Wir brauchen die Frauen für die Auslegung des Koran

Kölner Stadt-Anzeiger - 11 Juni 2008

Amina Wadud, Islamwissenschaftlerin an der Virginia Commonwealth University in Richmond, leitete das Freitagsgebet.

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Vor drei Jahren haben Sie als erste Frau ein Freitagsgebet mit Frauen und Männern gemeinsam geleitet und damit heftigen Protest ausgelöst Was haben Sie bezweckt?

AMINA WADUD: Ich wollte das Gebet leiten. Außerdem war ich nicht die erste Frau. Zu Zeiten des Propheten hat bereits Umm Warakah dies auf dessen Anregung hin getan. In der jüngeren Geschichte des Islam aber war es etwas Besonderes.

Sie leiten aus dem Koran die Gleichheit von Mann und Frau ab. Das ist in konservativen Kreisen nicht üblich.

WADUD: Ich habe mir die Frage gestellt, theologisch und persönlich: Ist ein Mann immer die beste Wahl als Vorbeter? Der Prophet hat zu keiner Zeit gesagt, dass Frauen nicht Imame sein dürfen.

Wollten Sie provozieren?

WADUD: Nein. Ich lebe den Islam, ich zerstöre nichts. Ich wollte an die Tradition anknüpfen und habe damit einen Dialog in Gang gesetzt. Das war nötig. Und deshalb mache ich es weiter, allerdings ohne Presse.

Frauen sollen den Koran neu interpretieren. Daran arbeiten Sie wissenschaftlich.

WADUD: Es braucht die Stimme der Frauen bei der Auslegung der Texte und bei der entsprechenden Veränderung der Gesetze. Es geht darum, soziale Gerechtigkeit herzustellen. Das ist für viele schon eine Provokation.

Nun gibt es Verse im Koran, mit denen man die Unterdrückung und Schlechterstellung der Frau durch den Mann rechtfertigen kann. Was machen Sie damit?

WADUD: Sie sollten nicht angewendet werden. Häusliche Gewalt zum Beispiel ist keine Gerechtigkeit, so wie sie der Koran verlangt. Diese Textstellen sind vor dem Hintergrund einer bestimmten Zeit und eines Entstehungsortes zu sehen. Sie sind als Feministin zum Islam konvertiert. Warum?

WADUD: Ich bin keine Feministin, die Muslima wurde. Ich bin Muslima und pro Frau. Mein Vater war Christ. Er war (...)


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