Unterdrückung der Frau - Das Dilemma mit dem Koran

Kölner Stadt-Anzeiger - 12 Juni 2008 - Von ASTRID WIRTZ

Viele Muslima leben mit ihrer Religion im Konflikt. Die Quelle der Unterdrückung ist meistens die patriarchalische Tradition. Muslimsche Frauenrechtlerinnen aus aller Welt diskutieren derzeit in Köln über Konfliklösungen.

KÖLN - Viele Muslima weltweit leiden an ihrer Religion. Nicht nur an dem Image eines scheinbar reformunfähigen und rückständigen Islam, sondern konkret an einer gesellschaftlichen Realität, die es ihnen oft nicht erlaubt, auf Augenhöhe mit den Männern zu leben, die Männern die Deutungshoheit über ihre Moral und ihr Verhalten einräumt. Vom Sudan bis Pakistan, von Teilen der Türkei bis hinein in das immer stärker ethnisch gemischte Europa. Das zu ändern, haben sich seit einigen Jahren muslimische Denkerinnen aus aller Welt zur Aufgabe gesetzt, gläubige Frauen, die Muslima bleiben, aber den Islam jenseits westlicher Vorbilder von innen heraus reformieren wollen - im Kontext der heiligen Schriften. Denn nur so, das machten die meisten Frauen auf einer internationalen Tagung der Friedrich-Ebert-Stiftung zum Thema „Frauenmacht im Islam“ in Köln klar, seien auch soziale Verbesserungen für Frauen erreichbar.

„Die Menschen glauben zutiefst, deshalb müssen wir mit den alten Texten ringen“, sagt Alia Hogben vom kanadischen Muslimrat. Der säkulare Staat, also die Trennung von Staat und Religion, sei zwar die beste Lösung für eine Verbesserung der Stellung der Frau, wie eine Sudanesin meinte, aber doch für viele traditionelle muslimische Gesellschaften noch „zu früh“. So eine andere Teilnehmerin aus Asien. Deshalb sei es nötig, dass Frauen den Koran endlich selber auslegten. Dafür sollten diese nicht länger auf die Erlaubnis der Männer warten, unterstrich die Islambeauftragte der SPD, Lale Akgün. Die muslimischen Intellektuellen hätten das Feld zu (...)

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