Türkei: Schwein des Anstoßes - Schweinezüchtern werden Betriebe geschlossen

Chilli - 29 Oktober 2007

In der Türkei wird es zusehends schwieriger, an Schweinefleisch heran zu kommen. Im Islam gilt das Schwein als moralisch verwerfliches Wesen. Schweinezüchter haben es unter islamischer AKP schwer. (...) Das geht sogar soweit, dass in der Türkei die Ausstrahlung der Kinder-Zeichentrick-Serie „Winnie Puuh“ verboten wurde, in der einer der besten Freunde des Bären Winnie Puuh ein kleines Ferkel ist.

EU als Vorwand

Diese religiös motivierte Ablehnung des Schweins wird nun den wenigen Schweinezüchtern in der Türkei zum Verhängnis. Seitdem das laizistische Land von der islamischen „Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung“ (AKP) und ihrem Premier Recep Tayyip Erdogan regiert wird, ist es für Fans von Schweinefleisch zusehends schwieriger, an ihr geliebtes Nahrungsmittel zukommen. Schweinezüchtern werden die Betriebe geschlossen, Schlachtungen per Gesetz verboten. Schweine zu züchten oder zu verkaufen wird untersagt. Obwohl all dies in der Türkei, wo streng zwischen Staat und Religion getrennt wird, legal wäre. Um dennoch die Verbreitung einzudämmen, nutzen Regierungsbeamte die strengen Auflagen der Europäischen Union als Vorwand.

Das Schwein im Islam

Offizielle Statistiken besagen, dass 92,6 Prozent der türkischen Bevölkerung Muslime sind. Es gibt jedoch keine Statistiken darüber, wie viele tatsächlich so streng gläubig sind, dass sie auf den Verzehr von Schweinefleisch verzichten. Aber warum ist es Islam so verpönt, sich eine Schweinshaxe schmecken zu lassen? Der Koran schreibt es so vor: „Verboten ist euch das von selbst Verendete sowie Blut und Schweinefleisch und das, worüber ein anderer Name angerufen ward als Allahs; das Erdrosselte; das zu Tode Geschlagene“. Dem liegt der Glauben zu Grunde, dass man ist, was man isst – und Einfluss auf das Moralverhalten hat. Das Schwein gilt im strenggläubigen Islam allgemein als schamloser Allesfresser, das dazu neigt, einem ausschweifenden Sexualleben zu frönen und das Fleisch seiner Artgenossen zu essen.

AKP-Ideologie

Ihsan Hitays Betrieb war ein florierendes Unternehmen – bis sich der Provinzgouverneur gegen ihn stellte. Zuerst sollte seine Schweinezucht nur einer Kontrolle unterzogen werden. Dann wurde sie jedoch geschlossen. Der Beamte, der seinen Hof inspizierte, verwies auf die strengen Auflagen des EU-Rechts. Ihsan Hitay – überzeugter Kemalist – ist sich jedoch sicher, dass die Schließung andere Gründe hat. Er vermutet die Ideologie der regierenden AKP dahinter. „Sie will ihre islamistisches Klientel bedienen, und die will eben keine Schweine in der Türkei“, meint der Landwirt in einem Interview mit dem deutschen TV-Sender ARD. Seine Vermutung scheint nicht ganz ungerechtfertigt. Sowohl Rinder- als auch Schafhöfen wurde eine dreijährige Frist eingeräumt, um die Hygienestandards anzupassen. Schweinzüchter müssen hingegen schon nach eine Jahr die Richtlinien erfüllen.

Kein Schnitzel im Urlaub

Aber nicht nur die Züchter sind betroffen: Die ganze Infrastruktur, Schlachtung, Handel und Vertrieb sind beeinträchtigt. Und dabei suchen die Provinzregierungen nach immer neuen Möglichkeiten, um dieser Zunft das Leben schwer zu machen. Denn obwohl Ihsan Hitays vor Gericht ging und den Prozess gewonnen hatte, kam das unweigerliche Ende für seinen Hof...


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