Kein Zentralrat der Ex-Muslime mehr in Österreich

Zentralrat der Ex-Muslime - 07 November 2011 - Von Cahit Kaya

Meine Zeit als bekennender Ex-Muslim war eine Zeit der Erkenntnisse. Mehr noch war es eine Zeit der Identitätsfindung. Ex-Muslim zu sein ist wohl die radikalste Art zu sagen, man hat die Schnauze gestrichen voll von religiöser und traditioneller Bevormundung aus dem "muslimischen Kulturkreis". Dementsprechend ist auch die Wucht der Abgrenzung nicht zu überlesen, zu überhören, die voller Verzweiflung und Wut darüber den Weg in eine breite Öffentlichkeit geschafft hat. Es war die einzige Chance sich von den Ketten der geistigen Versklavung zu befreien.Und diese Chance wurde genutzt.

Am Anfang war also diese Erkenntnis. Das Bekenntnis ein Ex-Muslim zu sein. Nicht Teil dieses Konstruktes zu sein, in welches man hinein geboren wurde. Einfach kein Muslim (mehr) zu sein. Alleine nach ethnischen und religiösen Kriterien der Vorfahren kategorisiert, mit durchaus rassistischen Zügen in sich, besteht dieser Zwang sich dazu bekennen zu müssen, oder den Mund zu halten. In den meisten Fällen ist das ein stilles Übereinkommen. In manchen Fällen wird diese Pflicht mit Ehre begründet gewaltsam erzwungen. Dazu konnte ich mich nicht bekennen – wie immer mehr andere Menschen es auch nicht (mehr) konnten. Den Mund halten konnte ich auch nicht mehr. Zu lange hat das Schweigen angedauert. Umso lauter war dann die Befreiung. Umso gleichgültiger den Drohungen gegenüber, sich nicht laut dazu zu äußern, kein Muslim (mehr) "mit alles" sein zu wollen. Kein Respekt mehr vor jenen, die in ihrem engstirnigen Traditionalismus mit Hang zum Aberglauben versuchten Menschen wie uns davon abzubringen. Man konnte uns nicht zum Schweigen bringen. Also mussten sie uns zähneknirschend akzeptieren. Die Zeit der Angst muss zu Ende gehen. Diese Zeit ist zu Ende.

So ist die logische Konsequenz nach dieser ersten Erkenntnis, nach dem finden seiner eigenen Identität diese auch zu manifestieren. Nicht um ein altes Dogma durch ein Neues zu ersetzen. Sondern als Leitfaden für alle anderen, die ebenfalls aus der hinein geborenen Tradition und Religion entkommen wollen. Für all jene die es satt haben nur zu schweigen und zu erdulden, was kein Mensch erdulden kann, wenn er nach Gewissensfreiheit strebt, die den Ursprung jeder Freiheit stiftet. So wird ab 2012 der Zentralrat der Ex-Muslime Österreich seine Anti-Haltung dem Islam gegenüber aufgeben und sich mehr für etwas bekennen. Nämlich den humanistischen Prinzipien.

Deswegen wird es den Zentralrat der Ex-Muslime Österreichs nicht mehr geben, denn dieser war immer nur eine Anti-Bewegung. Die neue Bewegung der Ex-Muslime (ohne Zentralrat) wird als lose Bewegung eine weitläufige Vernetzung mit allen Menschen mit gleichen Zielen anstreben und zum Botschafter des humanistischen Gedankens werden. Endlich sind wir zu dem geworden was wir immer schon waren. Und endlich ohne uns immer nur über den Islam zu definieren.

Ab 2012 sind wir neu da. Bis dahin sind wir auch in der säkular humanistischen Fernsehsendung "Es werde Licht" regelmäßig auf Sendung.
Diese Domain bleibt aber. Die alten Beiträge für (noch wütende) Sinnsuchende ebenfalls. Aber alles wird hier neu.

 

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