Mahmoud Abbas' "Kultur des Friedens"

Gatestone Institute - 15 Mai 2017 - Von Bassam Tawil, Wissenschaftler und Journalist
Mahmoud Abbas' "Kultur des Friedens"

Der Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) Mahmoud Abbas könnte schon bald für seinen Humor berühmt werden. Wie viele Palästinenser scheint Abbas zu glauben, dass die Menschen im Westen seine Lügen einfach so schlucken, ohne nachzufragen. So liess er zum Ende seines Treffens mit US-Präsident Donald Trump am 3. Mai folgende faustdicke Lüge vom Stapel: "Wir ziehen unsere Jugend, unsere Kinder, unsere Enkelkinder in einer Kultur des Friedens gross."

Von Bassam TawilOriginaltext: Palestinians: Abbas's "Culture of Peace"

Abbas machte keine weiteren Angaben zu dieser "Kultur des Friedens", in der die palästinensischen Kinder angeblich aufwachsen. Es machte sich auch niemand die Mühe, Abbas oder jemanden aus seiner Entourage nach Beispielen für diese "Friedenskultur" in der palästinensischen Gesellschaft zu fragen. Und doch zögerten die grossen westlichen Medienkanäle nicht, Abbas' eindeutige Lüge zu publizieren.

 

 

Offenbar ist Mahmoud Abbas, ganz wie sein Vorgänger Yasser Arafat, davon überzeugt, dass die Palästinenser "jeden zu jeder Zeit" hinsichtlich ihrer wahren Ziele und Absichten zum Narren halten können. Arafat erzählte den Präsidenten George W. Bush und Bill Clinton eine Lüge, als er sagte, er und die Palästinensische Autonomiebehörde würden den Frieden und das Zusammenleben mit Israel unterstützen. Unter Arafat wurde die anti-israelische Hetze in den palästinensischen Medien, Schulen und Moscheen immer intensiver und veranlasste die Palästinenser schliesslich im September 2000 dazu, die Zweite Intifada zu beginnen. Diese Intifada war das Ergebnis einer siebenjährigen Phase bösartiger Aufhetzung und Indoktrinierung, die auf die Gründung der PA folgte. In einer wahrhaft ironischen Wendung der Ereignisse verschaffte das 1993 zwischen Israel und der PLO geschlossene Osloer Abkommen den Palästinensern Medienkanäle, einschliesslich Fernseh- und Radiosendern, die dann genutzt wurden, um tagtäglich den Hass gegen Israel und die Juden zu schüren.

Als der damalige israelische Premierminister Ariel Sharon im September 2000 den Tempelberg besuchte, nutzte Arafat diese Medienkanäle, um seinem Volk zu verkünden, Israel plane die Zerstörung der Al-Aqsa-Moschee. Und genau diese Hetzkampagne war dann der Auslöser für die Zweite Intifada, bei der die Palästinenser eine massive und skrupellose Serie von Selbstmordattentaten und Schiessereien aus vorbeifahrenden Fahrzeugen starteten, bei denen Hunderte von Israelis zu Tode kamen.

Unter Arafat herrschte alles andere als eine "Kultur des Friedens". Seine Botschaft an die Palästinenser war: "Wir werden nach Jerusalem marschieren und auf diesem Weg werden wir Millionen von Märtyrern opfern!"

Im Gegensatz zu den vielen Israelis, die aufgrund der Hetze Arafats von Palästinensern ermordet wurden, ist der berühmte Kampfruf Arafats immer noch quicklebendig. Aktuell ist er bei Kundgebungen und Demonstrationen im Westjordanland und dem Gazastreifen aus den Kehlen vieler Palästinenser, einschliesslich Kindern, zu hören. Dieser Aufruf zum Kampf fordert palästinensische Jugendliche ganz offen dazu auf, "nach Jerusalem zu marschieren" und "Märtyrer" zu werden.

Nur eine Woche vor Abbas' Treffen mit Trump rief die Fatah-Fraktion der PA die Palästinenser dazu auf, auf die Strassen zu gehen und gegen israelische Soldaten und jüdische Siedler zu kämpfen. Der Aufruf erfolgte aus "Solidarität" mit palästinensischen Häftlingen, die in israelischen Gefängnissen in "Hungerstreik" getreten waren. Bei dem Hungerstreik ging es nicht um die Umstände in den israelischen Gefängnissen, die dafür bekannt sind, dass sie zu den komfortabelsten der Welt zählen; vielmehr war der Hungerstreik ein politischer Schachzug, bei dem es darum ging, welcher Terrorist die Nachfolge Abbas antreten wird. Denn die Gefängnisinsassen sind Terroristen und die meisten von ihnen tragen Blut an ihren Händen; je mehr Blut, desto grösser ihr Ansehen.

Im Kampf um die palästinensische Führung zählt es tatsächlich mehr, wenn man "Absolvent" eines israelischen Gefängnisses ist, als wenn man einen Abschluss an der Universität von Texas in Austin hat. Der ehemalige Premierminister der Palästinenser, Salam Fayyad, ein Wirtschaftswissenschaftler und Reformer, der im Westen hohes Ansehen geniesst, erhielt nur 2 % der palästinensischen Stimmen.

Indem sie zum Kampf gegen Israelis aufruft, stiftet die Fatah palästinensische Jugendliche an, gewalttätige Anschläge auf israelische Soldaten und Siedler zu verüben. Dies ist dieselbe von Abbas geführte Fatah und derselbe Abbas, der vollmundige Lügen über eine "Kultur des Friedens" verbreitet. Indem sie sich mit verurteilten Mördern solidarisiert und sie als Vorbilder und Helden für die Palästinenser rühmt, drängt Abbas' Fatah die palästinensische Jugend, ihnen nachzufolgen und ebenfalls Gewalt sprechen zu lassen.

Einen Tag nach dem Treffen zwischen Abbas und Trump nahm der derzeitige Premierminister der Palästinensischen Autonomiebehörde Rami Hamdallah an einer Kundgebung in Ramallah teil, um seine Solidarität zu den im Hungerstreik stehenden Terroristen zu bekunden. Bei der Kundgebung bekräftigte Hamdallah die volle Unterstützung der Palästinensischen Autonomiebehörde für die Terroristen. Er sagte, er tue alles dafür, die internationale Gemeinschaft auf ihren Fall aufmerksam zu machen.

Ganz wie Arafat benutzt auch Abbas weiterhin angebliche, in der Realität jedoch nicht existierende, Bedrohungen gegen die Al-Aqsa-Moschee, um palästinensische Jugendliche gegen Israel aufzuhetzen. In den letzten 50 Jahren war es Nicht-Muslimen, einschliesslich Juden, erlaubt, den Tempelberg als Touristen zu besuchen. Als im Jahr 2000 die Zweite Intifada begann, wurden diese Besuche ausgesetzt. Seit die Touristenbesuche jedoch vor einigen Jahren wieder erlaubt wurden, versuchen die Moslems, die Juden von dem heiligen Ort fernzuhalten. Die Moslems behaupten, die Juden versuchten die Al-Aqsa-Moschee (auf dem Tempelberg) zu "zerstören" und zu "schänden" – eine falsche Behauptung, die man der langen Liste der von Abbas und vielen anderen Muslimen verbreiteten Lügen und Blutbeschuldigungen getrost hinzufügen kann. Abbas' Aussage erfolgte jedoch nicht etwa als Reaktion auf etwaige Vorfälle an der Al-Aqsa-Moschee, wie Abbas und andere Palästinenser behaupteten: Die jüdischen Besichtigungstouren auf den Tempelberg finden laufend und friedlich statt.

Im September 2015 verkündete Abbas, er "begrüsse jeden einzelnen Tropfen Blut, der in Jerusalem vergossen wird." Kurz nach dieser Aussage begannen die Palästinenser mit der Ausführung einer Serie von Messer- und Auto-Ramm-Attacken gegen Israelis – gewalttätige Unruhen, die später als die "Messer-Intifada" bekannt wurden. "Wir werden Jerusalem beschützen und wir werden ihnen [den Juden] nicht erlauben, die Al-Aqsa (-Moschee) und die Heilige Grabeskirche mit ihren schmutzigen Füssen zu entweihen", proklamierte Abbas hinterlistig.

Nach wie vor ist unklar, warum er entschied, die Kirche in die Kontroverse um die Besuche von Juden auf dem Tempelberg miteinzubeziehen. Was jedoch klar ist, ist die Tatsache, dass Abbas log: Juden haben weder die Kirche noch die Al-Aqsa-Moschee betreten.

Seit Abbas' hetzerischer Bemerkung sind jedoch Dutzende palästinensische Jugendliche seinem Aufruf gefolgt und haben sich über den ersten Juden, der ihnen über den Weg lief, mit Messern oder Sonstigem hergemacht. Das Blut dieser Menschen klebt an Abbas' Händen. Er ist derjenige, der die jungen Palästinenser ausgesandt hat, die Al-Aqsa-Moschee gegen die fiktiven jüdischen "Invasoren" zu "beschützen". Er ist derjenige, der weiterhin die Falschbehauptung verbreitet, dass "Horden von Siedlern die Al-Aqsa-Moschee stürmen" – während es in der Realität lediglich Besichtigungsbesuche von Juden auf dem Tempelberg sind. Es sind jedoch diese Unwahrheiten Abbas', aufgrund derer seine Medien bis heute fälschlicherweise berichten, "jüdische Invasoren und Siedler stürmen" die heiligen Stätten des Islams und des Christentums in Jerusalem. Sie sind einzig und allein die Ursache für die Messerangriffe und Auto-Ramm-Attacken gegen Israelis.

Das ist offensichtlich die "Kultur des Friedens", auf die sich Abbas bezieht. Wie kann er eine dermassen schamlose Lüge in die Welt setzen, wenn seine Medien und führenden Vertreter weiterhin Israel Tag für Tag delegitimieren und Juden dämonisieren? Wie genau fördert Abbas den Frieden, wenn seine Palästinensische Autonomiebehörde Schulen und öffentliche Plätze nach palästinensischen Terroristen benennt, an deren Händen jüdisches Blut klebt? Anfang des Jahres benannte beispielsweise Abbas' Fatah ein Jugendlager in Jericho nach Dalal al-Mughrabi, einer Terroristin, die im Jahr 1978 38 Zivilisten, darunter 13 Kinder, ermordete und 70 weitere verletzte.

Indem Abbas die Mörder von Juden ehrt, fördert er eine Kultur des Hasses und der Gewalt. Seine Botschaft an die palästinensische Jugend ist eindeutig: Je mehr Juden ihr tötet, desto mehr Ehre und Respekt wird euch von eurem Volk entgegengebracht.

Abbas spricht von einer "Kultur des Friedens", während er und seine Palästinensische Autonomiebehörde gleichzeitig gegen jede "Normalisierung" der Beziehungen zu Israel kämpfen. Die Anti-Normalisierungs-Kampagne hat in Ramallah und anderen palästinensischen Städten jeden Palästinenser zum Ziel, der es wagt, sich mit Juden zu treffen (selbst mit "pro-palästinensischen" Juden). Sie erfolgt ausschliesslich unter Federführung der regierenden Palästinensischen Autonomiebehörde. Diese Kampagne fördert ausserdem Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen (BDS) gegen Israel. Deren Ziel ist es, Palästinenser, die sich für Frieden und Zusammenleben mit Israel einsetzen, einzuschüchtern und alle Geschäfte mit Juden zu verbieten. Kann ein Palästinenser überhaupt Juden zu einem Treffen in Ramallah einladen, ohne von den "Anti-Normalisierungs"-Schergen – von denen viele Mitglieder von Abbas' Fatah sind – ins Visier genommen zu werden?

Vielleicht nennt Abbas – und viele seiner führenden Vertreter tun dies ebenfalls mit schöner Regelmässigkeit – aufgrund seiner "Kultur des Friedens" Israel einen Apartheid- und Rassistenstaat. Oder vielleicht bedeutet für ihn der Ausdruck "Kultur des Friedens", alle Juden als "Besatzer" und "Kolonisten" zu bezeichnen – oder palästinensische Kinder, die mit israelischen Kindern Fussball spielen, zu denunzieren und zu bedrohen. Oder Schulen und Wahllisten nach verurteilten Mördern zu benennen? Dies alles scheinen sehr fragwürdige Methoden zu sein, um sich einer "Kultur des Friedens" anzunähern.

Die anti-israelische Hetze und Indoktrinierung unter Abbas ist ein Geschäft, das exponentiell gewachsen ist. Tatsächlich ist es mittlerweile an einem Punkt angelangt, an dem eine neue Generation mit der Glorifizierung von Dschihadisten aufgewachsen ist; eine Generation, die begierig darauf ist, noch mehr jüdisches Blut zu vergiessen. Wenn das Abbas' "Kultur des Friedens" ist, dann stellt man sich die Frage: Was wäre für ihn eine Kultur des Krieges?

Bassam Tawil lebt als Wissenschaftler und Journalist im Nahen Osten.

 

 

 

 

 

 

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