Marco Pino: Offener Brief an Steven Geyer "Islamkritik ist notwendig!"

10 Januar 2012
Marco Pino: Offener Brief an Steven Geyer "Islamkritik ist notwendig!"

Citizen Times 10 Januar 2012
Frank-Furter Schnauze von Marco Pino

Sehr geehrter Herr Steven Geyer,

in der vergangenen Woche haben Sie in einer Artikelserie in den DuMont-Medien erneut zum Frontalangriff gegen die islamkritische Szene Deutschlands ausgeholt. Im Mittelpunkt Ihrer Berichterstattung stand die Internetseite "Politically Incorrect" (PI) und einer der wichtigsten Autoren dieser Seite, Michael Stürzenberger. Insbesondere kritisieren Sie dessen "Thesenpapier gegen die Islamisierung", erkennen hierin einen extremistischen Ansatz und verweisen auf Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München wegen Volksverhetzung, gleichwohl auf Aktivitäten des Verfassungsschutzes gegen PI und vergleichbare Internetseiten.

Wie Sie wissen, war auch ich lange Zeit PI-Autor und habe diese Tätigkeit im Obktober letzten Jahres eingestellt. Seitdem schreibe ich als Kolumnist für die Internetseite "CitizenTimes" (http://www.citizentimes.eu/). Wie Sie ferner wissen, war ich Mitglied der Partei DIE FREIHEIT und bin im Dezember letzten Jahres ausgetreten.

Ein wesentlicher Grund für meinen Rückzug als PI-Autor und meinen Austritt aus der Partei DIE FREIHEIT war ebenjenes "Thesenpapier gegen die Islamisierung" von Michael Stürzenberger. Ich habe das Thesenpapier mehrfach und sehr ausführlich kritisiert (siehe dazu meinen "Offenen Brief an Michael Stürzenberger" sowie weitere Publikationen auf CitizenTimes). Ich teile also in diesem konkreten Punkt Ihre Kritik und sehe in der im Thesenpapier dokumentierten Haltung einen fatalen Irrweg.

Gerade deswegen wundere ich mich jedoch über Ihre völlig einseitige, nicht wahrheitsgemäße Berichterstattung, die in meinen Augen bereits den Vorwurf der pauschalen Hetze gegen eine ganze Bevölkerungsgruppe rechtfertigt. Der Eindruck entsteht, dass Sie die Seite PI und insbesondere den Autor Michael Stürzenberger exemplarisch heranziehen, um ein ganzes Meinungsspektrum zu kriminialisieren. Diese Form der Berichterstattung ist nicht weniger kritisierungswürdig, als das besagte Thesenpapier von Michael Stürzenberger.

Die Wahrheit ist: es gibt schon innerhalb der Leser- und Autorenschaft von PI, sowie in der islamkritischen Szene darüber hinaus, ein breites Meinungsspektrum. Und nicht nur ich, sondern auch viele andere Personen innerhalb dieses Meinungsspektrums haben Michael Stürzenberger für die besagte Publikation kritisiert (ersichtlich z.B. auch an den zahlreichen Austritten, die die Partei DIE FREIHEIT jüngst zu beklagen hatte).

Freilich ist so manches an PI kritisierungswürdig, insbesondere die häufig praktizierte zu pauschale, indifferenzierte Darstellung der Muslime. Tatsächlich stehen Sie dem jedoch in nichts nach, wenn Sie ebenso pauschal und indifferenziert über die Islamkritik berichten. Damit zeichnen Sie ein Zerrbild, das mit der Realität nur noch wenig bis gar nichts mehr zu tun hat.

Ich fordere Sie daher auf, diese Form der Berichterstattung zu unterlassen und zukünftig zwischen verschiedenen Autoren und ihren unterschiedlichen Sichtweisen zu differenzieren!

Zudem erlaube ich mir noch folgende Anmerkungen: Ihr offensichtlicher Versuch, die Islamkritik mit einseitiger Berichterstattung und verbaler Brandmarkung (z.B. Begriffen wie "Islamhasser", etc) als politischen Extremismus darzustellen und mundtot zu machen, ist eine in höchstem Maße gefährliche Vorgehensweise, die langfristig sogar das friedliche Zusammenleben der Menschen in Deutschland gefährden könnte. Der islamische Kulturkreis – das steht außer Frage! – hat bis heute keinen flächendeckenden Prozess ähnlich der im Westen erfolgten Aufklärung erfahren. Auch unter hier lebenden Muslimen sind streng-religiöse, orthodoxe und fundamentalistische Sichtweisen viel weiter verbreitet, als unter Christen und Angehörigen anderer Religionen und Kulturkreise.

Islamkritik ist schon deswegen notwendig und leistet einen wichtigen Beitrag zur Integration. Es ist höchst bedauerlich, dass die deutschen Medien, insbesondere politisch-links orientierte Medien wie die DuMont-Gruppe, dieser wichtigen Verantwortung nicht oder nur kaum nachkommen. Besonders merkwürdig ist dies angesichts der Tatsache, dass Religionskritik jahrzehntelang eine Domäne der Linken war, die damit einen wichtigen Beitrag zur weltbildlichen Aufklärung unserer Gesellschaft leisteten (insbesondere mit Blick auf die Gleichberechtigung der Frau). In Bezug auf den Islam jedoch scheint die politische Linke mit wenigen Ausnahmen (z.B. Alice Schwarzer, Thilo Sarrazin) moralisch völlig überfordert zu sein, da sie gefangen ist in ihrem selbstkonstruierten Automatismus, Kritik an irgendetwas Fremdem augenblicklich als Fremdenfeindlichkeit (und damit pauschal als "rechts") wahrzunehmen. Die Folge ist eine verhängnisvolle Form der politischen Blindheit, aus der eine fatale Hypertoleranz entspringt, die selbst vor freiheitsfeindlichen, ultrareligiösen und politisch totalitären Strömungen die Augen verschließt, kaum dass sie im Gewande des "Fremden" daher kommen.

Dokumentiert ist genau das auf bisweilen skurille Art und Weise auch und vor allem in Ihren Medien, wo nebst Politikern der vom Verfassungsschutz beobachteten Partei "Die Linke" häufig auch Repräsentanten muslimischer Organisationen, von denen ebenfalls viele mit gutem Grund vom Verfassungsschutz beobachtet werden, ohne Kritik und Widerrede zu Wort kommen. Schon von daher erscheint Ihre Berichterstattung über PI, insbesondere der überzeichnete Vorwurf verfassungsfeindlicher Bestrebungen, mehr als unglaubwürdig, wenn nicht gar lächerlich.

Ich würde mir für die Zukunft wünschen, dass man sich auf PI, gleichwohl aber auch im Kreise linker Mainstreammedien wie dem Ihren, im Ton mäßigt, um endlich die dringend notwendige, sachliche und längst überfällige Debatte darüber zu führen, in wie fern und warum der Islam der Integration vieler Muslime in die deutsche Gesellschaft im Wege steht. Dass das so ist, hat nicht zu guter letzt der SPD-Politiker Thilo Sarrazin in seinem Buch "Deutschland schafft sich ab" bewiesen. Das war allerdings auch keine neue, revolutionäre Erkenntnis, entsprach sie doch fraglos der Lebenserfahrung vieler Menschen in diesem Land, vor allem der jüngeren. Schon deswegen hat eine kritische bis ablehnende Haltung gegenüber dem Islam in den allermeisten Fällen keinen rechtsextremen, fremdenfeindlichen oder gar rassistischen Hintegrund, sondern ist vielmehr eine natürliche Reaktion auf die für jedermann offensichtlichen Integrationsprobleme, die es hierzulande in nennenswerter Anzahl nur und ausschließlich mit Muslimen gibt.

Mit Blick auf den berühmtesten Satz unseres (Noch-)Bundespräsidenten sage ich Ihnen daher: der Islam gehört so lange nicht zu Deutschland, so lange die Mehrzahl seiner hier lebenden Anhänger, gleichwohl aber auch die Mehrheit der Deutschen (und insbesondere der deutschen Linken!) nicht im Stande sind, Islamkritik genauso selbstverständlich und umfangreich zu üben, wie Kritik am Christentum, am Atheismus, oder an sonstigen weltbildlichen Anschauungen.

Mit freundlichen Grüßen,

Marco Pino
(ehemaliger PI-Autor "Frank Furter")

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