Vergewaltigungen ohne Opfer

GEOLITICO - 27 Februar 2017
Vergewaltigungen ohne Opfer

Zwei Autorinnen wollen vergewaltigte Frauen nicht mehr Opfer nennen. Vielmehr sei die Tat ein „Erlebnis“. Über eine unsinnige Idee, Sprache zu „verbessern“.

Stellen wir uns einmal vor, ein Polizeibericht über einen gewalttätigen Überfall würde künftig so formuliert werden: „Am 23.2.2017 hatte ein älteres Ehepaar in Neuhausen-Hamberg im baden-württembergischen Enzkreis ein verstörendes Erlebnis. Früh morgens um 04:00 Uhr drangen drei nicht geladene Besucher in das Haus der Eheleute ein und weckten sie in ihrem Schlafzimmer auf. Es ergab sich eine letztendlich heftige Diskussion bezüglich der Aufbewahrung von Geld und Wertgegenständen im Haus, in der auch Gewalt im Spiel war. Zum Abschluss ihres Aufenthalts fesselten die Besucher die beiden Erlebenden und verließen dann das Haus unter Mitnahme von Goldschmuck, Edelmetallen und Edelsteinen. Das besondere Erlebnis der Eheleute wurde durch Kontaktaufnahme mit der Polizei und einem ärztlichen Betreuer schließlich beendet.“

Den Wortlaut des eigentlichen Polizeiberichts über den gewalttätigen Raub im Enzkreis kann man im Presseportal nachlesen.[1] Sind solche Formulierungen über ein Verbrechen abstrus? Nicht, wenn man einen Artikel der beiden Autorinnen Mithu Sanyal und Marie Albrecht mit dem Titel „Du Opfer!“ in der „taz“ gelesen hat.[2]

 

„Klassische Binaritäten aufbrechen“

In der alltäglichen Umgangssprache bezeichnen wir jene Menschen als Opfer, die durch bestimmte Ereignisse zu Schaden kommen bzw. auch ihr Leben verlieren. Dabei müssen nicht immer andere Menschen die Ursache sein, auch eine Schneelawine in den Alpen kann ihre Opfer haben. Doch schon zu Anfang erläutern die beiden Autorinnen dem geneigten Leser, dass der Begriff „Opfer“ Menschen als wehrlos darstelle und sogar als Beleidigung gelte. Der Begriff „Erlebende“ dagegen sei aktiv und ändere die Perspektive:

„Denn ,Opfer’ ist keineswegs ein wertfreier Begriff, sondern bringt eine ganze Busladung von Vorstellungen mit. Wie die, dass Opfer wehrlos, passiv und ausgeliefert sind – und zwar komplett. Bloß sind Menschen, denen etwas angetan wurde, ja immer noch sie selbst. Vielleicht haben sie sich in der Situation ausgeliefert gefühlt, vielleicht haben sie sich auch erfolgreich gewehrt, vielleicht … Doch macht ein Begriff wie Opfer alle gleichsam zu … Opfern eben. (…).
Indem wir Menschen als Opfer bezeichnen, stecken wir sie in eine Schublade und werfen den Schlüssel weg. Egal, was wir eigentlich meinen.“

Mit dem Blick vor allem auf Vergewaltigungsopfer argumentieren die Autorinnen, dass mit dem gängigen Begriff immer nur ein passives Verhalten der Betroffenen unterstellt wird. Und nachdem andere Begriffe wie „Überlebende“, „Geschädigte“ oder „Betroffene“ verworfen wurden, wird nun ein neuer Begriff für Opfer kreiert:

„Da das Substantiv ,Opfer’ aus dem Verb ,opfern’ gebildet wurde, ist es nur naheliegend, aus dem Verb „erleben“ das Substantiv „Erlebende“ zu bilden. Denn das Einzige, was Menschen, die sexualisierte Gewalt erlebt haben, teilen, ist ja eben dieses Erlebnis.
So wie vorher der Begriff „Überlebende“, nimmt „Erlebende“ eine Verschiebung vom Passiven zum Aktiven vor, allerdings ohne die damit einhergehende Wertung. Schließlich wird Erlebnis erst durch ein beigefügtes Adjektiv (wunderbares Erlebnis, grauenhaftes Erlebnis, langweiliges Erlebnis) näher bestimmt und lässt sogar Raum für Ambivalenzen (ein schreckliches, aber auch banales Erlebnis). Durch die Substantivierung „Erlebende sexualisierter Gewalt“ kann somit jede*r selbst bestimmen, wie er*sie das Erlebte bewertet. Gleichzeitig findet ein Perspektivwechsel statt: Die Formulierung lädt ein, über die Wahrnehmung der erlebenden Person nachzudenken, und nicht, was ein anderer Mensch mit dieser Person macht.
Außerdem trifft das Wort „Erlebende“ noch keine Aussagen über Motivationen und Rollenverteilungen. Klassische Binaritäten wie aktiv/passiv werden aufgebrochen.“

 

Beschreibung von Verbrechen entschärfen

Mit dem Begriff „Erlebende“, der nun nach Meinung der beiden Autorinnen durch Aufnahme in den Duden für die Opfer von Vergewaltigungsverbrechen benutzt werden sollte, sei eine höchstmögliche Wertungsfreiheit gewährleistet. Der besondere Fokus der Autorinnen liegt auf dem Tatbestand der Vergewaltigung, aber im Grunde gilt das von ihnen Gesagte für alle Opfer von Verbrechen, auch für Verbrechen, die an Männern begangen werden.

Welch seltsames Gedankenspiel betreiben die Verfasserinnen hier? Und hoffentlich wird das keine Vorlage für amtliche Sprachverbesserer, um eventuell die Beschreibung von Verbrechen z. B. in den Polizeiberichten weiter zu entschärfen, indem man jetzt auch noch die Verbrechensbetroffenen von „Opfern“ zu „Erlebenden“ umbenennt.

Schon die Autorinnen merken an, dass der Begriff „Erleben“ sehr verschiedene Arten von Erlebnissen beschreiben kann: wunderbare, grauenhafte, langweilige. Das ist absolut richtig. Und eben hier hätte man beim Schreiben stutzig werden können. Man kann nämlich die Reihe der Attribute uferlos fortsetzen: eintönig, ermüdend, stumpfsinnig glücklich, eindrucksvoll, aufregend, dramatisch, verletzend, traumatisch, tödlich usw. Der Begriff „Erlebnis“ (und ebenso ein daraus abgeleitetes Wort „Erlebende“) ist ein neutraler Begriff für alle nicht-alltäglichen Vorkommnisse im Leben eines Menschen. 

 

Es gibt keine „Täter“ mehr

Eine weitgehende Verschleierung der Herkunft von Tätern ist in unserer Medienlandschaft und in den Polizeiberichten schon durchgesetzt worden. Wer das Wort „Opfer“ durch „Erlebende“ ersetzen will, würde – im Falle einer Umsetzung dieser Idee – jetzt auch noch den gewalttätigen Charakter eines Verbrechens verschleiern, da mit der Entfernung des Begriffs „Opfer“ auch der Begriff „Täter“ keine Funktion mehr hätte. Es gäbe fortan nur noch „Erlebende“, auf die eine oder andere Weise.

Fazit: Immer wenn man zu der Meinung gekommen ist, dass aus der Ecke der Sprachreiniger nichts Unsinniges mehr kommen kann, weil eigentlich schon alles Unsinnige gesagt wurde, wird man eines Besseren belehrt.

 

Anmerkungen

[1] http://www.presseportal.de/blaulicht/pm/110972/3568941

[2] https://www.taz.de/Beschreibung-sexualisierter-Gewalt/!5379541/

 

 

 

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