B. beim Pflichtgebet), aber sie erkennen sich gegenseitig grundsätzlich an.

5. Schiiten beten in der Regel in schiitischen Moscheen und unterscheiden sich im Gebetsritus von der sunnitischen Mehrheit. So benutzen z. B. viele schiitische Gläubige ein Lehmtäfelchen, das aus dem Lehm von Kerbela (dem Ort des Todes al-Hussains 680) hergestellt ist, auf das sie beim rituellen Gebet niederfallen.

6. Der heute vorliegende Korantext gilt von Anfang an als Wort Gottes, das Muhammad vom Engel Gabriel überbracht wurde und bis heute fehlerlos bewahrt wurde.

6. Der Korantext sei von Sunniten gefälscht worden. Muhammad habe im Koran in besonderer Weise die Familie Muhammads herausgehoben und ’Ali noch vor seinem Tod zu seinem Nachfolger bestimmt.

7. In der sunnitischen Theologie hat der Gedanke an Leiden und Erlösung keine Bedeutung. Der Kreuzestod Jesu wird im Koran (Sure 4,157-159) ebenso wie von der sunnitischen Theologie abgelehnt.

7. In der schiitischen Theologie ist das Leiden der Imame und vor allem das Leiden des Prophetenenkels al-Husain, der 680 den „Märtyrertod“ starb, für die Erlösung der heutigen schiitischen Gemeinschaft von großer Bedeutung.

8. Im sunnitischen Islam gilt eine Fatwa (Rechtsgutachten), das ein Gläubiger in einer bestimmten Frage von einem Gelehrten eingeholt hat, lediglich als Meinungsäußerung, nicht als verpflichtende Handlungsanweisung.

8. Wenn sich ein schiitischer Gläubiger für die Tradition („Nachahmung“) eines bestimmten schiitischen Gelehrten entschieden hat, muß er auch dessen Fatwas befolgen, denn sie haben für ihn absolute Autorität.

9. Der Korantext, so wie er heute vorliegt, gilt zunächst nach seinem Wortlaut; die Auslegung der bedeutenden Korankommentatoren der Geschichte sind bis heute einflußreich; Mystiker versenken sich durch Kontemplation in den Text.

9. Der Korantext besitzt außer der äußerlich erkennbaren Bedeutung viele weitere, innere, verborgene Bedeutungen, die nur der Imam kennt und der schiitischen Gemeinschaft aus der Verborgenheit mitteilt.

10. Für Sunniten rücken speziell die Muharram-Feierlichkeiten sowie der Besuch der Gräber schiitischer Heiliger und Imame, insbesondere wenn sie von Schiiten als Ersatz für die Pilgerfahrt nach Mekka betrachtet werden, in die Nähe von Abfall und Ketzerei. Der sunnitische Volksislam kennt allerdings eine eigene Heiligenverehrung.

10. Für Schiiten sind die Trauerfeierlichkeiten im Monat Muharram, mit denen der Ermordung des letzten lebenden Prophetennachkommens al-Husain in Kerbela 680 gedacht wird, die wichtigsten Feierlichkeiten des Jahres. Wer aber aus ihrer Sicht den „Imam seiner Zeit nicht kennt, stirbt den Tod eines Ungläubigen.“















Söldnerwesen: Militarisierte Sicherheitsfirmen – ein milliardenschweres Geschäft

Neue Zürcher Zeitung 10 August 2017
Seit dem Ende des Kalten Krieges boomen private Sicherheitsfirmen. Sie haben von der Überwachung bis zum schwerbewaffneten Elitesöldner alles im Angebot.

Dreifache Katastrophe im Jemen / Helfer schlagen Alarm: Lage im Bürgerkriegsland verschärft sich

FinanzNachrichten 10 August 2017
Bonn (ots) - Es ist die schlimmste Cholera-Epidemie, die jemals dokumentiert wurde. Im Jemen kämpfen die Menschen augenblicklich gegen eine dreifache Katastrophe: Bürgerkrieg, Hunger und Cholera haben das Land zugrunde gerichtet. Die einsetzende Regenzeit birgt weitere Gefahren.

Verbündete im Clinch: Emirate wollen "säkularen Nahen Osten" - Saudis wittern "Verschwörung"

RT Deutsch 02 August 2017
Die saudische Prinzessin Fahda bin Saud bin Abdulaziz hat den Botschafter der Vereinigten Arabischen Emirate in Washington scharf angegriffen. Zuvor hatte dieser erklärt, sein Land möchte „säkulare Regierungen“ aufbauen. Prinzessin Fahda wittert darin "eine Verschwörung gegen Saudi-Arabien und die Islamische Welt“.

Muslimische Welt, wir müssen reden

AudiaturOnline 02 August 2017
Muslimische Welt, wir müssen reden

Meine Güte! Es gäbe so viel zu sagen über das, was in den vergangenen Tagen geschehen ist. Aber es würde den Rahmen dieses kleinen Artikels sprengen. Was ich zu sagen habe, mag schwer verdaulich sein, also bitte ich Sie, es mit einem aufgeschlossenen Geist zu lesen. Ich werde mich kurz fassen: Wir müssen die Konsequenzen unseres Tuns akzeptieren.

 

Gewalt, insbesondere Mord, hat Konsequenzen. Eine dieser Konsequenzen ist die Notwendigkeit, die Sicherheitsmassnahmen zu erhöhen. Wir haben uns jedoch wie trotzige Kinder verhalten, als es um die Metalldetektoren am Tempelberg ging. Metalldetektoren! Als ob wir diese nicht auch an der Kaaba und anderen heiligen Stätten des Islam hätten, weil auch dort schon Menschen getötet wurden. Sie sind dort, um Gewalt vorzubeugen und Leben zu retten.

Denken Sie einmal genau nach, worüber Sie sich da aufregen. Vergessen Sie die reflexartige Reaktion, die Sie jedes Mal überkommt, wann immer Israel auch nur einen Nieser in Richtung der Palästinenser von sich gibt, und denken Sie nach. Sie protestieren gegen die Tatsache, dass Muslime keine Waffen mit zur Moschee nehmen dürfen. Sie protestieren dagegen, dass Menschen andere Menschen nicht an unserer heiligen Stätte abschlachten dürfen. So tief sind wir also gesunken.

„Wo bleibt unser menschliches Mitgefühl?“

Wir müssen uns selbst wirklich genau unter der Lupe ansehen. Ich habe nicht erlebt, dass auch nur ein einziger Moslem die Ermordung zweier Israelis – zweier Menschen – bei der Al-Aqsa-Moschee verurteilt hätte – wohl aber gab es jede Menge Aufschreie gegen die in der Folge getroffenen Sicherheitsmassnahmen. Eine der beiden getöteten Personen hatte einen neugeborenen Neffen, der nun ohne seinen Onkel aufwachsen wird. 

Wo bleibt der Aufschrei wegen seines Tods? Wo bleibt unser menschliches Mitgefühl?

Das Ganze trieft nur so vor Heuchelei. Wir haben den Juden jahrzehntelang den Zutritt zum Tempelberg, der ihr heiligster Ort ist, verwehrt und dennoch haben wir die Dreistigkeit zu behaupten, die Juden hinderten uns an der freien Ausübung unserer Religion in der Al-Aqsa-Moschee? Die Juden haben der Waqf nicht gesagt, sie solle grundlegende Anti-Gewaltmassnahmen boykottieren. Die Juden haben nicht erklärt, dass Allah auf einmal keine Gebete der Gläubigen mehr akzeptiert, nur weil sie durch Metalldetektoren gegangen sind.

Selbst jetzt hat Israel unseren Forderungen nachgegeben und die Metalldetektoren abgebaut, und dennoch beharren wir immer noch auf unserem Boykott und rufen zu Tagen des Zorns auf, weil die Israelis es wagen, mitreden zu wollen, wenn es darum geht, ob das Leben Ihrer Bürger geschützt wird oder nicht. Das ist kleinkariert und unvernünftig. Lassen Sie uns doch einfach einmal eine Minute lang tief durchatmen und vernünftige Menschen sein. Es ist nicht nötig, dass das Blut Unschuldiger vergossen wird.

Einige haben gewaltlos protestiert. Andere weniger gewaltlos. Wieder andere ermordeten Juden nach dem Zufallsprinzip am Abendbrottisch, stachen auf der Strasse Menschen nieder, die sie irrtümlicherweise für Juden gehalten hatten oder verübten Anschläge auf Synagogen in der Türkei. Warum? „Für die Al-Aqsa“ – angeblich. Wie bitteschön, soll das helfen? Wie rechtfertigt der Protest gegen Metalldetektoren das Leid und den Tod unschuldiger Menschen? Auch für keine einzige dieser Taten habe ich eine Verurteilung gehört. Nur Anschuldigungen, die Juden hielten Muslime von der Ausübung ihres Glaubens ab.

Es sind aber nicht die Juden, die uns von der Ausübung unseres Glaubens abhalten. Wir selbst sind es.

„Sie öffnen den Regenschirm in Marokko, wenn es in Palästina regnet.“

Muslimische Welt, wir müssen unsere Prioritäten neu sortieren. Um es mit den Worten eines Freundes von mir, der Amazigh-Berber ist, zu sagen: Die Muslime scheren sich nicht grossartig um die vielen anderen Probleme, mit denen unser Volk weltweit konfrontiert ist, „aber sie öffnen den Regenschirm in Marokko, wenn es in Palästina regnet.“

Ich muss Ihnen eine Frage stellen: Wo waren Sie am Montag, als Dutzende Menschen bei Anschlägen in Pakistan getötet wurden? In Afghanistan? In Nigeria? In Syrien? Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass Sie noch nicht einmal von diesen Anschlägen gehört haben. Und wenn, dann dachten Sie vermutlich: „O, wie traurig“ und posteten dann weiter auf Twitter #PrayForAlAqsa. Die Medien und unsere Moscheen waren viel zu fokussiert auf die Metalldetektoren in Jerusalem. Unsere Proteste, all unser Denken und Fühlen dreht sich nur um die Palästinenser.

Wir haben sie auf ein Podest gestellt, sie zu Märtyrern gemacht, die ohne Fehl und Tadel sind. Aber wir nutzen sie aus. Unsere Regierungen nutzen sie aus und zwingen sie, unter elenden Bedingungen zu leben, wie etwa im Libanon. Ihre eigenen Regierungen nutzen sie aus, indem sie die für sie gedachten Finanzhilfen stehlen. Wir benutzen sie als politische Schachfiguren. Wir entschuldigen jede ihrer Gewalttaten, bevormunden sie, behandeln sie wie bedauernswerte Kinder und ermöglichen so den Kreislauf des Terrorismus. Und in unserer ausbeuterischen Obsession für die Palästinenser, haben wir kaum ein „Ya Allah“ für das Elend der Rohingya-Muslime, an denen in Burma Völkermord begangen wird, für die Muslime in China, denen es sogar verboten ist, den Ramadan zu feiern oder für die Menschenrechtsverletzungen, die Muslime durch ihre eigenen muslimischen Regierungen erleiden.

 

Wenn wir an Gerechtigkeit glauben, wenn wir an Frieden glauben, dann müssen wir die Palästinenser und uns selbst für unsere Taten in die Verantwortung nehmen. Wir müssen die Palästinenser wie Menschen behandeln, die Fehler begehen und von ihnen erwarten, dass sie für ihre schlechten Entscheidungen geradestehen – so wie wir es auch von jedem anderen erwarten würden. Wir müssen verlangen, dass die Palästinensische Autonomiebehörde aufhört, Terrorismus zu belohnen, indem sie den Terroristen Gehälter zahlt. Wir dürfen Terrorismus nicht als „Widerstand“ entschuldigen. Das Töten Unschuldiger ist kein „Widerstand“. Hören wir also auf, so zu tun. Wir müssen Führer, die zu Gewalt aufrufen, zur Rede stellen und dürfen nicht zulassen, dass unsere Imame zur Vernichtung von Juden aufrufen. Wieso haben wir das überhaupt erst zugelassen? Warum machen wir all diese geistigen Verrenkungen, um Gewalt gegen Juden zu rechtfertigen, wenn wir dies bei keinem anderen tun würden?

„Es ist an der Zeit, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen.“

Im Koran heisst es: „Gewiss, Allah ändert die Lage eines Volkes nicht, ehe sie (die Leute) nicht selbst das ändern, was in ihren Herzen ist.” (Koran 13:11). Der Hass in unseren Herzen, der sich in Gewalt manifestiert, hat die Situation der Palästinenser jahrzehntelang nicht verändert. Möglicherweise ist es vielmehr an der Zeit, etwas Neues auszuprobieren – mit den Israelis zusammenzuarbeiten, um zwei florierende Staaten aufzubauen, Seite an Seite, und miteinander auch jenseits unserer Glaubensunterschiede zu kooperieren.

Muslime, wir müssen unsere Angelegenheiten in den Griff bekommen. Wir sind an einem Punkt angelangt, der nicht mehr tragbar ist. Unsere Unfähigkeit Fehler zuzugeben, die Tatsache, dass wir die Palästinenser auf ein unantastbares Podest gestellt haben, unser Antisemitismus-Problem, unser Gewalt-Problem – all das wird unser Untergang sein. Es ist an der Zeit, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen, so schwierig das auch sein mag, und nach vorne zu gehen.

Nadiya Al-Noor ist eine junge Muslima und interreligiöse Aktivistin mit Schwerpunkt auf jüdische und muslimische Gemeinschaften und sie unterstützt aktiv den Friedensprozess zwischen Israel und den Palästinensern. Nadiya hat einen Hochschulabschluss in Öffentlicher Verwaltung an der Binghamton Universität in New York. Auf Englisch zuerst erschienen bei The Times of Israel

Krisentreffen islamischer Staaten in Istanbul zu Al-Aksa-Krise

24matins 01 August 2017
In Istanbul kommen am Dienstag die Staaten der Organisation für Islamische Kooperation (OIC) zu einem Krisentreffen zum Streit um die Al-Aksa-Moschee in Jerusalem zusammen.

Katar reicht wegen arabischer Sanktionen Beschwerde bei WTO ein

derStandard.at 01 August 2017
60 Tage Zeit für Beilegung des Streits mit Saudi-Arabien, Bahrain, VAE – Ansonsten Gerichtsverfahren

Lektionen aus arabischen Ländern

heplev 31 Juli 2017
Die muslimische und arabisch Presse wie Führungen verurteilen Israel – einen Nachbarstaat im Nahen Osten – regelmäßig wegen Brutalität, Rassismus, Unterdrückung usw. der Araber in Israel. Araber, Muslime und ihre Sympathisanten in der ganzen Welt verurteilen Israel wegen seiner Taktiken zur Bekämpfung des islamistischen und pan-arabischen Terrorismus.

Die Insolvenzerklärung des Rechtsstaates im Dschihad

ruhrbarone 28 Juli 2017
Der Islamische Staat (IS) verliert Territorien. Neue Milizen, wie die Al Qaida nahe Hayat al Tahrir al Sham, füllen das Vakuum, übernehmen Söldner. Verlagerungen des IS in den Maghreb, im Besonderen nach Libyen, sind ebenso zu hören wie die Auflösung durch Entsendung von Kämpfern gen Europa. Von unserer Gastautorin Jaklin Chatschadorian.

Die digitale Macht der Scheichs

Tageblatt Luxembourg 17 Juli 2017
Die Vereinigten Arabischen Emirate haben einem US-Zeitungsbericht zufolge eine Nachrichtenseite der katarischen Regierung gehackt und damit den Vorwand für die derzeitige diplomatische Krise am Golf geliefert. Das berichtete die “Washington Post” unter Berufung auf nicht genannte Mitarbeiter der US-Geheimdienste. Die Vereinigten Arabischen Emirate wiesen das zurück.

Die UNESCO und der Terrorismus

AudiaturOnline 17 Juli 2017
Was haben die Hamas und die UNESCO gemeinsam? Beide glauben, Juden hätten keine historische, religiöse oder emotionale Bindung zum Heiligen Land.

UN: Jemen bald größte humanitäre Krise der Welt

YouTube 17 Juli 2017
Im Jemen haben die Behörden in Anbetracht der Choleraepidemie begonnen die Strassen zu reinigen und Pestizide einzusetzen. Strassenstände der Lebensmittelverkäufer wurden verboten. Aber die Cholera breitet sich schnell weiter aus, in 22 von 23 Regierungsbezirken gibt es 320.00 Infektionen, 1,700 Tote sind zu beklagen.

Immobilien des Emirats: Wohin Katars Herrscher flüchten könnten

WirtschaftsWoche 14 Juli 2017
Wir können jeden Schock verkraften! Das behauptet die Führung von Katar angesichts der Blockade ihrer Nachbarn. Für den Notfall besitzt die Familie des Emirs ohnehin Immobilien auf der ganzen Welt.

Geheime Dokumente in Katar-Krise aufgetaucht: "Die Golfstaaten erhöhen den Druck"

Huffington Post 12 Juli 2017
Es war eine Sensation: Der US-Sender CNN hat am Montagabend geheime Dokumente im Zusammenhang mit der Katar-Krise präsentiert. Der Krise, über deren wahre Hintergründe die Welt spekuliert. Der Krise, die so brisant ist, dass sich der US-Außenminister derzeit mehrere Tage freigeräumt hat, um sie lösen zu helfen. 

Säbelrasseln der sunnitischen Mächte

Freitag.de 12 Juli 2017
Saudi-Arabien/Katar Die beiden Golfmonarchien werden von Konkurrenten zu Gegnern und sortieren Rebellen wie Terroristen neu

Katar prahlt mit 340 Milliarden Dollar an Reserven

DIE WELT 10 Juli 2017
Das Land ist von seinen Nachbarn isoliert, die mit weiteren Sanktionen drohen. Doch Katar zeigt in der Golfkrise keine Schwäche. Man habe genug Geld, um jeden Schock zu verkraften, hieß es vom Zentralbank-Chef.

Der Islamische Staat ist nicht nur ein Name – es ist eine Mission

• EuropeNews 06 Juli 2017
Der Islamische Staat ist nicht nur ein Name – es ist eine Mission

ISIS ist besiegt worden. So lautet die offizielle Version aus dem Irak. Aber verlassen Sie sich nicht darauf... Wir haben ISIS schon zwei Mal zuvor besiegt. Einmal in seiner vorherigen Inkarnation als Al-Qaeda im Irak und in seiner früheren Inkarnation als Saddam Husseins Regime, dessen sunnitische Baath Parteimitglieder eine entscheidende Rolle bei ISIS spielen sollten.

 

Quelle: Frontpage Magazine

Übersetzt von EuropeNews

 

Immer wieder wurde es als eine andere mörderische Monstrosität wiedergeboren.

 

Wir wissen nicht, wie die nächste Inkarnation aussehen wird, aber wenn wir an Saddam Husseins Vergewaltigungszellen denken, an Al-Qaedas Vorliebe für Selbstmordattentäter im Irak und ISIS öffentliche Folterungen, dann wird es schlimm werden.

 

Wir haben Saddam, Al-Qaeda im Irak und den Islamischen Staat geschlagen. Aber es kommt immer wieder zurück, denn wir verstehen nicht was es eigentlich ist. Und wir kapieren es auch nicht, weil wir nicht verstehen was islamischer Terrorismus ist.

 

Islamische Terroristen sind keine „winzige extremistische Minderheit“ die „den Islam pervertiert“ haben. Sie sind der Islam.

 

ISIS kehrt immer wieder zurück, weil sie in der lokalen sunnitisch-islamisch-arabischen Bevölkerung und der Religion Islam verwurzelt sind. Die sunnitische Verbindung ist der Grund warum ISIS immer wieder auftaucht. Bush unterdrückte Al-Qaeda im Irak, indem er die sunnitischen Stämme zu Alliierten machte. Obama machte einen Deal mit dem Iran und ließ die Schiiten den Irak dominieren. Die Sunniten sammelten sich um die ehemaligenAnhänger der Baath Partei von ISIS, die versprachen die gute alte Zeit von Saddams Vorherrschaft der Sunniten zurückzubringen.

 

So lange die sunnitisch-schiitischen Spannungen im Irak und Syrien weiterhin bestehen, ganz zu schweigen von denen zwischen Arabern, Kurden und Turkmenen, wird ISIS in irgendeiner Form bestehen bleiben und irgendwann ein Comeback erleben. Der Bogen reicht von den Sunniten, die sich Al-Qaeda/ISIS anschlossen, um die Schiiten zu besiegen bis hin zu den USA, die ISIS besiegen, und es wird so weitergehen.

 

Kritiker, die die USA beschuldigen ISIS gegründet zu haben, weil der Irak bombardiert wurde, treffen den Punkt nicht. ISIS ist die letzte Verkörperung sunnitischer Vorherrschaft und historischer Nostalgie für das abbasidische Kalifat. Beide, sowohl Saddam als auch der Kalif von ISIS, ritten auf der Nostalgiewelle so wie vor ihnen Hitler oder Karl der Große. Wir haben sie nicht erschaffen. Und es wird auch nicht weitergehen. Wir können sie nicht besiegen ohne die historischen Hoffnungen der sunnitischen Bevölkerung zu zerstören.

 

Darum geht es.

 

Wir bekämpfen nicht nur eine Horde lumpiger Terroristen. Wir kämpfen gegen den Sinn eines manifesten Schicksals einer großen muslimischen Bevölkerung, nicht nur im Irak und Syrien, sondern in London, Paris und in jedem Staat in Amerika.

 

Die islamischen Terrorgruppen im Nahen Osten sind besonders gefährlich, so wie ISIS es mit seinem Kalifat getan hat, können sie sich selbst eng mit den relevanten Epochen des Islams in Verbindung bringen. Al Qaeda verhalf dem saudischen Gesicht zum Durchbruch um eine instinktive Verbindung mit allen Muslimen weltweit zu knüpfen. ISIS wiederholte denselben Trick mit seinen irakischen Verbindungen. Und eine große Anzahl nicht-Araber und Konvertiten zum Islam aus der ganzen Welt sammelten sich zum Jihad.

 

ISIS ist das neue Al Qaeda. Sie können möglicherweise nicht Mosul regieren, aber sie sind zu einer internationalen Terrororganisation geworden, die noch gefährlicher ist als Al Qaeda. Und das war es wahrscheinlich was sie wollten.

 

Wie die Palästinenserbehörde, Hamas und andere islamische Terrorgruppen, war der Islamische Staat nie gut darin Dinge zu tun. Die PA wollten keinen Frieden mit Israel schließen aus demselben Grund warum die Hamas keinen Frieden mit der PA wollte. Eigenstaatlichkeit ist ein unwiderstehlicher Imperativ, erfordert aber in Wirklichkeit harte Arbeit. Es ist viel einfacher ein paar nützliche Idioten auszusenden, um sich selbst in die Luft zu jagen und dann die Schecks aus Katar zu kassieren.

 

Zivilisationen organisieren Gesellschaften. Barbaren haben mehr Spaß daran Dinge zu zerstören als den Müll hinaus zu bringen, oder die Straßen zu reinigen. Darum hat ISIS verloren und wird der Jihad am Ende Erfolg haben, wenn die Zivilisation so stark implodiert, dass sie sich seinen Übergriffen nicht mehr erwehren kann, oder durch die nicht zu stoppende Macht der rohen Demographie.

 

Die originalen islamischen Eroberungen vernichteten die Gesellschaften und Kulturen, die sie überrannten, auf die Weise, wie es Barbaren immer tun. Sie würden keinen Erfolg gehabt haben, wenn sich die Zivilisationen nicht in einem Zustand des Zusammenbruchs befunden hätten. Die heutigen islamischen Eroberungen sind eine ähnliche Reaktion auf unseren gesellschaftlichen Niedergang. Aber so lange wir Jets und Drohnen aussenden können, um unter den islamischen Terroristen auf der Welt Chaos zu erzeugen, können die Eroberungen nur dann Erfolg haben, wenn die Demographie wirkt, nicht auf einem militärischen Level. ISIS behauptete, dass sie eine militärische Endschlacht gewinnen können: Sie lagen falsch.

 

Aber die demographische Eroberung funktioniert ganz gut. Fragen Sie mal die verängstigten Urbewohner von Paris und London. Die Strategie der Muslimbruderschaft einer politischen und demographischen Invasion, höhnisch belächelt von ISIS, mag zwar weniger spektakulär sein, aber sie ähnelt stark der Taktik von Mohammed gegen seine nichtmuslimischen Feinde.

 

Die Herausforderung für islamische Terroristen ist, das demographische Wachstum in militärische Stärke umzuwandeln. ISIS entstand als eine Art Uber des islamischen Terrorismus, indem es die Muslime überall auf der Welt zu Terroristen erweckte, ohne Training oder Rekrutierung. Während Al Qaeda Pionierarbeit bei der Strategie leistete, setzte ISIS dies um.

 

Die Terroristen, die für ISIS im Westen getötet haben, als „einsame Wölfe“ abzuqualifizieren geht am Punkt vorbei.

 

Der islamische Terrorist, der einen Amoklauf mit einem Messer in London veranstaltet, oder mit einer Pistole in Orlando, ist ebenso wenig ein „einsamer Wolf“, wie ein Fahrer von Uber, der einen Passagier aufnimmt und der zufälligerweise ein Exzentriker ist. Es gibt Teile eines breitgefächerten Netzwerks, die absichtlich dezentralisiert sind, um ihren zentralen Zweck besser zu erfüllen.

 

Staatliche Maßnahmen, um gegen „Online Extremismus“ vorzugehen, kämpfen Kriege auf dem Nachrichtensektor, die die Demographie vernachlässigen. Aber unsere gezielten Schläge gegen ISIS ignorieren die Demographie ebenfalls. Wir sehen den Wald vor läuter Bäumen nicht. Aber der Wald ist das, wo die Bäume herkommen. Muslimische Terroristen entstammen der islamischen Bevölkerung. Es sind keine Irrenden. Stattdessen repräsentieren sie ihre religiösen und historischen Absichten.

 

ISIS und islamische Terroristen führen nicht weiter. Sie zu besiegen indem man herablassende Reden hält über die Friedlichkeit des Islams, so wie Obamas CVE Politik [Countering violent extremism] dies tun wollte, waren eine nutzlose Farce. Sie zeitweise zu bombardieren konnte sie als organisierte militärische Macht unterdrücken, aber nicht ihre religiösen und kulturellen Wurzeln.

 

So lange wir weiterhin den islamischen Terrorismus als Verirrung betrachten, die keine Verbindung hat zur Geschichte und Religion des Islams, werden unsere Bemühungen ihn zu bekämpfen Nadelstiche sein, die die Symptome behandeln, aber nicht das Problem.

 

Nur wenn wir erkennen, dass der islamische Terrorismus der Islam ist, dass die Verbrechen von ISIS und zahlreichen anderen zurückgehen auf Mohammed, der seine Ziele durch die islamische Bevölkerung erreichte, werden wir in der Lage sein, den Krieg aufzunehmen in dem wir uns befinden und uns selbst gegen das was kommt zu verteidigen, nicht nur im Irak oder Afghanistan, sondern in Amerika, Australien, Kanada, Europa Indien, Israel und sonst wo.

 

Wir kämpfen nicht gegen eine Handvoll islamischer Terroristen. Wir stehen einem manifestierten Schicksals des Islam im Weg. Entweder wird dieses manifestierte Schicksal sich für uns wenden, wie vor den Toren Wiens, oder es wird uns brechen. Diese Angriffe kamen einmal jährlich, jetzt kommen sie monatlich. Schon bald werden sie täglich kommen.

 

Jede Attacke ist ein Kieselstein in einer Lawine. Ein Steinchen fällt in Brüssel, eines in Fresno, in Düsseldorf, New York, München, Garland, Paris, Jerusalem, Mumbai. Boston und an mehr Orten auf der Welt als wir zählen können. Wir stehen zu dicht am Blutvergießen dran, um das große Ganze zu sehen. Wir sehen nur den Rauch und hören die Schreie. Wir sehen die Boote, die Armeen nach Europa bringen. Wir sehen die Flüchtlinge, die unsere Flughäfen füllen.

 

Das sind die Bäume, nicht der Wald, es sind die Steine, nicht die Lawine. Das sind die Schlachten, nicht der Krieg.

 

Der Islamische Staat wird nicht weiterbestehen. Es ist kein Name. Es ist ein islamischer Imperativ. Und er ist hier.

 

 

 

 

Die Muslimbrüder - die heimliche Macht, die die arabische Welt spaltet

Huffington Post 06 Juli 2017
Saudi-Arabien, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Ägypten hatten vor einem Monat wohlwollende Äußerungen des Emirs von Katar über den Iran als Anlass für ihren Boykott des Inselstaates genommen. Und ihm die Unterstützung von Terroristen vorgeworfen.

Die Araber müssen ihren Streit selbst beilegen

Der Tagesspiegel 04 Juli 2017
Der Außenminister will auf seiner Reise keine Vermittlerrolle übernehmen - gut so. Aber er könnte versuchen, die Gemüter zu beruhigen. Ein Kommentar. von Christian Böhme

Ein Wind des Laizismus weht in der islamischen Welt

Voltaire Netzwerk 21 Juni 2017
Donald Trumps Rede in Riad löste eine Welle von Stellungnahmen gegen den Terror und gegen den politischen Islam aus. Die arabische Welt drückt ihren Durst nach Säkularismus zum einem Zeitpunkt aus, wo dieser in Europa denaturiert ist und gegen die Religionen verwendet wird. Gegen diesen Aufschwung zur Freiheit organisieren die Briten das Lager des politischen Islams rund um den Katar, Iran, die Türkei und die Muslim-Bruderschaft.

Israel und der Sechs-Tage-Krieg von 1967 – Teil 3

AudiaturOnline 19 Juni 2017
Die Kriegshandlungen zwischen dem 5. und dem 10. Juni 1967 dauerten insgesamt 132 Stunden. Damit ging der Sechstagekrieg als der bis dato kürzeste Krieg der Menschheitsgeschichte in die Historienbücher ein. Lesen Sie auch den ersten Teil und den zweiten Teil über Israel und den Sechs-Tage-Krieg von 1967.

Katar, Saudi-Arabien und Co.: Der Persische Golf ist bestens mit deutschen Waffen versorgt

YouTube 16 Juni 2017
2013 winkte die Bundesregierung einen Waffendeal mit Katar durch: 62 Panzer und 24 Panzerhaubitzen. Nun verbündeten sich die Nachbarstaaten gegen Katar - darunter ein anderer großer Abnehmer deutscher Waffen.

Menschenrechtsorganisationen: US-Partner Emirate betreiben Foltergefängnisse im Jemen

RT Deutsch 14 Juni 2017
Eine Elite-Einheit unter Kontrolle der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) soll Hunderte jemenitischer Männer verschleppt und gefoltert haben. Dies berichten lokale Menschenrechtsgruppen. Investigativ-Journalisten und UN-Experten bestätigen die Vorwürfe.

Die Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam im Kontrast zur UN-Menschenrechtserklärung von 1948?

Die Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam im Kontrast zur UN-Menschenrechtserklärung von 1948?

Die Aktualität der Frage nach der Vereinbarkeit von Islam und Menschenrechten liegt angesichts der aktuellen Ereignisse auf der Hand. Trotz weltweiter Proteste droht der Iranerin Sakineh Mohammadi-Ashtiani weiterhin die Steinigung wegen Ehebruchs. Aus der islamischen Perspektive der iranischen Mullahs hat sie ihr Recht auf Leben verwirkt, weil sie sich nach den Maßstäben des islamischen Rechts (Scharia) eines schweren Vergehens schuldig gemacht hat, das in bestimmten Fällen mit dem Tod bestraft werden muss. Der große internationale Protest erinnert an den Prozess gegen den zum Christentum konvertierten Afghanen Abdul Rahman, der Anfang 2006 aufgrund seines Abfalls vom Islam in seiner afghanischen Heimat zum Tod verurteilt werden sollte. Angesichts des internationalen Drängens auf Freilassung Abdul Rahmans sahen die afghanischen Richter nach den Maßstäben der Scharia keine andere Möglichkeit, als Abdul Rahman für geisteskrank zu erklären. Der so knapp der Todesstrafe entkommene Konvertit fand anschließend Zuflucht im italienischen Exil.

Bereits an diesen zwei praktischen Beispielen wird deutlich, wie wichtig eine vertiefte Beschäftigung mit dem Wesen islamischer Menschenrechtserklärungen ist. Eine Leitfrage dieses Vortrags wird daher sein, inwiefern die von 45 Außenministern islamischer Staaten unterschriebene Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam (KEM) vom 4. August 1990 eher ein Verbot oder eine Rechtfertigung für ein derartiges Vorgehen wie im Iran oder in Afghanistan bietet. Die Kairoer Erklärung der Menschenrechte (KEM) wird dabei vor allem mit einzelnen Artikeln der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der UNO von 1948 (AEMR) verglichen.

Die Antwort der UNO auf die Erfahrungen des totalitären Nationalsozialismus


Vor einem detaillierten Vergleich erscheint es jedoch sinnvoll, sich noch einmal den jeweiligen historischen Entstehungskontext beider Erklärungen und die unterschiedlichen Intentionen ihrer Abfassung vor Augen zu führen. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (AEMR) war vor allem eine Reaktion auf die systematische Verletzung von Menschenrechten im Zuge des Zweiten Weltkrieges und insbesondere im totalitären Deutschland der National-Sozialisten. In der Präambel heißt es, dass die "Nichtanerkennung und Verachtung der Menschenrechte zu Akten der Barbarei geführt haben, die das Gewissen der Menschheit mit Empörung erfüllen, und da verkündet worden ist, daß einer Welt, in der die Menschen Rede- und Glaubensfreiheit und Freiheit von Furcht und Not genießen, das höchste Streben des Menschen gilt". Die AEMR verzichtet dabei auf eine spezifisch religiöse Legitimation und hält fest, dass "die Anerkennung der angeborenen Würde und der gleichen und unveräußerlichen Rechte aller Mitglieder der Gemeinschaft der Menschen die Grundlage von Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden in der Welt bildet". Auch wenn entscheidende Impulse für die Erklärung aus den USA sowie anderen westlichen Staaten kamen, haben auch asiatische, afrikanische und lateinamerikanische Staaten großen Anteil an ihrer Abfassung. Sogar zahlreiche muslimische Staaten, die seit den Achtzigern immer schärfere Kritik an der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (AEMR) äußerten, haben 1948 noch an derselben Erklärung mitgearbeitet und dieselbe, mit Ausnahme Saudi-Arabiens, vollständig mit unterstützt. Wo einzelne Vertreter muslimischer Staaten ihr Unbehagen gegenüber einzelnen Artikeln zu Ehe und Familie und zur Religionsfreiheit zum Ausdruck brachten, unterschied sich ihre Opposition nach Untersuchungen der Politikwissenschaftlerin Susan Waltz nicht wesentlich von der einiger nicht-islamischer Staaten. Infolge einer starken Reislamisierungsbewegung und des Erstarken islamistischer Gesellschaftsmodelle wandelte sich jedoch in den folgenden fünfzig Jahren und insbesondere seit der islamischen Revolution im Iran 1979 und der Verschärfung des Nahostkonflikts die Haltung islamischer Länder zur universalen Gültigkeit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (AEMR).

Die Reislamisierungsbewegung und die Menschenrechtsfrage


Zwei Jahre nach der iranischen Revolution beschrieb der iranische Vertreter, Rajaie-Khorassani, bei der 36. UNO-Generalversammlung 1984 die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der UNO von 1948 (AEMR) als säkulare Interpretation der jüdisch-christlichen Tradition, die von Muslimen nicht angewandt werden könne. Bei der Wahl zwischen ihren Maßgaben und dem "göttlichen Gesetz" seines Landes werde man sich immer für das "islamische Gesetz" entscheiden. 1984 bekräftigen er, dass der Iran keine Autorität oder Macht außer von Gott, dem Allmächtigen, anerkenne und auch keine andere rechtliche Tradition als die des islamischen Gesetzes. Entscheidend ist hier die geforderte Aufrichtung der Scharia als allen menschlichen Gesetzen überlegene göttliche Ordnung.

Bereits 1964 hatte der einflussreiche ägyptische islamistische Denker Saiyid Qutb das islamische Verständnis von Freiheit als die "Ablehnung aller Arten und Formen von Systemen [beschrieben], die auf das Konzept der Souveränität des Menschen basieren; mit anderen Worten, wo der Mensch sich die göttlichen Eigenschaften widerrechtlich angeeignet hat. Jedes System, in dem die letzte Entscheidung auf Menschen zurückgeführt wird, und in dem die Quellen der Autorität menschlich sind, in dem der Mensch vergöttlicht wird durch die Bestimmung von anderen außer Allah als Herren über die Menschen, ist abzulehnen. Diese Erklärung bedeutet, dass die widerrechtlich angeeignete Autorität Allahs zu Ihm zurückgegeben wird und die Usurpatoren hinausgeworfen werden - jene, die sich selbst Gesetze ausdenken, damit andere Folge leisten [...] Wie die später entstandenen islamischen Menschenrechtserklärungen beansprucht Qutb für die islamische Ordnung universale Gültigkeit: "Diese Religion ist nicht lediglich die Deklaration der Freiheit der Araber, noch ist ihre Botschaft auf die Araber beschränkt. Sie richtet sich an die ganze Menschheit und ihr Arbeitsgebiet ist die ganze Welt."

Islamische Revision bzw. Ergänzung der UNO-Erklärung?


Unterschiedliche Vertreter islamischer Staaten haben verstärkt seit den Achtzigern über verschiedene UN-Menschenrechtsgremien darauf hingewiesen, dass die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (AEMR) ergänzt bzw. revidiert werden müsse - so unter anderem auch der damalige iranische Außenminister Kamal Kharazi bei der 50jährigen Jubiläumsfeier der UNO-Erklärung im März 1998. Bereits im November desselben Jahres gab es daraufhin ein zweitägiges Seminar, das die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Mary Robinson, zusammen mit der OIC organisierte. Zwanzig Experten aus OIC-Länder stellten "Islamische Perspektiven" zur UN-Erklärung vor. Die anschließende Diskussion war auf die islamischen Referenten beschränkt. Die 250 Vertreter von achtzig Staaten, NGOs und UN-Behörden hatten keinerlei Möglichkeiten zu Rückfragen und Kommentaren. Heute sind zahlreiche Mitglieder der Organisation islamischer Staaten (OIC) auch Mitglied im UN-Menschenrechtsrat und haben dort in den letzten Jahren Resolutionen gegen die Diffamierung von Religionen durchgesetzt, mit denen vor allem der politische Islam vor jeglicher Kritik geschützt werden soll. Um derartige Islamkritik zu verhindern, sollen im Menschenrechtsrat künftig keine schariabezogenen Menschenrechtsverletzungen mehr thematisiert werden.

Menschenrechte als islamische Errungenschaft?


Der Versuch, eine islamische Perspektive auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (AEMR) der UNO zu entwerfen oder anderes gesagt, diese Erklärung nach den Maßgaben der Scharia zu revidieren, führte zur Verabschiedung eigener islamischer Menschenrechtserklärungen. Am 19. September 1981 verabschiedete der in London ansässige Islamrat von Europa auf Initiative des saudischen Königshauses und unter Beteiligung von sudanesischen, pakistanischen und ägyptischen Gelehrten die "Allgemeine Erklärung der Menschenrechte im Islam". Ähnlich wie später in der Kairoer Erklärung, verdeutlicht bereits die Präambel den apologetischen Versuch, Menschenrechte als originär islamisches Konzept darzustellen: "Vor 14 Jahrhunderten legte der Islam die "Menschenrechte" umfassend und tiefgründend als Gesetz fest [...] Der Islam ist die letzte der Botschaften des Himmels, die der Herr der Welten seinen Gesandten - Heil über sie! - offenbarte, damit sie sie den Menschen überbrächten als Recht und Anleitung, was ihnen ein gutes und würdiges Leben, beherrscht von Recht, Wohlfahrt, Gerechtigkeit und Heil, gewährleiste." Die folgenden Artikel werden als "Rechte [verstanden], die der Schöpfer - gepriesen sei er! - festgelegt hat. Der Mensch, wer immer er auch sei, hat kein Recht, sie auszusetzen oder zu verletzen". Auch wenn die folgenden Artikel teilweise - zumindest in ihrer englischen Fassung - der UNO-Erklärung ähneln, ergeben sich doch schwerwiegende Einschränkungen einzelner Freiheiten sowie des Grundsatzes der Gleichberechtigung, sowohl was die Beziehung von Mann und Frau als auch das Verhältnis von Muslimen und Nichtmuslimen angeht. Im Folgenden sollen jedoch die wichtigsten Unterschiede anhand der Kairoer Erklärung von 1990 dargestellt werden, die sehr viel komprimierter verfasst ist als die Londoner Erklärung von 1981.

Die Kairoer Präambel


Die Kairoer Erklärung der Menschenrechte (KEM) wurde am 4. August 1990 von den 45 Außenministern der Organisation islamischer Staaten (englisch: Organisation of Islamic Conference, OIC) unterzeichnet. Die 1969 gegründete OIC kann mit ihren heute 57 Mitgliedsstaaten als einflussreichste islamische Institution gelten mit einem ausgesprochen starken Einfluss auf die globale Politik. Zu ihren selbst benannten Zielen gehört die "Befreiung Jerusalems und der Al-Aksa von der zionistischen Besatzung", die Stärkung der "„islamischen Solidarität unter den Mitgliedsstaaten", die Koordinierung von Aktionen zum "Schutz der Heiligen Stätte" sowie die Unterstützung des Kampfes der "muslimischen Völker für den Schutz ihrer Würde, Unabhängigkeit und nationalen Rechte". Die Kairoer Erklärung der Menschenrechte (KEM) selbst hat bislang keinerlei völkerrechtliche Verbindlichkeit. Sie kann aber als durchaus einflussreiche konzeptionelle Leitlinie für die Gesetzgebung der einzelnen Mitgliedsstaaten verstanden werden, von denen die meisten die Scharia als Haupt- oder als einzige Quelle der Gesetzgebung in der Verfassung ausdrücklich erwähnen.

Bereits ein Vergleich der jeweiligen Präambeln verdeutlicht die ganz unterschiedlichen Ausgangspunkte der KEM und der AEMR. Während, wie oben dargelegt, die AEMR auf eine religiöse Legitimation und die Hervorhebung einer bestimmten religiösen Gemeinschaft verzichtet, betonen die OIC-Mitglieder "die kulturelle und historische Rolle der islamischen Umma, die von Gott als die beste Nation geschaffen wurde und die der Menschheit eine universale und wohlausgewogene Zivilisation gebracht hat". Weiter betonen die Verfasser die besondere "Rolle, die diese Umma bei der Führung der durch Konkurrenzstreben und Ideologien verwirrten Menschheit und bei der Lösung der ständigen Probleme dieser materialistischen Zivilisation übernehmen sollte". Hier wird bereits die missionarisch-apologetische Ausrichtung der Erklärung deutlich, wenn eine bestimmte religiöse Gemeinschaft als "beste Nation" hervorgehoben und die Ausbreitung ihres Glaubens als Voraussetzung für die Lösung der Probleme einer verwirrten Menschheit beschrieben wird. Damit werden bereits in der Präambel die Weichen für eine Bevorzugung von Muslimen und die Diskriminierung von Nichtmuslimen in verschiedenen Bereichen von Staat und Gesellschaft gestellt.

Weiter heißt es, dass die Menschheit, "die einen hohen Stand in der materialistischen Wissenschaft erreicht hat, immer noch und auch in Zukunft dringend des Glaubens bedarf, um ihre Zivilisation zu stützen". Die folgenden Artikel werden als "verbindliche Gebote Gottes" verstanden, "die in Gottes offenbarter Schrift enthalten sind und durch seinen letzten Propheten überbracht worden sind, um die vorherigen göttlichen Botschaften zu vollenden." Abschließend wird die Einhaltung dieser Bestimmungen als "Verehrung Gottes" und ihre "Verletzung" als "schreckliche Sünde" bezeichnet.

Einzelne Artikel im Vergleich


Die jeweils ersten Artikel Entsprechend den Ausführungen in der Präambel der AEMR, sind laut Artikel 1 alle Menschen "frei und gleich an Würde und Rechten geboren [...] mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Geschwisterlichkeit begegnen." Die Würde des Menschen und die Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz stehen hier also als oberstes Prinzip über allen weiteren Artikeln. In der Kairoer Erklärung heißt es dagegen in Artikel 1a): "Alle Menschen bilden eine Familie, deren Mitglieder durch die Unterwerfung unter Gott vereint sind und alle von Adam abstammen." Berücksichtigt man, dass das arabische Wort für "Unterwerfung" "Islam" ist, wird klar, dass hier erst einmal alle Menschen zu Muslimen erklärt werden und damit auch alle dem islamischen Gesetz unterstehen. Weiter heißt es, dass alle "Menschen gleich an Würde, Pflichten und Verantwortung [sind] und das ohne Ansehen von Rasse, Hautfarbe, Sprache, Geschlecht, Religion, politischer Einstellung, sozialem Status oder anderen Gründen." Dabei wird jedoch der wahrhafte [islamische] Glaube" als "Garantie für das Erlangen solcher Würde" beschrieben. Damit sind die Würde und Rechte des einzelnen Menschen in der Kairoer Erklärung von vorne herein in das islamische Konzept der Unterwerfung unter Gott und sein Gesetz eingeordnet und der entsprechende Schutz seiner Rechte an die Einhaltung bestimmter islamischer Pflichten geknüpft.

Wie weit geht die Glaubensfreiheit?


Unmissverständlich heißt es in Artikel 18 der AEMR: "Jeder hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht schließt die Freiheit ein, seine Religion oder Überzeugung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder Weltanschauung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, öffentlich oder privat durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Kulthandlungen zu bekennen." Einen vergleichbaren Artikel zur Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit und insbesondere zum Wechsel der eigenen Religion sucht man in der Kairoer Erklärung vergeblich. Stattdessen heißt es dort in Artikel 10: "Der Islam ist die Religion der reinen Wesensart. Es ist verboten, irgendeine Art von Druck auf einen Menschen auszuüben oder seine Armut oder Unwissenheit auszunutzen, um ihn zu einer anderen Religion oder zum Atheismus zu bekehren." Auch an dieser Stelle wird der missionarisch-apologetische Charakter der Erklärung deutlich. Der Artikel spiegelt die Überzeugung muslimischer Gelehrter wieder, dass es keine vernünftigen und nachvollziehbaren Gründe geben kann, um sich vom Islam als der vermeintlich (einzigen) reinen und unverfälschten Religion ab- und einem anderen Glauben zuzuwenden. Wer sich dennoch abwendet, kann aus dieser Perspektive entweder nur gezwungen und manipuliert worden sein (siehe Begründung des in nahezu allen islamisch geprägten Ländern geltende Missionsverbot für religiöse Minderheiten) oder böse bzw. feindliche Absichten verfolgen. Aus diesem Grund rechtfertigt die Mehrzahl der islamischen Gelehrtenwelt bis heute die Todesstrafe für denjenigen, der sich erkennbar vom Islam abwendet und damit aus ihrer Sicht das Fundament von Staat und Gesellschaft verrät. Dementsprechend steht auch das Recht auf Leben in Artikel 2a) der Kairoer Erklärung unter dem Vorbehalt der Scharia: "es ist verboten, einem anderen das Leben zu nehmen, außer wenn die Scharia es verlangt."

Was sind die Grenzen der Meinungs- und Informationsfreiheit?


Auch die islamisch definierte Einschränkung der Meinungs- und Informationsfreiheit gründet auf der Überzeugung, dass es keine legitime kritische Reflexion über die Quellen der islamischen Religion und das zeitlos und umfassend verstandene Vorbild ihres Propheten geben kann. Nach Artikel 22a) hat jeder Mensch daher nur insofern das Recht auf freie Meinungsäußerung, "soweit er damit nicht die Grundsätze der Scharia verletzt". Meinungsfreiheit als göttlich legitimiertes Recht nach Artikel 2b) dient daher vor allem dazu, "im Einklang mit den Normen der Scharia für das Recht einzutreten, das Gute zu verfechten und vor dem Unrecht und dem Bösen zu warnen." Dementsprechend darf auch Information nach Artikel 22c) nicht "dafür eingesetzt und missbraucht werden, die Heiligkeit und Würde der Propheten zu verletzen, die moralischen und ethischen Werte auszuhöhlen und die Gesellschaft zu entzweien, sie zu korrumpieren, ihr zu schaden oder ihren Glauben zu schwächen." Folglich steht auch die Kunst- und Wissenschaftsfreiheit unter Schariavorbehalt. Nach Artikel 16 der KEM hat jeder "das Recht, den Erfolg seiner wissenschaftlichen, literarischen, künstlerischen oder technischen Arbeit zu genießen und die sich daraus herleitenden moralischen und materiellen Interessen zu schützen, vorausgesetzt, daß die Werke nicht den Grundsätzen der Scharia widersprechen." Im deutlichen Kontrast zur KEM garantiert die AEMR in Artikel 27 II ausdrücklich, "Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten."

Wie stark das KEM-Verständnis der Meinungsfreiheit das politische und gesellschaftliche Leben islamisch geprägter Länder prägt, zeigen die zahlreichen Prozesse gegen einzelne Reformer, die ihre säkulare Staatsauffassung und damit einhergehend ihre Kritik am politischen Herrschaftsanspruch des Islam öffentlich verteidigten. Zu den bekannteren Beispielen zählt der Prozess gegen den ägyptischen Literaturwissenschaftler Nasr Hamid Abu Zaid, der eine historisch-kritische Auslegung des Korans gefordert hatte. Vor einem ägyptischen Gericht wurde 1995 der Anklage der Apostasie gegen ihn stattgegeben und seine Ehe in der Folge für ungültig erklärt. Abu Zaid floh mit seiner Frau ins holländische Exil und lehrte bis zu seinem Tod im Juli 2010 als Professor für Humanismus und Islam an der Universität von Utrecht. Aber auch auf der Bühne der internationalen Politik versuchen islamische Staaten eine den Vorgaben der Scharia gemäße Einschränkung der verschiedenen Kommunikationsfreiheiten durchzusetzen. Untersucht man beispielsweise ihre Stellungnahmen zu den vielerorts gewaltsamen Protesten gegen die dänischen Muhammad-Karikaturen, erscheinen weniger die militanten Islamisten als vielmehr die islamkritischen Journalisten und Karikaturisten als Bedrohung des Weltfriedens, da sie die vermeintlich von Gott gesetzten Grenzen ihrer Meinungs- und Kunstfreiheit überschreiten.

Rolle und Rechte der Frau


Zum Verhältnis der Geschlechter heißt es in Artikel 6a) der KEM, dass die Frau dem Mann an Würde gleich ist. Es heißt hier eben nicht, dass sie die gleichen Rechte hat. Vielmehr wird ergänzt, dass sie Rechte und auch Pflichten habe und Artikel 6b) stellt fest, dass der Ehemann für den Unterhalt und das Wohl der Familie verantwortlich ist. Die unklare Formulierung lässt durchaus Spielraum für die Umsetzung der koranischen Vorgaben, dass die Stimme der Frau vor Gericht nur halb so viel gilt wie die des Mannes, sie auch nur die Hälfte von dem erbt, was der Mann erbt und dass der Mann im Falle des wiederholten Ungehorsams seiner Frau das Recht zur körperlichen Züchtigung nach Surre 4,34 besitzt. Bezüglich des Rechts auf Heirat haben Männer und Frauen nach Artikel 5a) der KEM das Recht zu heiraten, und sie dürfen durch keinerlei Einschränkungen aufgrund der Rasse, Hautfarbe oder Nationalität davon abgehalten werden, dieses Recht in Anspruch zu nehmen. Hier fehlt das Verbot einer Einschränkung aufgrund der Religion, da es nach Auffassung muslimischer Gelehrter einer muslimischen Frau nicht erlaubt ist, einen nichtmuslimischen Mann zu heiraten, während ein muslimischer Mann durchaus eine nichtmuslimische Frau heiraten darf. Muslimische Apologeten sind jedoch stets bemüht darzulegen, dass solche Bestimmungen keine Diskriminierung der Frau darstellen, sondern der "göttlich bestimmten Ungleichheit zwischen Mann und Frau" gerecht werden. "Gleichheit vor Gott" oder "gleiche Würde" bedeutet daher "nicht notwendig Gleichheit vor dem Gesetz". Es geht in den Worten islamischer Apologeten eher um Geschlechtergerechtigkeit als um Geschlechtergleichheit.

Weitere Menschenrechtseinschränkungen und der generelle Schariavorbehalt


Indem Artikel 7b) das Erziehungsrecht der Eltern unter den Vorbehalt der Übereinstimmung "mit den ethischen Werten und Grundsätzen der Scharia" stellt, wird die Erziehung eines muslimischen Kindes durch einen Nichtmuslim praktisch ausgeschlossen. Auch weitere Rechte wie das auf körperliche Unversehrtheit stehen unter dem Vorbehalt der Scharia. Nach Artikel 2d) ist es daher verboten, "dieses Recht zu verletzen, außer wenn ein von der Scharia vorgeschriebener Grund vorliegt." Aus dieser Perspektive stellt beispielsweise die Amputation der Hand im Fall des Diebstahls (mit Verweis auf Sure 5,38) oder die Steinigung in bestimmten Fällen des Ehebruchs keinen unrechtmäßigen Eingriff in das Recht auf körperliche Unversehrtheit dar. Dasselbe Prinzip einer islamischen Relativierung der einzelnen Menschenrechtsgarantien der AEMR ließe sich auch an weiteren Menschenrechten verdeutlichen. Ganz unmissverständlich heißt es in der KEM abschließend, dass alle "Rechte und Freiheiten, die in dieser Erklärung genannt wurden, [...] der islamischen Scharia [unterstehen]. (Artikel 24) und die islamische Scharia "die einzig zuständige Quelle für die Auslegung oder Erklärung jedes einzelnen Artikels dieser Erklärung" ist (Artikel 25).

Die fehlende Trennung zwischen Staat und Religion


In diesem skizzenhaften Vergleich wird deutlich, dass das Kernproblem islamischer Menschenrechtserklärungen in der Überordnung der Scharia und der damit fehlenden Trennung zwischen Staat und Religion liegt. Eine konsequente Gleichberechtigung von Muslimen und Nichtmuslimen sowie Männern und Frauen ist damit ausgeschlossen, auch wenn das im Fall der KEM weniger aus dem Wortlaut als aus dem generellen Vorbehalt der Scharia sowie aus ihrem Schweigen zur vollen Rechtsgleichheit der Frau und zur negativen Religionsfreiheit geschlossen werden kann. Islamistische Vordenker verweisen in ihren Aufrufen zur Aufrichtung der Scharia stets auf das umfassend und zeitlos gültig verstandene Vorbild Muhammads als letztem Propheten. Während er in Mekka selber noch mit seiner Botschaft vom allmächtigen Schöpfer und Richtergott von seinen Stammesgenossen verfolgt wurde, wandelte er sich mit seinem Auszug nach Medina vom religiösen Prediger zum Gesetzgeber, Feldherr und Richter einer rasch wachsenden muslimischen Gemeinschaft. Die war fortan religiös definiert und was Muhammad an Gesetzen und Ordnungen erließ, galt ihm selbst und gilt vielen seiner Nachfolger bis heute als göttliche und damit nicht zu hinterfragende Offenbarung Gottes, die folglich über jedem menschlichen Gesetz stehen muss. Der Gehorsam gegenüber Muhammad wurde und wird vielerorts heute noch gleichgesetzt mit dem Gehorsam gegenüber Gott.

Die fehlende Einklagbarkeit aufgrund der Vieldeutigkeit der Begriffe


Ein weiteres Problem liegt in der Vieldeutigkeit der Formulierungen. Das gilt insbesondere für den Begriff der Scharia selbst. Der Begriff kommt im Koran selbst nur einmal vor, entwickelte sich jedoch im Laufe eines rechtswissenschaftlichen Diskurses vom 8. bis zum 10. Jahrhundert zum Synonym für Gottesrecht. In Verbindung mit der in zahlreichen Koranstellen erwähnten göttlichen Rechtleitung durch die alle Lebensbereiche umfassende islamische Botschaft versuchten die muslimischen Rechtgelehrten, nicht nur alle rituellen und ethischen, sondern auch sämtliche zum Teil erst nach Muhammad aufgekommen Fragen von Staat und Gesellschaft mit Rückgriff auf den Koran und die islamische Überlieferung über Muhammads Worte und Taten zu klären. So regelt die Scharia sowohl das ethische Verhalten des Menschen in Ehe, Familie und Gesellschaft und beinhaltet insofern mehr oder weniger eindeutige Vorschriften für das Ehe- und Erb-, Zeugen- und Straf-, Wirtschafts- und Stiftungsrecht. Auf der anderen Seite legt sie auch die genauen Abläufe der rituellen islamischen Pflichten, der so genannten Fünf Säulen, fest und schreibt beispielsweise den genauen Ablauf des täglichen rituellen Gebets vor. Nach Maurits Berger beschäftigt sie sich "gleichermaßen mit dem richtigen Verhalten im Badezimmer ebenso wie auf dem Schlachtfeld, auf dem Markt wie in der Moschee." Scharia bezeichnet heute insofern die Gesamtheit der göttlichen Gebote, wie sie muslimische Rechtsgelehrte - ggf. unter Verwendung des Analogieschlusses und per Rückgriff auf den historisch begründeten islamischen Konsens – aus dem Koran und der Überlieferung ableiten. Dagegen stellt sie aber eben keinen offiziell festgelegten Kanon eindeutig definierter Gesetze dar. Insbesondere mit Blick auf diese Interpretationsbedürftigkeit des islamischen Gesetzes lässt sich daher in den Worten Hans Zirkers resümieren, dass die KEM neben den allgemeinen moralischen Forderungen "keine realisierbaren Normen und gültige, einklagbare Rechtssätze" formuliert.

 

Das Beispiel Faraj Fodas (1945-1992)


Die Problematik der von den Islamisten geforderten Einheit von Staat und Religion lässt sich sehr gut am Beispiel des ägyptischen Intellektuellen Faraj Foda verdeutlichen. In ironischer Anspielung auf die jihadistische Schrift der ägyptischen Jihad-Gruppe mit dem Titel "Die vergessene Pflicht" tritt Foda in seinem Buch "Die vergessene Tatsache" für eine Trennung von Staat und Religion ein. Er widerspricht der islamistischen Argumentation, dass die sofortige Anwendung der Scharia eine "sofortige Gesundung der Gesellschaft und eine sofortige Lösung ihrer Probleme" zur Folge haben werde. Er möchte den "Beweis führen, dass das Wohl der Gesellschaft weder vom rechtschaffenen muslimischen Herrscher noch vom festen und ehrlichen Glauben der Muslime und ihrem richtigen Religionsverständnis noch von der Anwendung von Buchstabe und Geist der Scharia abhängt." Für ihn geht es vielmehr um ein Regulativsystem, "das den Machthaber im Falle von Fehlern oder unzulässigen Handlungen zur Rechenschaft zieht, das seine Absetzung bewirken kann, sofern er den Interessen der Gemeinschaft schadet." Letztlich sieht er die islamischen Gesellschaften vor die Entscheidung zwischen "Religions- und Zivilstaat" gestellt. Mit dieser klaren Forderung zog sich Foda nicht nur den Hass der radikalen Jihadisten zu, die ihn am 8. Juni 1992 vor seinem Haus erschossen. Auch die als moderat geltenden einflussreichen Scheichs der renommierten al-Azhar Universität und anderer islamischer Einrichtungen sahen in ihm einen gefährlichen "Feind des Islam". Im Gerichtsprozess gegen Fodas Mörder rechtfertigte der ägyptische Gelehrte Mahmud Muhammad Mazru'a als Gutachter der Verteidigung die Ermordung Fodas, da er ein Apostat gewesen sei und der dafür vorgesehenen Strafe zugeführt werden müsste.

Die Mörder taten demnach nur, was der Staat hätte tun sollen. In einem Buch zur Apostasie bekräftigt Mazru'a die unauflösliche Einheit von Religion, politischer Herrschaft und sozialer Ordnung im Islam. Daher ist für ihn bereits die Kritik an religiösen Gesetzen oder der Verstoß gegen einzelne Vorschriften strafwürdig, weil sie die gesamte Gemeinde der Gläubigen verunsicherten. Eine Unterdrückung der unbedingt notwendigen kritischen Auseinandersetzung mit dem politischen Erbe des Islam macht eine nachhaltige Verbesserung der Menschenrechtslage in islamischen Ländern unmöglich. Umso Besorgnis erregender sind die zuletzt äußerst erfolgreichen Versuche der OIC, im UNO-Menschenrechtsrat die offene Diskussion von Menschenrechtsverletzung im Namen der Scharia mit dem Vorwurf der unzulässigen Diffamierung von Religionen zu unterbinden. Dies würde im Endeffekt bedeuten, dass nicht mehr Individuen (zum Beispiel vor dem Eingriff ihre Glaubens-, Meinungs- oder Wissenschaftsfreiheit) geschützt würden, sondern bestimmte Religionen und Ideologien auf Kosten des Individuums.

Der Kairoer Ansatz ist freilich auch unter muslimischen Denkern nicht unumstritten. Wie die verschiedenen Reformansätze aussehen, welchen Einfluss sie innerhalb der islamischen Welt gewonnen haben und welche Chancen auf eine echte Annäherung islamischer Menschenrechtsvorstellungen an die Moderne zu erkennen sind, ist Thema des folgenden Beitrags:


[Ist eine Annäherung des Islam und seiner Menschenrechtserklärungen an die Moderne möglich? …]

von Carsten Polanz
Vortrag zum IGFM-Seminar "20 Jahren Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam"
am 11. September 2010 in Frankfurt am Main

 

 

 

 

 

 

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