Spanien: Kebab-Imbisse finanzieren globalen Dschihad

02 April 2014
Spanien: Kebab-Imbisse finanzieren globalen Dschihad

Gatestone Institut, Von Soeren Kern Übersetzt von Norbert Grau

Mindestens 2.000 europäische Dschihadisten – viele aus Spanien – sind in der Hoffnung nach Syrien gereist, das Assad-Regime durch einen islamischen Staat unter Schariagesetz zu ersetzen.

"Es ist ganz eindeutig, dass Spanien einen Teil der strategischen Ziele des globalen Dschihad darstellt. Wir sind nicht die Einzigen, aber sie haben uns im Visier." – Jorge Fernández Díaz, spanischer Innenminister.

In Spanien und Marokko hat die Polizei ein Dschihadisten-Netzwerk enttarnt, das im Verdacht steht, islamische Radikale in Europa zu rekrutieren und sie in die "Brutstätten des Unfriedens" in Syrien und andere Konfliktzonen zu entsenden.

Die spanischen Behörden gaben an, die in Südspanien angesiedelte Zelle sei eine der größten ihrer Art in Europa und für die Rekrutierung von mehr Dschihadisten verantwortlich als irgendein anderes bisher in Spanien enttarntes Netzwerk.

Der Zugriff – bei dem sieben mutmaßliche Dschihadisten verhaftet wurden – erfolgte am 14. März, nur drei Tage nach Spaniens Gedenken an den 10. Jahrestag des Bombenattentats auf Personenzüge in Madrid 2004, bei dem 191 Menschen getötet und fast 2.000 verletzt wurden.

Die neuesten Verhaftungen zeigen, so die Behörden, dass Spanien in den Bestrebungen der globalen Dschihad-Bewegung, deren erklärtes Ziel die Errichtung eines weltweiten Kalifats ist, eine zentrale Rolle einnimmt.

Vier der Verdächtigen wurden in Spanien, die anderen drei in Marokko festgenommen. Von den in Spanien verhafteten Verdächtigen, wurde einer in der südspanischen Stadt Malaga festgesetzt, die anderen drei in Melilla, einer spanischen Enklave in Nordafrika. Die drei in Marokko Verhafteten waren erst kürzlich aus dem Krieg in Syrien zurückgekehrt.

Der mutmaßliche Anführer der Zelle ist ein an den Rollstuhl gefesselter spanischer Islam-Konvertit namens Mustafa Maya Amaya. Maya, 51, wurde in Brüssel geboren, nachdem seine Eltern in den 1960er Jahren als Gastarbeiter aus Spanien nach Belgien emigriert waren. Nachdem er konvertiert hatte, änderte er seinen Namen von Rafael zu Mustafa.

Maya heiratete später eine Frau aus Marokko, wo er bis Dezember 2012 lebte, bis er von der marokkanischen Polizei verhaftet wurde: Wegen konspirativer Machenschaften mit dem Ziel, die marokkanische Monarchie zu stürzen und eine islamische Regierung zu etablieren.

Nachdem er aus dem Gefängnis in Marokko geflohen war, nahm Maya Zuflucht über die Grenze nach Melilla und erhielt dort nach Einbürgerung die spanische Staatsbürgerschaft. Bei den spanischen Anti-Terror-Behörden ist Maya bekannt dafür, einen extremistischen Islam zu propagieren – so hatte er der Zeitung Diario Sur aus Malaga gegenüber gesagt, er unterstütze, wie die Taliban die Frauen in Afghanistan behandelten – bis jetzt war er aber nicht direkt mit terroristischen Aktivitäten in Verbindung gebracht worden.

Die Ermittler gaben an, dass Maya – der enge Verbindungen zu Dschihadisten-Zellen in Belgien, Frankreich, Indonesien, Libyen, Mali, Marokko, Tunesien, der Türkei und Syrien unterhalte – verdächtigt werde, Dutzende freiwillige Dschihadisten im Internet rekrutiert und nach sorgfältigem Auswahlverfahren an terroristische Organisationen im Mittleren Osten und Nordafrika weitervermittelt zu haben.

Gruppen, die von Mayas Rekrutierungsdiensten profitiert haben sind unter anderem "Islamischer Staat Irak und Levante" (ISIL, eine Al-Qaida-Splittergruppe, die im Irak und in Syrien aktiv ist, "Al-Qaida im islamischen Maghreb" (AQIM), eine sunnitische Dschihadistengruppe, deren Ziel die Errichtung einer islamischen Regierung in Nordafrika und Teilen Spaniens ist, und die Al-Nusra-Front, ein Al-Qaida-Zweig in Libanon und Syrien, wo sie gegen das Regime des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad kämpfen.

Die spanische Polizei nahm auch Chafik Jalel Ben Amara Elmedjeri fest, einen tunesischen Migranten, der zuvor schon im Februar 2006 wegen der Rekrutierung von Dschihadisten für den Krieg gegen die US-Truppen im Irak verhaftet worden war.

Elmedjeri, ein Spezialist für Urkundenfälschung, ist auch dafür bekannt, einen der besten Kebab-Imbisse in Malaga zu führen. Terrorismusexperten sehen darin den Hinweis auf ein weiteres Problem: Viele der Zigtausenden Kebab- und Shawarma-Imbisse in Spanien und anderen Teilen Europas nutzen möglicherweise ihre Einnahmen, um aktiv den globalen Dschihad in Syrien und anderswo zu finanzieren.

Die anderen beiden in Spanien verhafteten Islamisten sind Paul Cadic und Farik Cheikh, französische Dschihadisten, die kurz vor ihrer Abreise nach Syrien standen.

Die spanischen Sicherheitsbehörden warnen davor, dass kampferprobte islamistische Kämpfer, die aus Syrien nach Spanien zurückkehren und von Al-Quaida-inspirierten Gruppen beeinflusst werden, eine erhebliche Gefahr für die nationale Sicherheit darstellen.

Mindestens 2.000 europäische Dschihadisten – viele aus Spanien – sind in der Hoffnung nach Syrien gereist, das Assad Regime durch einen islamischen Staat unter Schariagesetz zu ersetzen.

Obwohl keine genauen Zahlen vorliegen, geben Geheimdienstquellen, zitiert von der Tageszeitung El Mundo in Madrid, an, dass etwa 30 Dschihadisten pro Monat über Marokko und die Türkei nach Syrien reisen. In vielen Fällen reisen die Dschihadisten mit ihren Frauen und Kindern.

Andere Geheimdienstquellen, die von der Online-Zeitung El Confidencial interviewt wurden glauben, dass derzeit mehr als 250 spanische Dschihadisten in Syrien kämpfen, und dass etwa 100 von ihnen durch die jetzt neutralisierte Zelle rekrutiert worden sind.

"Es war eine sehr große Operation, die eine international agierende Zelle entlarvt hat – zweifellos eine der größten und aktivsten in Spanien und aktuell eine der größten und aktivsten Zellen in Europa," sagte der spanische Innenminister Jorge Fernández Díaz auf einer Pressekonferenz am 14. März in Madrid.

Fernández Díaz gab an, dass seit den Zug-Attentaten im März 2004 insgesamt 472 mutmaßliche Islamisten in Spanien verhaftet wurden und fügte hinzu, dass Spanien ein wichtiges Ziel von Dschihadisten weltweit bleibe, die oft den Begriff "Al-Andalus" als Decknamen für die Iberische Halbinsel benutzten.

Al-Andalus ist der arabische Name für jene Teile Spaniens, Portugals und Frankreichs, die von muslimischen Eroberern von 711 bis 1492 besetzt waren. Viele Muslime glauben – aufgrund der islamischen Doktrin, die besagt, dass alle Territorien, die irgendwann von Muslimen besetzt waren, für immer unter muslimischer Herrschaft bleiben müssen – dass Spanien ihnen weiterhin gehöre und dass sie jedes Recht haben, nach Spanien zurückzukehren und es unter islamische Herrschaft zu stellen.

"Es ist ganz eindeutig, dass Spanien Teil der strategischen Ziele des globalen Dschihad darstellt," sagte Fernández Díaz der Presse. "Wir sind nicht die Einzigen, aber sie haben uns im Visier."

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