Mohammed-Karikaturen "Globaler Kampf für freie Meinungsäußerung"

SPIEGEL ONLINE‎ - 12 Februar 2008 - Von Das Interview führte Anna Reimann

Die Ermordung eines Zeichners der Mohammed-Cartoons wurde heute in Dänemark knapp verhindert

SPIEGEL ONLINE sprach mit Flemming Rose, der die Karikaturen als Feuilletonchef der Zeitung "Jyllands-Posten" verantwortete - und ebenfalls bedroht ist.

SPIEGEL ONLINE: Herr Rose, heute wurden in Århus drei Männer festgenommen, die im Verdacht stehen, einen Mordanschlag auf den Mohammed-Karikaturen-Zeichner Kurt Westergaard geplant zu haben. Überrascht es sie, dass zweieinhalb Jahre nach der Veröffentlichung der Cartoons in ihrer Zeitung "Jyllands-Posten" noch immer Menschen in Lebensgefahr sind?

Rose: Für mich war das nicht überraschend - leider. Ich habe bereits eine ganze Weile von der Drohung gewusst. Schon im vergangenen Jahr waren drei junge Männer verurteilt worden, die in Dänemark Terroranschläge geplant haben sollen. Unter anderem hatten sie es auf die Redaktion von "Jyllands Posten" abgesehen. Und in ihrer ersten Planungsphase hatten sie offenbar auch erwogen, mich zu ermorden. Diese Bedrohung ist Teil einer neuen Realität, die nicht nur Dänemark betrifft. Es geht hier um einen globalen Kampf für freie Meinungsäußerung: Dieser findet jeden Tag statt.

SPIEGEL ONLINE: Wie meinen Sie das?

Rose: In verschiedenen Teilen der Welt wollen Menschen diejenigen einschüchtern und zum Schweigen bringen, die sich kritisch über Religion, autoritäre Regimes und Bewegungen äußern, die Meinungsfreiheit zu untergraben versuchen. Wir müssen ganz deutlich machen, dass sich die Menschen, die für das Recht auf freie Meinungsäußerung eintreten, weltweit zusammentun müssen, um alle Gesetze loszuwerden, die dieses Recht einschränken - Blasphemiegesetze, Gesetze zum Schutz von Diktatoren, Gummiparagraphen, die nur dazu dienen, kritische Menschen zum Schweigen zu bringen.

SPIEGEL ONLINE: Mehrere dänische Zeitungen haben heute angekündigt, die umstrittenen Mohammed-Karikaturen aus Solidarität mit der "Jyllands-Posten" nachdrucken zu wollen. Was hat sich in der dänischen Gesellschaft seit der Veröffentlichung der Zeichnungen im Jahr 2005 verändert?

Rose: Der Fall ist längst nicht abgeschlossen, die Debatte um Meinungsfreiheit geht in Dänemark immer noch weiter. Einige Autoren und andere öffentliche Personen, die mir und "Jyllands-Posten" gegenüber kritisch eingestellt waren, beharren noch immer auf der Ansicht, dass es bei der Krise um die Mohammed-Karikaturen nicht um das Recht auf freie Meinungsäußerung ging. Es gibt tatsächlich noch immer Menschen, die sich der Realität verweigern. Aber die Situation in Dänemark hat sich während der vergangenen zwei Jahre definitiv verändert. Grundsätzlich glaube ich, dass die Zeit auf unserer Seite ist (...)


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