Was wäre wenn: Fünfzig Jahre nach dem Sechstage-Krieg

DanielPipes.org - 09 Juni 2017
Was wäre wenn: Fünfzig Jahre nach dem Sechstage-Krieg Das Symbol des Sieges: Mosche Dayan (mit der Augenklappe) an der Westmauer in Jerusalem.

Israels militärischer Triumph über drei Feindstaaten im Juni 1967 ist der herausragendste erfolgreiche Krieg der gesamten aufgezeichneten Geschichte. Der Sechstage-Krieg war für den Nahen Osten außerdem zutiefst folgenreich, denn er schrieb die Dauerhaftigkeit des jüdischen Staates fest, versetzte dem panarabischen Nationalismus einen Todesstoß und verschlimmerte ironischerweise Israels Ansehehn in der Welt – wegen der Besetzung der Westbank und Jerusalems.

 

Konzentrieren wir uns auf den letzten Punkt: Wie konnte sich ein spektakulärer Erfolg auf dem Schlachtfeld in Probleme verwandeln, die Israel noch heute drangsalieren? Weil es die Israelis in eine ungewollte Rolle steckte, der sie nicht entkommen können.

Erstens beschuldigen israelische Linke und Gutmenschen fälschlicherweise Israels Regierung, sie würde sich nicht ausreichend bemühen die Westbank zu verlassen, als ob stärkere Bemühungen einen echten Friedenspartner hätten finden können. Dabei ignorieren die Kritiker die Verweigerungshaltung, die Einstellung alles Zionistische abzulehnen, die die palästinensische Politik seit einem Jahrhundert beherrscht hat.

Ihre Gründungsgestalt, Amin al-Husseini, kollaborierte mit Hitler und spielte sogar eine Schlüsselrolle in der Formulierung der Endlösung; zu den jüngsten Erscheinungsformen gehören die Bewegungen "Antinormalisierung" und Boykott, De-Investitionen und Sanktionen (BDS). Die Verweigerungshaltung macht israelische Zugeständnisse sinnlos, sogar kontraproduktiv, denn die Palästinenser reagieren darauf nur mit mehr Feindseligkeit und Gewalt.

Zweitens sieht sich Israel einem Problem aus Geografie und Demografie in der Westbank gegenüber. Während seine Strategen das Hochland kontrollieren, seine Nationalisten Städte bauen und seine Religiösen jüdische heilige Stätten besitzen wollen, fordert Israels fortgesetzte endgültige Herrschaft über die Bevölkerung der Westbank – 1,7 Millionen zumeist feindselige, Arabisch sprechende, muslimische Palästinenser – einen immensen Tribut, sowohl innenpolitisch als auch international. Verschiedene Vorhaben das Land zu behalten und ein Feindvolk unschädlich zu machen – indem man sie integriert, sie besticht, sie spaltet, sie verdrängt oder einen anderen Herrscher für sie findet – sind allesamt gescheitert.

 

 

Nach der Einigung vergrößerten die Israelis den Umfang Jerusalems (das schraffierte Gebiet) enorm.

 

Drittens unternahmen die Israelis 1967 drei einseitige Schritte in Jerusalem, die Zeitbomben der Zukunft schufen: Sie dehnten die Stadtgrenzen enorm aus, annektierten die Stadt und boten den neuen arabischen Einwohnern die israelische Staatsbürgerschaft an. Zusammen führte dies zu einem langfristigen demografischen und Wohnungs-Wettbewerb, den die Palästinenser dabei sind zu gewinnen, was den jüdischen Charakter der historischen Hauptstadt der Juden gefährdet. Schlimmer noch: 300.000 Araber könnten sich jederzeit entscheiden die israelische Staatsbürgerschaft anzunehmen.

Diese Probleme werfen die Frage auf: Hätte die israelische Führung 1967 die aktuellen Probleme vorausgesehen, was hätte man in der Westbank und Jerusalem vielleicht anders gemacht? Sie hätten Folgendes tun können:

  • Sie hätten dem Kampf gegen die Verweigerung die höchste Priorität geben können, durch unablässige Zensur eines jeden Aspekts des Lebens in der Westbank und Jerusalem, schwere Strafen für Aufwiegelung und intensive Bemühungen eine positivere Haltung gegenüber Israel zu inspirieren.

  • Die jordanischen Obrigkeiten, die seit 1949 über die Westbank herrschten, wieder einladen können, um die internen Angelegenheiten des Gebiets (aber nicht in Jerusalem) zu leiten, was den israelischen Verteidigungskräften nur die Last des Schutzes der Grenzen und der jüdischen Bevölkerung überlassen hätte.

  • Die Grenzen Jerusalems hätten nur auf die Altstadt und unbewohnte Bereiche ausgedehnt werden können.

  • Die gesamten Auswirkungen des Baus jüdischer Städte in der Westbank hätten bi szu Ende durchdacht werden können.

Und was können die Israelis heute tun? Das Thema Jerusalem ist relativ einfach, da die meisten arabischen Einwohner die israelische Staatsbürgerschaft noch nicht eingelöst haben; also könnte Israels Regierung diesen Prozess immer noch aufhalten, indem sie den Umfang Jerusalems auf die Grenzen von 1967 reduziert und das Angebot der israelischen Staatsbürgerschaft an alle Einwohner der Stadt beendet. Das könnte zwar zu Unruhe führen, aber das strenge Durchgreifen gegen illegale Baustellen ist unumgänglich.


Die illegalen Gebäude im "Flüchtlingslager" Schuafat, das innerhalb der Grenzen Jerusalems von 1967 liegt.

In Hinsicht auf die Westbank ist das schwieriger. Solange die palästinensische Verweigerunghaltung vorherrscht, steckt Israel in der Beaufsichtigung einer äußerst feindseligen Bevölkerung fest, deren endgültige Kontrolle es nicht aufzugeben wagt. Diese Situation schafft eine bösartige, erregte Debatte unter den Israelis (erinnern Sie sich an Rabins Ermordung) und schädigt das internationale Ansehen des Staates (denken sie an die Resolution 2334 des UNO-Sicherheitsrats).

 

Aber zu den "Auschwitz-Linien" von 1949 zurückzukehren und 400.000 israelische Einwohner der Westbank der liebevollen Gnade der Palästinenser zu überlassen, ist offensichtlich keine Lösung.

 

Stattdessen muss Israel der palästinensischen Verweigerung entgegentreten, was bedeutet die Palästinenser überzeugen zu müssen, dass Israel ein dauerhafter Staat ist, dass der Traum es zu eliminieren aussichtslos ist und dass sie ihre Oper vergebens bringen. Israel kann diese Ziele erreichen, wenn es sich einen Sieg zum Ziel setzt, indem es den Palästinensern zeigt, dass fortgesetzte Verweigerung ihnen nur Unterdrückung und Fehlschläge bringt. Die US-Regierung kann helfen, indem sie dem Weg zu einem israelischen Sieg grünes Licht gibt.

 

Nur über einen Sieg lässt sich der erstaunliche Triumph dieser sechs Tage von 1967 in deine dauerhafte Lösung der Akzeptanz der Permanenz des jüdischen Staates umsetzen.

 

Ergänzung vom 5. Juni 2017:
Persönlich habe ich drei Erinnerungen an den Sechstage-Krieg, den ich im Alter von 17 Jahren in Cambridge (Massachusetts) erlebte.

 

Erstens sah ich am 5. Juni, dem Tag, als der Krieg ausbrach, bis spät in die Nacht fern und ging im Glauben schlafen, ägyptische Flugzeuge hätten Tel Aviv bombardiert und der jüdische Staat sei in großer Gefahr. Den Grund dafür formulierte der verlässliche Middle East Record: 1967: "Angesichts des Mangels an Informationen seitens israelischer Sprecher am ersten Kriegstag gab es in der westlichen Presse am 6. Juni ein Übergewicht an Nachrichten aus arabischen Quellen." Erst am nächsten Tag erfuhr ich, dass die ägyptische Luftwaffe am Boden vernichtet worden war. Es war ein einzigartiger Moment aus Schreck und Rausch.

Zweitens: Meine Abschlussfeier an der Commonwealth School fand am 8. Juni statt, mitten im Krieg.

 

Die Commonwealth School liegt in Boston (Massachusetts)

 

 

Das Magazin Life vom 23. Juni 1967

 

In seiner Rede an die Absolventen der High School scheute unser erzlinker Schulleiter Charles E. Merrill Jr. keine Mühen um zwischen dem üblen Krieg der Amerikaner in Vietnam und dem guten Krieg der Israelis zu unterscheiden. Dieser Moment symbolisiert für mich, wie viel Anklang Israel einst bei Linken fand, bevor die Westbank zu einem zentralen Thema wurde. Für den Rest der Welt drückt die Titelseite des Magazins Life mit Datum vom 23. Juni dieselbe, heute ferne linke Freude aus.

 

Drittens: Das israelische Gedenken zum halben Jahrhundert konzentriert sich weder auf den Sieg über drei Feindarmeen in Rekordzeit noch auf die Eroberung anderer Territorien oder die Herstellung von Grenzen, die man verteidigen kann, sondern auf die Wiedervereinigung Jerusalems. Aus der Perspektive von jemandem, der den Krieg mitbekam, macht das Sinn, denn der emotionale Kern des Sieges war die israelische Eroberung von Ostjerusalem mit seinen Heiligtümern, seiner Geschichte und seiner Symbolik

(...mehr)