Mauretanien schlägt Proteste nieder

Süddeutsche.de - 26 April 2011

Nouakchott - Nach wochenlangen Protesten geht jetzt auch die Regierung im westafrikanischen Mauretanien gewaltsam gegen Demonstranten vor. Mit Tränengas und Schlagstöcken trieben Sicherheitskräfte am Montag Hunderte Menschen auseinander, die sich zu einem 'Tag des Zorns' versammelt hatten. Die Demonstranten hatten in der Hauptstadt Nouakchott ihren Unmut über die Regierung des verarmten Wüstenstaates auf die Straße getragen und stundenlang einen zentralen Platz sowie die Hauptstraße blockiert.

Ermutigt durch die Volksaufstände in Ägypten und Tunesien forderten sie in Sprechchören und auf Transparenten den Rücktritt von Präsident Mohammed Ould Abdelaziz. 'Die Mauretanier haben genug von diesem Regime, und es ist an der Zeit, dass wir das laut und klar sagen', sagte Scheich Ould Jiddou, ein Anführer der Proteste, der Nachrichtenagentur Reuters. Etwa 20 Menschen wurden nach Angaben von Augenzeugen festgenommen, oppositionelle Parlamentsabgeordnete daran gehindert, sich den Protesten anzuschließen.

Abdelaziz hatte sich 2008 an die Macht geputscht und 2009 eine Wahl gewonnen. Seine wichtigsten Gegner bei der Präsidentenwahl beschuldigten Abdelaziz, er habe seinen Sieg durch Wahlbetrug errungen. Sein Führungszirkel steht zudem unter Korruptionsverdacht. Nach der Wahl hatte sich das Land zwar weitgehend stabilisiert. Die Kluft zwischen reicher arabischer Elite und verarmter afrikanischer Bevölkerung blieb aber groß. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen beträgt lediglich 960 Dollar pro Jahr (...)

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