Verursachten christliche Fundis ebenso viele Opfer wie islamische?

Berlin/Wetzlar. Mit einem ungewöhnlichen Vergleich der Toten durch islamisch-extremistisch motivierte Terrorakte mit Opferzahlen von Gewalttaten des christlichen Fundamentalismus ist der Präsident der Evangelischen Akademie zu Berlin, Robert Leicht, auf evangelikalen Widerspruch gestoßen.

Der Publizist der Wochenzeitung „Die Zeit“, der von 1997 bis 2003 auch dem Rat der EKD angehörte, schrieb am 17. September in einem Kommentar zum sogenannten Konvertitenregister in der Tageszeitung „Tagesspiegel“ (Berlin):

„Zählt man etwa die Attentate und Gewaltakte, die in den USA aus christlich deklarierter Motivation in den letzten ein, zwei Jahrzehnten verübt worden sind (nicht nur gegen Abtreibungskliniken und –ärzte), so kann man durchaus zu dem Ergebnis kommen, dass dieser religiöse Terrorismus es in der Summe mit dem 9/11-Anschlag aufnehmen kann.“

Bei den von El Kaida gesteuerten Attentaten vom 11. September 2001 waren in New York und Washington annähernd 3.000 Menschen ums Leben gekommen. Der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, der Direktor des Evangeliums-Rundfunks Jürgen Werth (Wetzlar), bezeichnete jetzt gegenüber idea Leichts Behauptung als sachlich wie theologisch falsch.

Die Zahl der Toten durch psychisch gestörte, angeblich christliche Fundamentalisten, die gegen Abtreibungskliniken vorgegangen sind, sei nicht höher als insgesamt acht.

Dem Internet-Lexikon Wikipedia zufolge habe es sieben Todesopfer bei Angriffen auf Abtreibungskliniken in den USA gegeben, wobei der letzte Fall fast zehn Jahre zurückliege (1998). Der einzige weitere Fall sei in Australien vorgekommen. Dagegen gehe die Zahl der Opfer durch islamistischen Terror in die Tausende.

Vergleich ist diskriminierend

Entscheidend sei aber, dass sich Moslems bei Gewaltanwendung auf den Koran berufen könnten, während Christen der Feindesliebe verpflichtet seien und ihren Glauben nicht militant verbreiten dürften. Wer Gewalt gegen Andersdenkende verübe, könne sich nie auf den Herrn der Kirche, Jesus Christus, berufen. Daher sei Leichts Vergleich äußerst diskriminierend. Er solle sich nach Kenntnis der Faktenlage entschuldigen, weil der Vergleich das Klima unter den Christen in Deutschland und zwischen Öffentlichkeit und Evangelikalen vergifte, so Werth.

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