Menschenhandel - Sklaverei im Islam existiert weiter

24 November 2008
Menschenhandel - Sklaverei im Islam existiert weiter

13th Century Slave Market in present day Yemen

VIDEO - ARTE Dokumentation Teil 1 bis 5

Die Geschichte der Sklaverei und der Verschiffung von Sklaven aus Schwarzafrika nach Amerika sind Gegenstand zahlreicher Studien.

Aber auch heute gibt es weiterhin organisierte Formen der Sklaven- haltung und des Menschenhandels.

Es ist kaum zu glauben, aber weil sie die ganze, ungekürzte und umfassende Geschichte der Sklaverei aufrollen und erzählen wollten, wurden französische Historiker vor kurzem an den Pranger gestellt. Doch die Fakten lassen sich nicht einfach von der Hand weisen und wegdiskutieren. Tatsächlich war der innerafrikanische Handel mit Menschen mindestens ebenso verbreitet wie der von den Europäern organisierte Sklavenhandel von Afrika in überseeische Kolonien.


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Hintergrund: Sklaverei im Islam existiert weiter: Orientalischer Sklavenhandel / Sklaverei im islamischen Recht / Knabenlese im Osmanischen Reich / Ostafrikanischer Sklavenhandel / ...

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Jahrhunderte lang wurden Sklaven aus Schwarzafrika in den Orient verkauft. Die Sklaverei ist eine zähe Tradition, die sich beispielsweise in Mauretanien bis heute gehalten hat.

Der Themenabend will die grausame Tatsache des Sklavenhandels, den die Europäer nach Amerika organisierten, nicht relativieren. Aber er will auch andere, "tabuisierte" Formen des Menschenhandels und der Sklaverei benennen.

Neben einer Dokumentation über die Jahrtausende alte Tradition der Sklaverei in Mauretanien ist ein Beitrag über den noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts betriebenen innerafrikanischen Menschenhandel zu sehen.

Teil 1: Die letzten Sklaven Dokumentation von Sophie Jeaneau und Anna Kwak ARTE France, Frankreich 2008, 45 Min.

Die Islamische Republik Mauretanien, im August 2007: Der neue Präsident der Republik, Sidi Mohamed Ould Cheikh Abdallahi, verabschiedet ein Gesetz, das Sklaverei unter Strafe stellt. Bereits zum vierten Mal wird in Mauretanien offiziell die Haltung von Sklaven "abgeschafft". Daraus lässt sich im Umkehrschluss folgern, dass die Sklaverei in diesem Land der Sahelzone zwischen Maghreb und Schwarzafrika bis vor knapp einem Jahr noch toleriert wurde.

In Mauretanien gehört die Sklaverei zum System. Eine Jahrtausende alte Tradition will, dass jeder Mensch hier als "Herr" oder "Sklave" zur Welt kommt. Weder Gesetz noch Staat konnten diesen Brauch bisher unterbinden. Die Sklaven gehören zu Haus und Gut ihres Herrn. Sie erledigen die niedrigen Arbeiten, während ihre «Herren» Schöngeister, Geschäftsleute, Beamte und Intellektuelle sind.

Auf diesem althergebrachten System baut die gesamte mauretanische Gesellschaft auf, sowohl in der "maurischen", Arabisch sprechenden als auch in der schwarzafrikanischen Gemeinschaft. Um einen Aufstand der Sklaven zu vermeiden, werden diese von ihren Sklavenhaltern mit religiösen Argumenten eingeschüchtert: Wer fliehe, komme in die Hölle.

Biram, Boubacar, Aminetou, Mohammed Lémine und Messaoud stammen aus beiden Lagern, Sklaven und «Herren». Sie haben jetzt den Mut aufgebracht, sich dem System zu verweigern. Ihr Ziel besteht darin, das Land von der Geißel der Sklaverei zu befreien. Auf ihnen ruht die Hoffnung, dass in Mauretanien die Sklaverei bald tatsächlich der Vergangenheit angehört.

Teil 2: Sklaven für den Orient Dokumentation von Antoine Vitkine ARTE France, Frankreich 2008, 45 Min.

Jeder weiß Bescheid über den von den Europäern organisierten Sklavenhandel von Afrika nach Amerika und über die elf Millionen Afrikaner, die unter schlimmsten Bedingungen wie Vieh auf Sklavenschiffen verfrachtet wurden. Dieser Menschenhandel ist heute Gegenstand einer aktiven Vergangenheitsbewältigung.

Weniger bekannt ist jedoch der Verkauf von Sklaven aus Schwarzafrika in den Orient und in die arabisch-muslimische Welt. Schätzungen zufolge wurden im Laufe von 14 Jahrhunderten insgesamt 17 Millionen Afrikaner als Sklaven in muslimische Länder verkauft.

Außerdem befasst sich die Dokumentation mit dem der Öffentlichkeit noch weniger bekannten innerafrikanischen Menschenhandel, den afrikanische Königreiche Jahrhunderte lang betrieben - lange bevor die Europäer die afrikanischen Küsten für sich entdeckten.

Ferner veranschaulicht die Dokumentation durch bisher unveröffentlichte Fotos, dass der Sklavenhandel in der muslimischen Welt und Schwarzafrika bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts weiterblühte. Wie wurden die Sklaven gefangen genommen? Welche Arbeiten mussten sie verrichten?

Diese und andere Fragen beantworten die Experten Salah Trabelsi, Ibrahima Thioub, Henri Medard und Mohamed Ennaji. Die arabischen und afrikanischen Historiker erläutern, warum die Geschichte des Sklavenhandels in der afrikanischen und muslimischen wie in der westlichen Welt ein heikles Thema ist und bleibt.

Dahinter stehen diverse Ängste: Angst davor, den Sklavenhandel nach Amerika zu banalisieren, Rachegedanken zu schüren und des Rassismus oder der Kolonisierung beschuldigt zu werden - alles Gründe, die einer Vergangenheitsbewältigung heute noch im Wege stehen.


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Siehe auch Wikipedia:

* Sklaverei in Sudan * Sklaverei in Mauretanien * Sklaverei in Westafrika * Ostafrikanischer Sklavenhandel * Sklavenhandel * Abschaffung des Sklavenhandels


Literatur * Dean King: Weiße Sklaven, Die wahre Geschichte von einem Schiffbruch in der Sahara, bei Marebuchverlag, ISBN 3-9 36384-43-6 * Robert C. Davis: Christian slaves, Muslim masters. White slavery in the Mediterranean, the Barbary Coast, and Italy, 1500 - 1800. Basingstoke [u.a.] 2003. * Humphrey J. Fisher: Slavery in the history of muslim black Africa. London 2001. * Th. W. Juynboll: in: E. J. Brill's First Encyclopaedia Of Islam 1913–1936, Leiden 1987, Bd. 1, Stichwort: 'Abd * Bernard Lewis: Wirtschaftsgeschichte des vorderen Orients in islamischer Zeit, Teil 1. Leiden 1977. * Paul E. Lovejoy: Slavery on the frontiers of Islam. Princeton, NJ 2004. * Ronald Segal: Islam's Black slaves. The other Black diaspora. New York, NY 2001.

* Alexandre Popovic et al.: Revolt of African Slaves in Iraq. Markus Wiener Publishers, 1999. ISBN 1558761624

* Ronald Segal: Islam's Black slaves. The other Black diaspora. New York, NY 2001.

1. http://www.wsws.org/de/2006/feb2006/sril-f28.shtml

2. BBC News: The Story of Africa: The East African Slave Trade (englisch)


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