Neuer ai-Bericht: Weiter Steinigungen in Iran

www2.amnesty.de - 29 Januar 2008

In Iran ist „Ehebruch“ ein Straftatbestand auf den der Tod durch Steinigung steht. „Steinigungen sind besonders grausam,“ sagte Ruth Jüttner, ai-Expertin für den Nahen Osten. Bei der Steinigung werden Männer bis zur Hüfte und Frauen bis unter die Brust eingegraben. Dann werden sie öffentlich – also unter den Augen von Richter, Zeugen und Schaulustigen solange mit Steinen beworfen, bis sie tot sind.

Die Steine, die für diese Art der Hinrichtung gewählt werden, dürfen nicht zu groß und nicht zu klein sein. „Die Absicht ist klar: Der Tod durch Steinigung soll langsam und qualvoll eintreten,“ so Jüttner weiter.

Meistens sind es Frauen, die auf diese Weise hingerichtet werden. „Das liegt daran, dass Frauen in vieler Hinsicht diskriminiert sind,“ weiß die ai-Nahostexpertin. Es beginnt damit, dass im Iran schon die Durchsetzung einer Scheidung für eine Frau schwierig ist.

Steinigungen gehen oft schon unfaire Gerichtsverfahren voraus. Vor Gericht gilt die Aussage einer Frau nur halb soviel wie die eines Mannes. Zeugenaussagen einer Frau zählen nur dann, wenn sie von mindestens zwei Männern bestätigt werden. Als Beweismittel können die „Erkenntnisse“ des Richters ausreichen. Hinzu kommt, dass vielen Frauen schlicht das Geld für einen Anwalt fehlt. Besonders schwierig ist es für Angehörige ethnischer Minderheiten. Sie verstehen die Gerichtssprache Persisch oft nicht, viele können nicht lesen und schreiben.

Obwohl der Iran 2002 zugesichert hat, keine Menschen mehr zu steinigen, hat es seitdem mehrfach Hinrichtungen dieser Art gegeben. Der Iran zählt zu den sechs Staaten der Welt, die 2006 die meisten Hinrichtungen vollstreckt haben.

amnesty international lehnt die Todesstrafe grundsätzlich ab. Die Organisation fordert die iranische Regierung auf

* alle noch anstehenden Steinigungen auszusetzen * „einvernehmliche außereheliche sexuelle Beziehungen“ nicht länger unter Strafe zu stellen * auf die Abschaffung der Todesstrafe hinzuarbeiten

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